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US-Präsident George Bush und seine Republikaner sind in enormen Schwierigkeiten, nachdem sich die triste “Reality” – ein wirklich verhasster Begriff innerhalb des White House! – auch durch gröbste Schönrede-Akrobatik nicht mehr wegmachen lässt: Der Oktober wird mit wohl weit über 100 Toten der blutigste Monat für US-Truppen im Irak seit einem Jahr, das “befreite” Land versinkt immer schneller in bürgerkriegsähnlichem Chaos, in den USA erschüttert eine einmalige Republikaner-Skandalserie den US-Kongress, alles von Sexchats mit Minderjährigen bis Korruption jeder Bananenrepublik unwürdig. Und, am schlimmsten für Amerikas Konservative: Die Demokraten könnten übernächsten Dienstag die Macht übernehmen im Kongress und Bush & Co seine letzten beiden Jahre durch Daueruntersuchungen zur Hölle machen.

Was ist zu tun? Richtig, Schmutzkübelkampagnen gegen Demokraten, mit Bushs Mann fürs Grobe, Karl Rove, als Regisseur. Der Mann hat ja Erfahrung damit: Er versenkte Vietnam-Kriegshelden Nr.1, John McCain, in den Primaries 2000 mit plumpen Lügen und “Flüsterkampagnen”, oder “swift boat”-ete Vietnam-Kriegshelden Nr. 2, John Kerry, 2004 kunstvoll in einen Vaterlandsverräter. “Ruf mich an, Harold”, flüsterte jetzt ein weißes Callgirl in einer TV-Werbung des “Republican National Committee” (RNC) in Tennessee, wo eines der entscheidenden Senatsrennen zwischen dem schwarzen Demokraten Harold Ford jr und Republikaner Bob Corker ausgetragen wird. Here we go again.

Die Werbung ist ein wüster Tiefschlag, übel sogar nach den ohnehin tiefstliegenden Republikaner-Standards. Vor allem: Wachgeküsst werden schlummernde Vorurteile über gemischtrassige Paare. Der TV-Spot wurde prompt als “rassistisch” verurteilt. Als ein Sturm der Entrüstung durchs Land fegte, zog ihn die RNC zurück (außer einer Station, die sich weigerte, den Nachfolge-Spot zu zeigen, wo Ford vorgeworfen wird, Abtreibungspillen an Schulkinder zu verteilen…). Egal, der Charaktermord via TV ist vollzogen, Ford ist verunglimpft, wer interessiert sich schon für einen fairen Wettbewerb sachlicher Argumente.

Für Rove & Co geht es ohnehin immer nur um eines: Ihrer ultrarechten Basis, zur Zeit ebenfalls nicht happy über den Kurs des Landes, soll Angst gemacht werden, um sie zu den Urnen zu treiben – Angst vor schwarzen Senatoren, Angst vor Homoehen, Abtreibungspillen, Gotteslästerern, Terroristen, Atompilzen über US-Metropolen, Osama bin Laden, Hillary Clinton. Es sind “Bauchthemen”, Appelle an die niedrigsten Instinkte. Die Wähler sollen da so richtig in den Saft – und zu den Wahllokalen gehen. Denn ihre Zahl ist – und das ist vielleicht das beunruhigendste – groß genug, um mit einem Massenansturm trotz vernichtender Bush- und Republikaner-Bilanz im In- und Ausland einen Demokraten-Take-Over verhindern zu können.

Here we go again. Am 7. November steht fest, ob Rove es wieder geschafft hat.