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Es ist gerade mal so groß wie der Pizza Shop nebenan, doch viele atmen auf, dass es in New York, fünf Jahre nach dem 11. September, endlich die erste offizielle Anlaufstelle für Trauernde und Touristen gibt. “WTC Tribute Center” heißt das temporäre Mahnmal gleich am Südrand der gigantischen Baugrube von “Ground Zero”. Eine der vielen 9/11-Opfergruppen hat es fast in Eigenregie realisiert – nachdem sich der Bau des offiziellen Memorials, dem größten und mit Kosten von bis zu einer Milliarden Dollar teuersten der Menschheitsgeschichte, wie der Rest des Wiederaufbauprojektes dramatisch verzögert. Zu sehen sind in dem kleinen Ausstellungsraum nun Fotos, die berührenden “Missing”-Zettel, mit denen damals nach Vermissten gesucht wurde, ein Modell der Twin Towers, dazu Schicksalsgeschichten von einigen der 2.609 Todesopfern, dokumentiert in Wort, Bild und Ton. Die New Yorker Politelite tanzte brav zur Eröffnung am Mittwoch an, Gouverneur George Pataki, Bürgermeister Michael Bloomberg, Stadt- und Landespolitiker. Eigentlich hätten sie sich vor Scham verkriechen sollen: Seit fünf Jahren drücken sich Besucher und Angehörige von Opfern an einem provisorischen Bauzaun die Nase platt, ein paar Bilder und Schautafeln wurden zwar aufgehängt, doch die meiste Info kommt von einem verrückten Flötenspieler, der Verschwörungstheorien verbreitet, ein paar Abzockern oder “Ich-war-damals-dabei”-Guides. Dabei ist Ground Zero eine der populärsten “Sehenswürdigkeiten” des Big Apple: Die makabre Baugrube lockt weit mehr Besucher an als früher das Aussichtsdeck im 110. Stock des Nordturms. Wie groß die Sehnsucht nach einem “offiziellen” Ort der Trauer in New York fünf Jahre nach dem Jumbo-Inferno ist, verdeutlichte auch der Ansturm an Reportern aus aller Welt: Mit 30 Kamerateams und über 100 Reportern waren mehr Journalisten als Ehrengäste gekommen. Trotz fünf Jahre Abstand, trotz aller Kritik an Amerikas martialischer Reaktion auf die Attacke – der 11. September, und das wird in diesen Tagen vor dem runden Jubiläum deutlich, übt auf Medien und Menschen immer noch fast hypnotisch.