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Es muss recht deprimierend gewesen sein für US-Präsidenten George Bush, als ihn seine eigene Partei politisch regelrecht in die Besenkammer sperrte: Fast niemand der Republikaner-Kandidaten wollte mit ihm gemeinsam auftreten, bei Bush-Besuchen in den Bundesstaaten suchten die zunächst noch nach allen möglichen Ausreden, ein Kandidat in New Jersey behauptet einmal sogar, dass er im Stau stecken blieb und deshalb erst beim geplanten gemeinsamen Bush-Besuch erschien, als “Air Force One” längst wieder gestartet war. Jetzt wird sogar offen dem White House ausgerichtet: “Stay away!”

Dazu ist es ein Glück für Bush, dass er nicht fernsieht, wie er immer stolz verkündet: Dort würde er sehen, wie ihn dafür die Demokraten zum “Star” machen. Jeder ihrer Opponenten wird mit der Bush-Politik im Zusammenhang gebracht, hat entweder seine Irakpolitik unterstützt, oder Verbote zur Stammzellenforschung, oder was immer. Die heißeste Ware für die Politwerbung sind natürlich Bilder und Filmaufnahmen gemeinsamer Auftritte mit Bush – ein Videoklipp, wo Bush den rechten Ex-Demokraten Joe Lieberman auf die Wange küsste, kostete dem sogar die Vorwahl.

Lange durfte Bush bloß auf faden Fundraisern mit Superreichen und Industrielobbyisten Geld für die Republikaner sammeln, 160 Millionen Dollar sind da zusammengekommen. Doch seit dem Wochenende ist er nicht mehr zu halten: Bush startete 28 Jahre nach seiner ersten nun die letzten Wahlkampagne seiner Politkarriere. Er hat zwar immer noch keine Republikanerkandidaten an der Seite, dafür mit den treuesten Fans vollgerammelte Hallen oder Militärhangars vor sich.

Da ist er dann wieder in seinem Element: Der Krieg werde bis zum Sieg weitergeführt, überbrüllt er das Getose der euphorischen Menge, die Terroristen werden gejagt und zur Rechenschaft gezogen, die Lektion des 11. September niemals vergessen. Genau die gleichen Reden hatte er 2004 gehalten, doch da war er noch um einiges populärer und der Irak glich im Vergleich zu heute fast einem Hippiefestival.

Die Demokraten, ruft Bush dann, seine Stimme bereits heiser, würden lieber vor dem Terror kapitulieren, die Steuern anheben und Homosexuelle heiraten lassen. Und was sagen wir dazu, ruft er in den Saal: “Nein, und nochmals nein!”, hallt es zurück.

Doch ob Bush diesmal seiner Partei behilflich sein kann, wird immer stärker bezweifelt: Seine Popularität liegt bei tristen 35 Prozent, sein verlorener Irakkrieg wird von fast zwei Drittel der Bevölkerung verurteilt. Doch viele sind sich sicher, dass Bush selbst hinaus ins Volk wollte. Ein ausgesuchtes allerdings, denn Teilnehmer der Bush-Auftritte werden auf Bush- und Republikanertreue abgetestet. So ist es eine nette Abwechslung für den sinkenden US-Präsidenten, noch einmal ein Bad in einer so freundlichen Menge zu nehmen.