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Da stand US-Präsident George Bush inmitten erzkonservativer Republikaner bei einem 400.000-Dollar-Fundraiser in Stockton, Kalifornien, und machte sich über die oppositionellen Demokraten lustig: Die würden in Sachen Antiterrorkrieg zwar jetzt “tough” reden, doch, sollten sie die Wahlen gewinnen, “soft” handeln. Weicheier eben, denen man, so Bush dann wörtlich, “nicht trauen” könne beim Regieren. Wie bitte? Man braucht Bushs Regentschaft im Konzert mit einer Republikanermehrheit im US-Kongress gar nicht krampfhaft bewerten – die News der letzten Tage sprechen für sich selbst.

Nach einer ohnehin in der Geschichte des US-Kongresses einmaligen Skandalserie – alles vom angeklagten Lobbyisten Jack Abramoff, der 400 mal Kontakt hatte zu Bushs rechter Hand Karl Rove bis zum Rückzug des Top-Republikaners Tom Delay nach einer Korruptions-Anklage, versinkt der Republikaner-Kongress gerade im vielleicht ekeligsten Skandal aller Zeiten um den zurückgetretenen Repräsentanten Mark Foley, der Computersex (und vielleicht auch tatsächlichen) mit minderjährigen Kongressboten unterhielt und einer Führerschaft, die den Skandal jahrelang vertuschte, “um ihre Macht nicht zu gefährden”, wie die Demokraten wettern.

Im Irak starben in den letzten 96 Stunden 21 GIs, von den meist 100 Toten Irakern pro Tag ganz zu schweigen. Ein ganzes Polizeibatallion musste zurück in die Kaserne, da die meisten der Cops zu Todesschwadronen gehören. Und das alles vor dem Hintergrund der Enthüllungen von Starjournalist Bob Woodward, wie ein abgehobener, sturer und oft ahnungsloser Bush und sein zerstrittes “Kriegsteam”, angeführt vom selbstherrlichen Rumsfeld und dem kriegswütigen, von Horden naiver Necons beratener Cheney Amerika im Irak in den falschen Krieg führten und dann Besatzung und Wiederaufbau durch atemberaubenden Dilettantismus verhauten.

Heute, nach 379 Milliarden Dollar Gesamtkosten, fast 2.800 Toten GIs und Zehntausenden Irakern erinnere das Land an den apokalyptischen Streifen “Mad Max”, wie ein CIA-Beamter Wooward erzählte: Die tödliche Anarchie eines eskalierenden Bürgerkrieges habe Ausmaße erreicht, dass selbst die US-Besatzer inzwischen den Überblick verloren haben, so Woodward.

Und jetzt könne man, so Bush, den Demokraten nicht trauen, die Macht zu übernehmen? Angesichts dieser überzeugenden Republikaner-Bilanz ist es ein “Wagnis”, das sich die US-Wähler ruhig zutrauen könnten.