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Eigentlich gibt der Aufenthalt in dem kitschig-schönen Riesenressort “Fontainebleau Hilton” am feinen Sandstrand und türkisfarbenen Meer von Miami “South Beach” wenig Anlass zu agressivem Verhalten. Genau dort war der nach Alko-Fahrt am Wörthersee “flüchtige” Ex-PVA-Vize und FPÖ-Nationalratsabgeordnete Reinhart Gaugg in der Vorwoche abgestiegen. Nachdem seine erste Reservierung irgendwie nicht geheimzuhalten war – das “Holiday Inn”, 20 Blocks weiter südlich – musste Gaugg vor Ort stornieren, und im pompöseren, wenn auch mit Doppel-Zimmerpreisen zwischen 209 und 322 Dollar die Nacht deutlich teurern Hotel an der 4441 Collins Avenue einziehen. Dafür bietet der 1206-Zimmer-Bettenbunker mit Swimming-Pool-Lagune samt Hawaii-Klängen, Wasserrutsche, Shopping Center und dutzenden Bars und Restaurants geben viel Gelegenheit zur Zerstreuung.
Vergangenen Mittwoch Nachmittag warte jedoch ich in der Hotel-Lobby, als Reinhart Gaugg gemeinsam mit 20-jährigem Sohn und 26-jähriger Tochter vollgepackt mit Einkaufstaschen durch die Glastüren schreiten. Die Florida-Metropole Miami ist trotz starken Euro zwar kein Schnäppchen-Pardies, doch die Ausläufer von Tropensturm “Christobal” verderben den Strandaufenthalt und verleiten zum Shopping. Ich rufe ihm zu: “Herr Gaugg – wollen sie Stellung zu den Vorfällen in Österreich nehmen?” Er ignoriert mich, geht weiter. Ich wiederhole meine Anfrage. Nun geht er in Schlangenlinien, um mich abzuschütteln. Ich möchte zumindest, dass ich irgendeine Reaktion des Ex-Haider-Schulterträgers und NAZI-Buchstabierers erhalte. Viele Varianten sind mir als Journalist bei der unangekündigten Interview-Anbahnung vorstellbar: “Ja, setzen wir uns ans Pool…”, “Nein, verschwinden sie!”, “Jetzt nicht, rufen sie mich an…” Schweigen. Weitergehen. Kopfschütteln.
Es soll anders kommen: Gaugg dreht sich um, geht rasch auf mich zu, seine Augen funkeln, seine Hände sind geballt. Ich trete instinktiv zurück. “Sind sie wahnsinnig?”, schreit er. “Sind sie verrückt?” Dazwischen murmelt er Obszönitäten – ich verstehe nur ein “Schleich di…”. Ich habe Angst, bin einigermaßen konsterniert. Gaugg ist durchauskräftig gebaut, und scheint sich nicht mehr vollständig unter Kontrolle zu haben. “Wollen sie mich schlagen?”, frage ich verdattert. “Das sind sie mir nicht wert”, antwortet er zwar, doch geht nach wie vor auf mich zu. Inzwischen trachte ich nur mehr, heil aus dieser unheimlichen Begegnung rauszukommen, versuche Gaugg zu beruhigen. Der ruft plötzlich die Hotel-Security. “Sorry, aber das hier ist ein öffentlicher Ort”, sage ich: “Ich darf hier sein!” Der Security-Beamte ist verwirrt: Warum ruft ihn eigentlich der Aggressor zu Hilfe, mag er sich denken. Gaugg ist nun endlich weitergegangen, steht bereits gut 15 Meter weit weg im Gang zu den Liften. Immer noch schreit er: “Sind sie verrückt? Sind sie wahnsinnig?” Ich gehe aus dem Hotel. Kein Interview. Aber auch keine gebrochenen Knochen.