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Pakistans Präsident Pervez Musharraf hatte viel zu tun in den USA, doch andauernd wurde er abgelenkt vom eigentlichen Hauptzweck seiner Dienstreise: Da zerrte ihn Präsidentenkollege George Bush vor das Presse-Corps, stellte ihm im Oval Office immer wieder diese nervigen Fragen, wo Osama sei und so. Dann wurde von Bush auch noch ein Treffen mit Afghanistans Präsident Hamid Karzai angesetzt, den Musharraf nicht wirklich mag, doch Bush will keinen Streit hier, besonders mit dem ganzen Comeback der Taliban, die ja nach wie vor gute Beziehungen mit Pakistans Geheimdiensten unterhalten. Musharraf hat ja Verständnis für Bush, der wegen dem ganzen Irakdebakel und jüngsten Streitereien mit gleich beiden Clintons um die Osama-Jagd um seine Republikanermehrheit im Kongress bangt (denn sollte er die verlieren, würden die Demokraten ihm mit U-Ausschüssen zu allen möglichen Skandalen das Leben erst wirklich ungemütlich machen).
Doch Musharraf ist diesmal eigentlich hier als Autor. “In the Line of Fire” heißt seine Bio und sein US-Verlag “Simon & Schuster” hat ihm ein striktes Drehbuch zur Vermarktung vorgegeben: Den Kommentar, dass ihm der “Bullie” vom State Department, Richard Armitage, nach 9/11 die Bombardierung in die Steinzeit androhte, sollte er nicht parieren, wurde, wie üblich, in einem “60 Minutes”-Interview auf CBS ausposaunt und wenige Tage vor der Ausstrahlung ausgesendet. Pech für Reporter, die Musharraf, an der Seite Bushs stehend, um Auskunft baten: “Laut meinem Vertrag mit Simon & Schuster”, winkte der ab, “kann ich vor der Buchveröffentlichung dazu nichts sagen”. Gelächter im Saal. So was hat man in den ehrwürdigen Hallen des White House von einem Staatsgast noch nie gehört. In Serieninterviews mit US-Medien – zur Promotion seines Buches und nicht etwa zu den brennenden Fragen, warum Pakistan Osama & Co fast unbehelligt in seinen Bergketten Terrorpläne schmieden und Videopropaganda produzieren lässt – analysiert Musharraf, dass Bushs Irakkrieg bei der Al-Kaida-Jagd kontraproduktiv sei. So was hören potentielle Leser seines Buches gerne. Er wiederholt diese Kritik bei allen möglichen Auftritten, außer denen, wenn Bush gerade wieder mal an seiner Seiten steht.
Es folgte ein noch kurioserer Höhepunkt der Musharraf Buch-Tour: Als erster amtierender Präsident trat er auf in Jon Stewarts “Daily Show”, einer satirischen “Nachrichtensendung”, die tägliche Vorkommnisse aufs Korn nimmt und enorm populär ist (für viele, vor allem junge Amerikaner, ist sie inzwischen die ausschließliche Quelle an News…). Stewart servierte dem Chef eines Atomstaates grünen Tee und einen amerikanischen “Twinkie”-Keks, erklärte, dass die Twinkies eigentlich aus lauter ungenießbaren Zutaten gemacht werden und erst nach deren Kombination essbar werden, und fragte dann, bei Tee-Einschenken, so nebenbei: “Wo ist Osama?” “Keine Ahnung”, sagte Musharaf: “Wenn Sie es wissen, dann folge ich ihnen”. Gelächter. Am Schluss fragte Stewart noch: Wer würde eine Wahl in Pakistan gewinnen, Bush oder Bin Laden? “Die würden beide fürchterlich abstinken”, so Musharaf. Noch mehr Gelächter. Bush wird wohl schon die Tage bis zu Musharrafs Abreise zählen – doch die gibt es erst, wenn Simon & Schuster das Gefühl hat, das die Buchtour ein Erfolg ist.