Print Friendly, PDF & Email

New York ist stets eine Stadt der Superlativen, doch der Dienstag abgeschlossene Mega-Immobiliendeal ließ aufhorchen: Um 4,5 Milliarden Dollar wurden zwei gesamte Wohnviertel in Manhattan, die 110 schlichten Ziegelbauten der „Stuyvesant Town“ und „Peter Cooper Village“ am East River, an den „Real Estate“-Riesen Tishman-Speyer verkauft. Es ist der größte Immobiliendeal in der Geschichte der USA, doch es geht um viel mehr: Die beiden in den Fünfziger Jahren errichteten und mit 11.200 Wohnungen regelrechten „Städte innerhalb der Stadt“ erinnern zwar ein wenig an die hässlichen Plattenbausiedlungen rund um europäische Großstädte – doch sie sind eine der wenig verbliebenen Oasen leistbaren Wohnens in einer Stadt, wo Miet- und Kaufpreise für Appartments in den letzten Jahren explodierten.

Die Wohnviertel, mit einer stabilen Mietpreisstruktur ähnlich von Gemeindebauwohnungen, werden bewohnt von New Yorkern, die sich mit ihren durchschnittlichen Mittelklasseeinkommen Manhattan gar nicht mehr leisten könnten: Lehrer, Polizisten, Krankenschwestern, Beamte. Ihre Reaktion war nach dem Deal panisch: Werden die neuen Eigentümer auch diesen Ort in einen Wald glitzernder Luxusapartment-Türme verwandeln? Trotz aller Beteuerungen der neuen Eigentümer wird langfristig ein solcher Trend erwartet – und der geht einher mit Manhattans Transformation zum Yuppie-Tummelplatz, wo nun nach den Künstlern, Minderheiten und Armen langsam auch der Rest der Mittelklasse von dieser einzigartigen Insel-Immobilie verdrängt wird.

In allen Teilen Manhattans streben neue Glas- und Glitzer-„Condos“ (Gebäude für Eigentumswohnungen) gen Himmel, sie sind durchgestylt von Stararchitekten wie Richard Meier, heißen „Solaire“, „Verdesian“, „20 Pine“ (gleich mit einem Pine-, sprich Kiefern-Wald dazu), „The Link“, sie werden vermarktet mit eleganten Hochglanzbroschüren, die Appartments dann verkauft meist zwischen einer und vier Millionen Dollar. Der Durchschnittsverkaufspreis von Dreizimmer-Wohnungen unterhalb der 96. Straße in Manhattan liegt inzwischen bei 1,4 Millionen Dollar, die Durchschnittsmietpreise für alle Wohnungen – von Donald Trumps Penthaus bis zu „Sudios“, sprich Besenkammern – liegt bei weit über 3.000 Dollar, pro Monat, versteht sich.

Wer kann sich das leisten? Reiche Leute aus aller Welt zum einen, Wall-Street-Leute zum anderen. Die Player in der mächtigen Finanzindustrie New Yorks verdienen, so eine jüngst veröffentlichte Studie, im Schnitt 289.664 Dollar pro Jahr – fünf Mal so viel wie das Durchschnittseinkommens des Big Apple. Und was bedeutet die eskalierende Yuppiesierung Manhattans? Sicher keinen Kreativitätsschub, denn Investmentbanker sind kaum bekannt als kulturelle Vorreiter oder globale Trendsetter. New York wir reicher – und dadurch auch ärmer.