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Der Verlag “Simon & Schuster” sowie die Zeitung “Washington Post” hatten einen detaillierten Vermarktungsplan für Bob Woodwards neuestes Bush-Bashing-Buch “State of Denial” (Realitätsverweigerung) ausgetüftelt: Ein Interview in “60 Minutes”, dem TV-Magazin des Senders CBS, eine Aussendung der besten Quoten ein paar Tage zuvor, um den “Buzz” über das Buch zu erhöhen, dann am Wochenende ein Vorabdruck in der “Washington Post”, wo Watergate-Aufdecker Woodward Chefredakteur ist.

Doch in der rasenden, vernetzen Nachrichtenwelt sind solche Strategien oft bereits nach Stunden überholt: Während CBS am Donnerstag wie geplant die ersten Woodward-Enthüllungen verlautete, kauften Reporter der “New York Times” gleich das ganze Buch in einem Buchladen, obwohl es erst am Montag erhältlich hätte sein sollen (wie es großen Medien bei explosiven Büchern immer gelingt, “zufällig”, Tage vor der Freigabe Exemplare zu ergattern, ist ein Rätsel – oder eher vielleicht das Resultat des direkten Zuspielens der Werke durch den Verlag oder sonstwen…).

Anyway, die “Post” rotierte, fast so als sie vom Monatsmagazin “Vanity Fair” bei der Enttarnung von Woodwards wichtigstem Watergate-Informaten mit dem Codenamen “Deep Throat” geschlagen worden war. Hastig wurde eine eigene Story über Woodwards Buch-Bombe, worin er Bush & Co als arrogante, kriegswütige unfähige und streitsüchtige Bande beschreibt, ins Blatt gerückt, der erste Teil des Vorabdruckes einen Tag vorgezogen. Der NYT-Coup hatte auch für Woodward Konsequenzen: Viele seiner 200 Interviewpartner im White House und dem Pentagon riefen hektisch an und verlangten Belegexemplare, um sich gegen das Inferno hochnotpeinlicher Reporterfragen besser verteidigen zu können.

Simon & Schuster reagierte ebenfalls prompt: Sie gaben das Buch bereits am Samstag zum Kauf frei – der Ansturm in New York begann in den frühen Morgenstunden. Doch am allerpeinlichsten für die WashPost ist, dass sie nicht einmal die bevorstehende Veröffentlichung eines Buches mit dem Potential zur endgültigen Demolierung des US-”Kriegspräsidenten” durch einen ihrer eigenen Chefredakteure “exklusiv” vermelden durfte. Das schaffte wieder mal der rechte Internet-”Drudge Report”, der eine bevorstehende Aussendung des Senders CBS über das Woodward-Interview vorankündigte.

Anyway: Das Buch ist draußen – und Millionen Lesern steht einer der explosivsten und spannendsten Politthriller seit langem zur Lektüre bereit.