Print Friendly, PDF & Email

Es war für Hillary Clinton eine leichte Generalprobe für die Primaries 2008, die sie als Demokraten-Kandidaten für den Sturm aufs Oval Office küren sollen (falls sie antritt…). Mit 83 Prozent ließ sie bei den Vorwahlen zur Senatswahl Anfang November den linken Antikriegskandidaten Jonathan Tasini locker zurück, niemand zweifelt an ihrer Wiederwahl als NY-Senatorin. Die wichtigste Übung war jedoch, keinerlei Munition für künftige Republikaner-Attacken zu liefern: Leicht hätte sich Hillary zu einer Debatte mit ihrem Herausforderer hinreißen lassen und dann den linken Parteirand mit Sympathie für einen raschen Truppenabzug aus dem Irak befrieden können. Sie lehnte beides ab. Das Risiko, die eigenen, zusehends kriegsfeindlichen Parteifreunde zu vergraulen scheint ihr, sicher auch dank des Frühstückstisch-Coaching von Gatten und Polit-Genie Bill, geringer, als eine lange Liste an, für eine Schlacht in 2008 potentiell peinlicher Statements und Abstimmungen zu hinterlassen. Klar, Hillary und der Rest der Demokraten waren vor den letzten Midtermwahlen 2002 von Bush & Co über den Tisch gezogen worden: Sie stimmten dem Irak-Kriegs-Go rasch zu, um ein Thema, bei dem sie sich gegen einen damals noch populären “Kriegspräsidenten” chancenlos sahen, vom Tisch zu haben. Die Wahlen verloren sie trotzdem – und mit dem heutigen Debakel im Irak bereuen fast alle Demokraten ihr Ja im Senat bitter, viele haben sich von ihrer Entscheidung distanziert. Nicht Hillary: Etwas unehrlich eiert sie herum, dass sie damals dem Präsidenten nur die Option für einen Krieg autorisieren wollte, um Bush beim Saddam-Showdown um die Waffeninspektoren den Rücken zu stärken. Zusätzlich wettert sie jetzt gegen die Exekution des Krieges, immer schärfer werden ihre Attacken vor allem gegen Rumsfeld. Das alles hat vor allem einen Sinn: Sie kann sich vom Krieg nicht ganz distanzieren, will sie ein Image als notfalls “toughe” Oberbefehlshaberin der US-Streitkräfte, die Amerikas nationale Sicherheitsinteressen verteidigt, aufbauen will. Ein “Ja” zum Truppenabzug werten Republikaner-Strategen als Kapitulation – und die mögen Amerikaner nicht besonders. 2008 wird der Irakkrieg weitervererbt, und die Republikaner werden, weil sie kaum auf “Errungenschaften” der Bush-Präsidentschaft aufbauen können, wohl weiter auf die Terror-Angst- und Kriegskarte setzen. Und Hillary hat offenbar auch vom tragischen John Kerry 2004 gelernt: Senatoren haben es als Präsidentschaftskandidaten ohnehin nicht leicht, da im komplexen Senatsbusiness Einzelentscheidungen oft unverständlich erscheinen und leicht Munition für Attacken liefern. Doch Kerry wollte wohl sehr locker und ehrlich sein, als er ausplauderte: “Ich stimmte für eine Irakkriegsfinanzierung, bevor ich dagegen stimmte”. Die Bush-Wahlkampf-Profis schnitten zu dem Zitat Kerry beim Windsurfen dazu, ein Mann, der dorthin geht, wohin ihn der Wind bläst, keiner für Kriegszeiten jedenfalls. Das Wahlergebnis ist bekannt.