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“Freedom Tower” ist sicher ein provokanter Name für eine Stadt in Dauer-Terrorpanik, seine Höhe mit 541 Meter ebenso – doch die New Yorker selbst wollten ihre Skyline nach der Auslöschung der Twin Towers zurückhaben. Es ist typisch für ihre “Wir lassen uns nicht unterkriegen”-Mentalität: Als Planer zunächst mit bescheidenen 50-Stöckern zum Wiederaufbau Ground Zeros bei einer Bürgerversammlung antanzten, wurden sie ausgepfiffen. Die Bürger des Big Apple wollten Al-Kaida wissen lassen: Wir bauen noch höher! Wir lassen uns nicht einschüchtern! Kaum jemand hätte sich damals vorstellen können, dass es fünf Jahre dauern würde, bis erstmals, von sichtbaren Fortschritt ganz zu schweigen, eine reelle Chance besteht, den patriotischen Turm – dessen Höhe mit 1.776 Fuss an den US-Unabhängigkeitstag erinnert – auch verwirklichen zu können: Übers Wochenende wurde verlautet, dass US-Behörden die Hälfte des Towers mieten sollen, nachdem das Interesse am Privatmarkt für die exponierte Immobilie gering ist. Dazu versicherte der wahrscheinliche, künftige Gouverneur New Yorks, Eliot Spitzer, einst vehementer Kritiker des Projekts, dass er am Bau des Freedom Towers festhalten werde. 2012 soll der Turm, samt Antenne gleich um 128 Meter höher als die WTC-Skyscrapers, in den Himmel über Lower Manhattan ragen, gemeinsam mit drei weiteren Hochhäusern der Stararchitekten Norman Foster, Sir Richard Rogers und Fumihiko Maki. Sieht fast nach einem architektonischen Happy End für Lower Manhattan aus, deren Skyline nach 9/11 eher Boston glich als der einer inoffiziellen Weltkapitale. Doch der Wiederaufbau ist ein peinliches Kapitel in der New Yorker Geschichte, das sich deutlich manifestierte, als Trauerende am 5. Jahrestag noch immer vor einem siebenstöckigen Loch im Boden standen. Zuerst wurde der Gewinner des Architekten-Masterplans, Daniel Libeskind, vom Immobilienhai Larry Silverstein, Pächter des WTC-Areals, im jahrelangen Kleinkrieg zermürbt und ausgebremst, den Tower designte schließlich sein Leibarchitekt David Childs. Dann legte NY-Gouvernor George Pataki 2004, ein Wahljahr, offensichtlich, am 4. Juli, dem US-Unabhängigkeitstag, einen mit allmöglichen patriotischem Parolen vollgravierten Grundstein. Der arme lag lange allein in der Grube, und dann schließlich sogar am falschen Ort: Durch plötzliche Sicherheitsbedenken der NY-Polizei (eingebracht zwei Jahre nach Vorlage des Masterplans…) landete das Freedomtower-Fundament an einer anderen Stelle. Der Grundstein ist mittlerweile wieder abtransportiert, kein Politiker will ihn wegen des großen Blamierungspotentials neu legen.