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Warum selbst nach dem 11. September täglich dutzende Privatmaschinen an der Skyline Manhattans entlang fliegen, haben sich die New Yorker wahrscheinlich die letzten fünf Jahre schon gefragt: Was ist, wenn diese Privatpiloten, viele bloß für den Sicht- und nicht Instrumentenflug ausgebildet, andere pure Anfänger, die Kontrolle über ihre, doch mehrere hundert Stundenkilometer schnellen Propellerflieger verlieren? Genau dieser Horror wurde an einem trüben Mittwoch Nachmittag Realität, als ein greller Explosionsblitz dreißig Stockwerke über der “Upper East Side” nun die Behörden vielleicht doch aus ihrer Lethargie reißt.

In allen Details rapportieren die Medien, wie schockierend locker der Flugverkehr über der vielleicht terrorgefährdetsten Stadt der Erde samt ihren drei Flughäfen und einzigartigen Geografie gehandhabt wurde: Die Flieger dürfen sowohl den Hudson auf der Westseite der Hochhausinsel Manhattan als auch den East River auf der Ostseite entlang fliegen, solange sie eine Höhe von 350 Meter – so hoch wie jetzt der höchste Skypscrapper, das Empire State Building – nicht unterfliegen (und diese Regel, das kann ich selbst als Anrainer im 30. Stock nahe des Hudson bestätigen, wird selten eingehalten – oft kann ich sogar auf die Flieger hinunterblicken, wenn sie, mitunter wild mit den Flügeln wachelnd die scharfe Kurve um den Südzipfel Manhattans fliegen).

Dazu sind, auch wegen der Flugverbotszonen rund um die drei Großflughäfen La Guardia, JFK und Newark, die Korridore recht eng und voller Flugverkehr: Es knattern da ja auch noch Sightseeing-Hubschrauber herum und Taxi-Helikopter für superreiche CEOs, die lieber am schnellen Luftweg zum Airport pendeln als eine Stunde im Stau zu stehen, weil es New York bis heute nicht schaffte, eine schnelle Bahnverbindung nach Manhattan zu bauen.

Es gilt ja nicht nur die Gefahr von Unfällen – und es ist ein Wunder, dass niemand in den getroffenen Appartements getötet wurde – zu diskutieren, sondern auch das Potential von Attacken: Was ist, wenn Terroristen die Maschinen mit Sprengstoff vollpacken und in Bürogebäude steuern? In einer Nation, wo Flugpassagiere Schuhe ausziehen müssen und Babymilch konfisziert wird, wo gerne vor Wahlen mit Terroralarmen Panik geschürt wird, ist es kaum einzusehen, warum die Privatmaschinen nicht von den vertikalen Wohnbezirken entlang der Manhattan-Ufer ferngehalten werden können.

Klar, kaum auf der Welt gibt es eine spektakulärere Aussicht aus dem Cockpit, und alle, die in den Genuss eines Manhattanrundfluges kamen, beschreiben ein einzigartiges Erlebnis. Doch der Spass weniger rechtfertig kaum das Risiko für alle anderen.