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“Only in New York, Kids, only in New York”, schreibt NY-Post-Kolumnistin Cindy Adams jeden Tag, meist ist eine ein wenig überstrapazierte Phrase – doch keinesfalls in dem Politthriller, der sich diese Woche in New York entfaltete: Mitten in den Wahlkampf der Republikaner-Kandidatin Jeanine Pirro um den Posten des “Attorney General”, dem Top-Staatsanwalt des Staates New York (gerade besetzt mit dem Eliot-Ness-ähnlichem, die halbe Wall Street verklagenden Saubermann Eliot Spitzer, der nun am Sprung zum Gouverneur ist), platzten die News, dass die ehemalige Bezirks-Staatsanwältin ins Visier der Feds geriet, da sie ihren seitenspringenden Ehemann auf seinem Privatboot, “Love Boat”, laut Klatschpresse, mit einer Wanze abhören hatte wollen.

Um Hilfe bat sie – und jetzt wird die Story so gut, dass es sich Hollywood kaum besser ausdenken hätte können – den Ex-New-York-Polizeichef Bernie Kerik. Doch Kerik, der eigentlich Bagdad befrieden hätte sollen, jedoch nach nur drei Monaten, ein paar Nachteinsätzen und dummen Witzereissen in Planungsgesprächen, so ein jüngstes Enthüllungsbuch, den Irak wieder verließ, wurde gerade selbst von den Feds observiert, wegen des Verdachts, Polizisten beim Ausbau seines Eigenheimes illegal beschäftigt zu haben.

Die FBI-Beamten trauten ihren Ohren nicht, was Pirro da so erzählte: “Was soll ich den tun, Bernie? Ihm zusehen, wie er sie fickt jede Nacht?” Als Kerik die Anklägerin auf die rechtlichen Implikationen aufmerksam macht, winkt die ab: “Ich kann ja zum Boot gehen, ich platziere die gottverdammte Wanze selbst”. Ein nettes Protokoll, besonders wenn es fünf Wochen vor der Wahl einer TV-Station zugespielt wird.

Nun, Jeanine Pirros Husband Al ist sichtlich kaum ein idealer Ehepartner für eine politische Karriere: Wegen Steuerbetrug war der, bis zum Lizenzentzug als Anwalt tätige Matcho-Typ mit Mafia-Look und -connections gleich wegen 66 Einzelverfehlungen verurteilt worden und saß elf Monate im Knast. Pirros Plan, Hillary Clinton bei der Senatswahl herauszufordern, scheiterte vorigen Sommer, als plötzlich ein uneheliches Kind von Al auftauchte. Vielleicht wollte sich Al ja beim jüngsten Wahlkampf seiner ambitionierten Gemahlin zusammenreißen, gelungen ist es ihm nicht: Im Juli raste er mit gleich 160 Sachen durchs Ortsgebiet und an einer Schule vorbei. Nice. Pirro vergoss damals bereits Tränen bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz.

Jetzt dürfte ihre Politlaufbahn beendet sein, auch wenn sie um Mitleid als “betrogene, verzweifelte Gattin” bat. Warum sie mit dem Typen zusammenbleibt hat einen Grund: Scheidungen sind für Kandidaten in den USA praktisch politische Todesurteile. Aber eigentlich, belegen die FBI-Tapes, habe sie ohnehin wenig Bock auf den “Attorney General”-Posten: “Weißt du”, erzählte sie Kerik, “das habe ich ja alles schon irgendwie hinter mir, das ist eher langweilig – ich wäre längst im Gouverneurspalast ohne meinen Mann”. Only in New York, Kids, Only in New York.