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Die Republikanerpartei demonstriert schon eine ordentliche Portion an Dreistigkeit, auch nur den Versuch zu starten, den Skandal um den pädophilen Cybersex-Kongressmann Mark Foley den oppositionellen Demokraten in die Schuhe schieben zu wollen. Zur Erinnerung: Der 52-Jährige Ex-Abgeordnete aus Florida, der einst berühmt wurde mit Tiraden über das “ekelerregende Verhalten” Bill Clintons im Oralsex-Skandal “Monicagate”, trat prompt zurück, als ein wüstes Protokoll eines sexuellen Computer-Chats mit einem minderjährigen Kongressboten in die Hände eines Reporters der TV-Anstalt ABC gelangte. Rasch wurde bekannt, dass Foleys “überfreundlicher” Schriftverkehr mit den, oft erst 16 Jahre alten Praktikanten der Republikaner-Parteiführung, inklusive “Speaker” Dennis Hastert, seit Jahren bekannt war. Doch die hatte Foleys Verhalten offenbar toleriert, um seinen wichtigen Sitz in einem umkämpften Floridawahlbezirk nicht an die Demokraten zu verlieren und keinen Skandal zu provozieren.

Wie bei jedem gescheiterten Cover-up ist das Finale dann immer fatal, die Bombe platzte ausgerechnet fünf Wochen vor der Wahl. Doch halt! Dahinter stecken die Demokraten, denen Foleys Aktivitäten ebenfalls bekannt gewesen sein sollen, wie Hastert in den Raum stellte, die sie jedoch zurückhielten, um das Losbrechen von “Foleygate” gut zu timen. Das gleiche gelte natürlich auch für ABC. Medien und Demokraten, eine echte Achse des Bösen, die sich wieder einmal verschworen hat, die Partei der moralischen Werte zum Entgleisen zu bringen.

Nun, Angriff ist die beste Verteidigung, doch zu plump scheint die Strategie, dem Politgegner die eigenen Versäumnisse in die Schuhe zu schieben – zum Beispiel die Kleinigkeit, dass der eigene Machterhalt viel wichtiger schien als der Schutz der jungen Idealisten, die jedes Jahr im Washingtoner Kuppelbau die US-Demokratie hautnah erleben wollen.

Doch denken wir kurz nach, wer könnte noch Schuld auf sich geladen haben? Richtig: Die Opfer! Alles sei ein Scherz gewesen, offenbarte das Internet-Sprachrohr der Meister von Verwirr- und Schmutzkübel-Strategie, der “Drudge Report”, plötzlich: Aus dem Umfeld jenes Opfers, dessen Sex-Protokoll den Skandal auslöste, sei bekannt geworden, dass der Foley in einen immer sexuelleren Chat praktisch hineintheatert hätte und dann die Chat-Protokolle unter den Teenagern ausgetauscht worden wären.

Armer Foley, ein Opfer “koketter Kids”, wie der Utah-Abgeordnete Chris Cannon bereits anmerkte? Arme Demokraten, der Skandal, den sie bereist ausschlachteten, plötzlich nichts als ein Bubenstreich?

Bei den US-Medien hat die Strategie schon ein wenig funktioniert, da es ja insgesamt recht spannend und quotenträchtig ist, über derart finstere Verschwörungen zu berichten und hitzige Debatten zu senden. Doch das Wahlvolk sieht die Sache – bisher – als das, was es ist: Ein Sexskandal samt Cover-up innerhalb einer Partei, die gerne vom moralischen Hochplateau aus herunter predigt. Laut jüngster Newsweek-Umfrage wollen 52 Prozent der Bürger den sofortigen Rücktritt Hasterts, fast zwei Drittel sehen eine Vertuschung.