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Ein Stecknadel konnte man im „Ball Room“ des schicken „Century Plaza Hotels“ in Los Angeles fallen hören, als pünktlich zum Schluss der Wahllokale in Kalifornien um 20 Uhr die ersten „Exit Polls“ und Hochrechnungen veröffentlicht wurden. Die dicht gedrängte Menge aus Fans und Wahlkampfmanagern des „Governator“ getauften Austro-Amerikaners Arnold Schwarzenegger hält nervös ihre „JoinArnold“-Plakate in die Höhe. Vielen steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, dass der schrille Recall-Wahlkampf zur Abberufung des amtierenden Gouverneurs Gray Davis und Bestimmung eines Nachfolgers zu Ende ist. Mit dem Subtitel aus Terminator II, „Judgement Day“ – Tag der Abrechnung – hatten die großen kalifornischen Tageszeitungen am Morgen den historischen 7. Oktober eingeleitet.

Um 10 Uhr hatte Arnie in einer Feudal-Villa im exklusiven L.A.-Stadtteil Pacific Pallisades, Nummer 13554 Lucca Drive, selbst seine Stimme abgegeben. Frau Maria ließ er den Vortritt. Wie er sich fühle, erstmals selbst seinen Namen auf einem Stimmzettel vorzufinden, wurde er gefragt. „Ich musste durch zehn Seiten blättern, aber ich habe einfach nach dem längsten Namen gesucht“. Gelächter. Bei der Abfahrt aus der Mansion mussten seine bereits von der Kampagne abgekämpften Bodyguards ihm den Weg durch die Fotographen-Schar regelrecht freikämpfen. Danach ging er Mittagessen, tourte durch den Großraum L.A., um noch mehr Wähler zu den Wahlurnen zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt tauchte die erste hoffnungsfrohe Meldung auf: 65 Prozent Wahlbeteiligung werde erwartet. Zu diesem Zeitpunkt noch unklar: Haben Massen an Jungwähler die Wahllokale gestürmt oder ist eine motivierte demokratische Parteibasis Davis zu Hilfe gekommen? Bald ist das bangen vor bei: Arnie hat die Sensation geschaft, er wurde zu „Governator“ Kaliforniens gewählt.

BauernebelArnieParty
Der Autor auf der Arnie-Siegerparty in L.A.

Arnold Schwarzenegger, 56, in Thal bei Graz geboren, in Kalifornien zum König der Bodybuilder und Hollywood-Superstar aufgestiegen, mischt jetzt die US-Politik auf, wie niemand mehr seit Schauspieler-Kollege Ronald Reagan. Das Phänomen Arnold überschattet seit zwei Monaten die nationale Politik der Supermacht USA: Der Recall-Thriller ist Dauerthema in den Morgen-TV-Shows nicht nur offenbar im 35-Millionen-Einwohner-Bundesstaat Kalifornien, sondern in der ganzen Nation – verdrängte selbst die jüngsten Troubles des US-Präsidenten George Bush durch das Irak-Fiasko vom Nachrichtenspitzenplatz. „Die Medien behandelten den Wahlkampf wie eine Präsidentschaftskampagne“, erzählt mir „University of California“-Politologion Lynn Vavrick: „Ohne Arnold wäre das ein interessantes, doch eher lokales Spektakel geblieben“. Die Story vom Governator Arnie wurde auch weltweit zum Renner: 220 Medien-Teams aus 32 Staaten folgten ihm bei seiner Viertages-Bus-Tour durch Kalifornien, vom Swimming Pool des Plaza-Hotels aus moderierten Anchors aus Japan, Korea, China und Russland ihre Nachrichtensendungen.

Die Konsequenzen des spektakulären Polit-Quereinstieges reichen bis ins White House: Gerne würde Bush für seine Wiederwahlkampagne auf einen republikanischen Gouverneur im mit 54 von insgesamt 538 Wahlmännerstimmen wichtigen Kalifornien zurückgreifen können. Offen hatte er die Kandidatur Schwarzeneggers gleich zu Beginn goutiert. „Ich denke, er würde ein großartigen Gouverneur abgeben“, sagte Bush im Sommer auf seiner Texas-Ranch. Mit einem Triumph in Kalifornien würde Schwarzenegger auch zum neuen Republikaner-Superstar aufsteigen, der ihn – sollte eine eingebrachte Verfassungsänderung durchgehen, wonach Einwanderer nach 20 Jahren US-Bürgerschaft auch für das Präsidentschaftsamt kandidieren könnten – wie Reagan vom State House in Sacramento ins Oval Office nach Washington führen könnte.

In Kalifornien hat Arnies Starpower die Massen mobilisiert und polarisiert: 21,7 Millionen Wahlberechtigte gab es bei der letzten Gouverneurs-Jahr vor nur knapp einem Jahr, doch nur 30 Prozent des durch Budget-, Strom- und Jobkrise desillusioniertem Wahlvolkes erschien damals zur Stimmabgabe, die niedrigste Quote in den USA. „Das Polit-Spektakel um Arnie hat bis zu 30 Prozent an Neuwählern angelockt“, analysiert Mark Di Camillo von Umfrage-Institut „Field Poll“. Neu hinzugekommen sind vor allem Jungwähler, Fans von Arnie-Filmen, die sich sonst kaum mit der Politik auseinandergesetzt hätten. Durch den umstrittenen Recall, der von den Davis als republikanischer Griff nach der Macht denunziert worden war, strömten auch mehr Demokraten zu den Urnen. Die Polarisierung war auch im täglichen Leben Kaliforniens unübersehbar: Kaum jemand schien in den letzten Tagen nicht über den „Recall“ zu sprechen, in Bussen, Restaurants, Flugzeugen, Einkaufszentren und Ämtern kam es auch Teils zum wütenden Auseinandersetzungen zwischen Arnie- und Davis-Fans. Kurios hatte der Recall mit 135 Kandidaten samt Kinder- und Pornostar begonnen, geendet jedoch als Zweikampf zwischen dem im Austro-Akzent und prägnanten Kurzsätzen einen Neustart im „Verkommenen Paradies“ (Der Spiegel) fordernden Hollywoodstar und dem amtierenden Technokraten Gray Davis. „Davis hat Jobs terminiert, er hat unsere Träume terminiert, es ist Zeit, ihn zu terminieren“, rief der Terminator gerne Land auf Land ab.

Gekostet hat Arnie, privat laut Experten insgesamt 200 Millionen Dollar schwer, sein 61-Tage-Wahlkampf ein Vermögen: 7,35 Millionen spendete er sich selbst. Zusätzlich füllten 4.067 Spender die Wahlkampfkasse mit Gesamteinnahmen von 18,1 Millionen Dollar – über eine Million wurde allein am letzten Wahlkampfwochenende eingenommen. Gegenspieler Davis brachte es auf 14,5 Millionen. Bezahlt hat Arnie damit eine Rekordzahl an TV- und Radiowerbe-Spotts, Millionen Postwurfsendungen und Telefonate. Sein in Rekordzeit aus dem Boden gestampftes Campaign Headquarter in Santa Monica beschäftigte 100 Mitarbeiter – Pressesprecher, Strategen, Analysten, Logistiker, Bodyguards. 17.000 Freiwillige hatte sich gemeldet. Rasch eingebunden in den Wahlkampf war auch JFK-Nichte und Gattin Maria Shriver: Die freigestellte NBC-TV-Journalistin und Mitglied des demokratischen Kennedy-Clans sollte vor allem Demokraten ins Lager ihres Republikaner-Gatten ziehen. Doch dann brach die Grapsch-Affäre los, nachdem 16 Frauen in der renommierten Zeitung L.A.-Times detaillierte Beschuldigungen gegen Arnie erhoben, er habe sie sexuell belästigt. Fortan stand ihm Maria im tagelangen Mediensturm zur Seite, zuletzt sah sie abgemagert, erschöpft und auf einigen Bildern regelrecht verheerend aus. Einige sahen sie bereits am Rand des Zusammenbruchs.

Arnie führte seine Kampagne eher nach den Spielregeln Hollywoods – „eine gute Strategie, die sein Image als frischer Außenseiter gegen das korrumpierte Polit-Establishment einzementierte“, so L.A.-Times-Arnie-Spezialist Mark Barabak. Eine „perfekte Verschmelzung zwischen Politik und Entertainment“ benannte es die New York Times: Seine Kandidatur gab er in der Talkshow von Jay Leno bekannt – mehr Zugang gewährte er bekannten Hollywood-Reporter als deren Kollegen aus den politischen Redaktionen. Details seiner Polit-Pläne ersetzte er mit Sound Bites und teils humorigen Kurzsätzen, mit denen er sich auch in der TV-Debatte durchsetzte. Auch am Wahltag hatten die Wähler keine Ahnung, wie genau Arnie Kalifornien retten wolle, außer das er „Scramento ausmisten“, der „Gouverneur der Bürger“ und „starker Leader“ sein wolle.

Überlebt hatte Arnie eine der brutalsten Polit-Schlammschlachten seit Generation, die selbst den Oralsex-Skandal um Ex-Präsident Bill Clinton teilweise in den Schatten stellten. Wie eine Bombe schlug am 6. August seine völlig überraschende Kandidatur-Ankündigung in der Talkshow von Jay Leno ein (sein Top-Berater George Gorton hinter der Bühne hatte einen Zettel mit einer Stellungnahme in seiner Sakko-Tasche eingesteckt, warum Arnold nicht kandidieren werde…). Die Sensation sorgte für einen einzigartigen Medienhype rund um den Erdball, sowie gleichzeitigen Coverstories in den wichtigsten US-Magazinen „Time“ und „Newsweek“. Doch in ersten „Live“-Interviews am Folgetag in den TV-Morgen-Shows (4 Uhr Ortszeit in L.A.) wirkte Arnold unausgeschlafen, uninformiert, den ersten knallharten Fragen der Medien-Profis nicht gewachsen. Fortan mied er das direkte Frage-und-Antwortspiel mit der ihn verfolgenden, riesigen Reporterschar, sagte auch erste TV-Debatten mit Gegenkandidaten ab. Dafür ließ er eine Reihe prominenter Berater aufmarschieren, darunter Investorenlegende Warren Buffett oder Ex-Außenminister George Shultz.

Doch prompt dominierte die Frage die Medienberichterstattung: Ist Arnold „Ready for Primetime“? Hat der Muskelmann und Actionheld das Zeug, die fünfgrößte Volkswirtschaft der Erde zu regieren? Und auch nach Details seiner Reform-Programme wurde in einem Wust aus Kurzstatements und Plattitüden („Ich werde der Gouverneurs der Bürger sein!“) vergeblich gesucht. „Seine Verweigerung der Debatten und Mangel an konkreten Reformideen wurde zum ersten Leitthema seiner Kampagne in der Medienberichterstattung“, so Vavreck. Schlimmer noch: Ein Aktivist verfolgte Arnie bei allen öffentlichen Auftritten in einem Hühner-Kostüm, „chicken“ heißt auf Amerikanisch nichts anderes als Feigling. „Jemand der sich nicht einmal Debatten stellt, hat kein Recht Gouverneur zu werden“, erklärte der Mann hinter dem Kostüm, Michael Villain.

Recherchen in Arnies Vergangenheit traten am Stand, bis User „kozmo23“ des Internetflohmarktes Ebay eine Kopie des Sexmagazins „Oui“ angeboten hatte, drinnen ein Mehrseiten-Interview aus dem Jahr 1977 mit dem Bodybuilder Arnold, der offen über Gruppensex, Blowjobs hinter der Wettkampfbühne, Aufriss-Strategien, Steroids-Alkohol-Mixgetränke und Penisgrößen schwadronierte. Schnell wurden andere respektlos gegenüber Frauen erscheinende Zitate aus Arnies Karriere ausgegraben, Gattin Maria Shriver hatte fortan alle Hände voll zu tun in Sachen Schadensbegrenzung. Es folgten Rassismus-Vorwürfe, nachdem der farbige Ex-Bodybuilder Rick Wayne zitiert wurde, der junge Muskelmann hätte Südafrikas Apartheid unterstützt, „weil Schwarze an der Macht jedes Land in den Graben fahren würden“. „Er hat es im Streit gesagt“, relativierte Wayne, heute Zeitungsherausgeber auf der Karibikinsel St. Lucia, in einem Telefonat mit mir: „Arnie war kein Rassist, im Gegenteil, er hatte farbigen Bodybuildern geholfen“. Und welcher Rassist hätte schon einen Schwarzen zum Freund?

Dann fiel Arnie in den Umfragen sogar hinter dem farblosen Demokraten Cruz Bustamante zurück. Die Wende kam in der einzigen TV-Debatte, an der Arnie teilnahm: Dort lieferte er sich einen teils humorigen Showdown mit der unabhängigen TV-Kommentatorin Ariana Huffington. Nur acht Prozent der über zehn Millionen TV-Zuseher betrachteten ihn als den für das Amt qualifiziertesten Kandidaten. Doch punktete er als schlagfertiger, führungsstarker Polit-Outsider, dem man Reformen zutraute.

CNN- und L.A.-Times-Umfragen deuteten auf einen Erdrutsch zugunsten Arnies hin: Während eine klare Mehrheit Davis abberufen wollte, führte er mit 40 Prozent das Feld der Nachfolger deutlich an. Als Arnold bereits siegessicher ankündigte, wie er Kalifornien in seinen ersten 100 Tagen regieren wolle, redigierten im Verlagsgebäude der L.A. Times Chefredakteure fieberhaft am ersten Teil des dann dreiteiligen Grapsch-Dossiers: Zuerst wurden die Aussagen von sechs Frauen abgedruckt, die Arnie entweder an Brust oder Po begrappschte; am Folgetag outete die Zeitung weitere Opfer, dann nochmals vier mit teils ekeligen Details. Plötzlich befand sich Schwarzenegger – ausgerechnet bei seiner Bustour, eine wie in einer Hollywood-Produktion als Siegestour designte Viertagesreise von San Diego nach Sacramento – in der Defensive. „Es stimmt, ich habe mich manchmal schlecht benommen“, bestätigte Schwarzenegger auf der Bühne völlig überraschend die Vorwürfe, „es war als Spiel gemeint, doch wenn es jemand getroffen haben sollte, dann bedauere ich das zutiefst und entschuldige mich“. Die Bustour wird zum „Theater des Absurden“: Bei einem Stopp drängt sich eine weitere Frau zum Medientross, berichtet über ihre eigene sexuelle Belästigung durch den „Gropi-nator“ (Grapschinator), wie Arnie in Boulevardzeitungen längst hieß, vor 15 Jahren. Arnie wird von den in vier Bussen namens „Preditor 1 – 4“ mitreisenden Medientross völlig abgeschirmt, gibt nur den führenden US-TV-Stationen kurze Interviews. Kampagnensprecher Sean Walsh platzt plötzlich in die auf ihr erstes Mahl wartenden Journalistenrunde und brüllt sie an: „Hört auf, aus ungeprüften Anschuldigungen Top-News zu machen!“ Sein Kollege Todd Harris scheint Kummer und Stress mit ein paar Drinks weg zu kippen. Zermürbt vom Dauerfeuer schien Arnie die Welt nicht mehr zu verstehen: Wie konnte seine Art von Humor so missgedeutet werden? Diese letzten Anschuldigungen seien völlig aus der Luft gegriffen, protestierte er. Und warum hätten sie ihn nicht einfach angerufen, gesagt „Arnold du bist zu weit gegangen!“, fragte er sich selbst: „Ich hätte mich sofort entschuldigt!“

Doch es kommt dicker: Nur Stunden nach dem Grapsch-Dossier tauchen im TV-Kanal ABC und der Zeitung „New York Times“ Zitate eines Arnie-Interview aus 1975 auf, wo er Hitler bewundert. Die Interviews waren Teil der Body-Building-Doku „Pumping Iron“, besagte Passagen in einem Buchvorschlag des Produzenten George Butler inkludiert. Auf die Frage nach seinen Idolen führt der junge Arnie über Hitler aus: „Ich habe ihn bewundert für den Aufstieg aus armen Verhältnissen zur Macht und für seine rhetorischen Fähigkeiten“. Gerne wäre er auch in den Schuhen des Führer gesteckt, deutete der steirische Muskelmann an, als der durch die Milllionenschaft jubelnder Nazis am Nürnberger Parteitag schritt.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass gesagt zu haben, weil ich alles verachte, für das Hitler und die Nazis gestanden haben“, sagte Schwarzenegger, von TV-Kameras an die Wand gedrängt. Als die daneben stehende Gattin Shriver kurz gegen einen Ohnmachtsanfall kämpft, musste ein Interview unterbrochen werden. Die Skandalmaschinerie konnte niemand mehr aufhalten: Der bedrängte Gray Davis forderte kriminelle Voruntersuchungen; der Grün-Kandidat Peter Camejo bezeichnete Arnie als „Predator“, der wenn er schwarz, hisspanisch oder arm wäre, längst hinter Gittern säße; Demokrat Cruz Bustamante deutete an, dass er ähnliches Benehmen gegenüber seinen Töchtern mit einer mexikanischen Vendetta begegnet hätte; Frauengruppen scharten sich in Presse-Konferenzen rund um die Opfer; die Zeitung „Oakland Tribune“ zog ihre Arnie-Wahlempfehlung zurück und die Republikaner-Partei Kaliforniens schien ihre einstimmige Arnie-Unterstützung bereits bitter zu bereuen. Auch Hollywood fiel seinem gefallenen Star in den Rücken: „Wenn sich Arnold ausredet, all das wäre Spaß in der wilden Atmosphäre des Drehsets gewesen“, sagte etwa Danny Glover, „dann muss man ihn darauf hinweisen, dass er als Star selbst bestimmt, wie ausgelassen es zugehen kann“. Stars von Barbara Streisand, Cybill Shepherd bis „Bond“ Pierce Brosnan unterzeichneten obendrein im Branchenmagazin „Daily Variety“ einen Aufruf, Gouverneur Davis im Amt zu behalten.

In dem Inferno wirkte Arnold bei seiner Schlusskundgebung in den Stiegen vor dem Säulendom in Sacramento bereits etwas verloren: Mit einem Besen bewaffnet rief er den Stehsatz vom Ausmisten in die Menge. „Spend, Spend, Spend“, schreit er in seinem Trademark-Austro-Akzent, und meint das Davis-Budgetloch, „Tax, Tax, Tax!“, brüllt er und verspricht die Senkung der Autosteuer, „Loose, Loose, Loose“, ruft er und meint die Abwanderung der Kalifornien-Jobs nach New Mexiko oder Indien. Als Genugtuung muss da die Nachricht erschienen haben, dass auch die L.A. Times Schläge einstecken musste: 1.000 Abos waren von wütenden Arnie-Fans gekündigt worden, 400 Anrufe erreichten das Redaktionsgebäude, einige durchaus „deftig“, wie die Zeitung eingestand.

Was er in den ersten 100 Tagen als Kalifornien-Gouverneur plant, hat er bereits vor dem Wahltriumph in einer 12-Minuten-Rede vor Republikaner-Aktivisten bekannt gegeben, darunter sind durchaus populistische Aktionen: Am Tag eins im Gouverneurs-Kuppelbau zu Sacramento werde er die Verdreifachung Auto-Zulassungssteuer rückgängig machen, posaunte er ins Auditorium, dann das Gesetz, das illegale Einwanderer zu Führerscheinprüfungen zulässt, rückgängig machen. Sofort will er das Budget durchleuchten und Programme zusammenstreichen, den Zugriff spendierfreudiger Interessenvertreter auf Sacramento eindämmen.

„Man muss wohl verrückt sein, um Kalifornien zu regieren“, schreibt die New York Times: Während ein frustriertes Wahlvolk vom Governator auf rasche Besserungen hofft, bangen 300.000 Landesbeamte um ihren Job, wird ein von liberalen Demokraten dominiertes Bundesstaats-Parlament konservative Reformideen kaum kampflos hinnehmen – und praktisch alle Spitzenbeamten sind auf Rache sinnende Demokraten. Das Budget für das nächste Jahr startet mit einem Minus von acht Milliarden Dollar, doch über 80 Prozent der Ausgaben hat der Gouverneur keinerlei Einfluss. Doch sollte die New-Economy-Industrie Silicon Valleys in den nächsten Jahren wieder anspringen und das Steueraufkommen ankurbeln, könnte der Governator wie zuvor beim Body-Building und Schauspielen auch in der Politik in kürzester Zeit zum Superstar werden.