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SchwarzeneggerPataki
„Governator“ Arnie, Amtskollege Pataki am Spielplatz: Solargebäude-Fans

Da stand “Governator” Arnold Schwarzenegger neben einer Sandkiste in einem Kinderspielplatz in New York – kurioserweise einen, den ich regelmäßig mit meinem viereinhalbjährigen Sohn Maxwell frequentiere. Gerade hatte Arnie mit New-York-Amtskollegen George Pataki, “Badaki”, wie er ihn nennt, das “Solaire” besichtigt, ein 27-stöckiges Appartementgebäude in Prachtlage am Hudson-Fluss in Lower Manhattan. Das Solaire ist New Yorks ganzer grüner Stolz in Sachen klimafreundlichem Wohnbau: Photovoltaische Zellen stecken in der Außenwand, Naturgas treibt das Klimaanlagensystem an, um 35 Prozent liegt der Stromverbrauch unter dem eines Normalhauses, 65 Prozent sogar zu Spitzenzeiten, der Wasserverbrauch ist um die Hälfte geringer (und die Mietpreise dafür noch horrender als sonstwo…).

Arnie schwört nun – neben dem schlaksigen Lackl Pataki wirkt der ehemalige Schwertschwinger fast wie ein Knirps – auf die Zukunft des Klimaschutzes, eine schöne neue Welt mit gewaltigen Kohlendioxid-Reduktionen, samt Handelssystemen zum finanziellen Anreiz für Kraftwerke und Industriebetriebe, ihre Emissionen zu verringern. Daneben hängen Grafiken von drei neu geplanten Türmen auf Ground Zero – futuristische Designs, die den am 11. September implodierten WTC-Komplex ersetzen sollen, und selbstverständlich auch der letzte Schrei in Sachen Klimaschutz sind.

Nun wirkt Arnies Nähe zum ökologisch korrekten Wiederaufbau von Amerikas größtem und traumatisierendsten Terror-Tatort besonders in Wahlkampfzeiten irgendwie als Polit-Stunt. Doch Arnie meint es ernst mit seiner neuen Rolle als Retter der Erde vor dem Klimainfarkt – irgendwie hat er seinen “Groove” wiedergefunden und vielleicht sogar eine neue, 4. Karriere, falls er Nr. 3, die Politik, nach Ende von “Governator, Teil II” aufgeben sollte (Nr. 1 ist natürlich Bodybuilding, Nr. 2 Hollywood-Action-Held). Seit dem Vorjahr hat Arnie mit einem Inferno bahnbrechender Umweltinitiativen für Aufsehen gesorgt: Er unterschrieb als erster US-Bundesstaat ein Kyoto-ähnliches Gesetz für zwingende Emissionsgrenzen (ein Minus von 25 Prozent bis 2020), verklagte die Autoindustrie, schützte Wälder, Meeresbuchten und Seen.

Woher das Umdenken des früher noch mit riesigen “Hummer”-Stinkern und dicken Harleys durch Brentwood donnernden Moviestars kommt, ist nicht restlos geklärt: Vielleicht sind die Debatten an Arnies Frühstückstisch mit Demokraten-Gattin Maria und seinen vier Kids ausschlaggebend, vielleicht erdrückende wissenschaftliche Beweise, vielleicht nationale Traumas á la Hurrikan Katrina. Egal, Öko-Arnies neue Sorge um die Zukunft des Planeten wirkt glaubhaft. Und der nette Nebeneffekt: Ein spektakuläres Politcomeback. Seine Popularität ist seit seinem vorjährigen Tiefpunkt stetig gestiegen, niemand zweifelt mehr an seiner Wiederwahl am 7. November.

Sogar linke Medien wie Salon.com feiern den grünen Governator bereits als Vorbild, wie die Republikaner nach dem erwarteten Waterloo bei den Midterm-Wahlen wieder Fuß fassen könnten. Damit wartet auf Arnie doch noch eine nationale Rolle: Als Retter der Republikaner-Partei, von deren Führung er sich zur Zeit am liebsten distanziert.