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Die Image-Korrektur für Hillary Rodham Clinton (59) begann bereits beim Internet-Video, wo sie ihre historische Präsidentschafts-Kandidatur ankündigte: Sie saß auf der Couch in ihrem Wohnzimmer, umgeben von weichen Pastellfarben, Topfpflanzen, das Grün des Gartens durch die Glastüre zu sehen. Eine Suburb-Idylle. Auch ihre Stimme wirkte sanfter als sonst: Im netten Plauderton lud sie zu einem “Gespräch über die Zukunft Amerikas” ein. Hillary ist blitzgescheit, erfahren, diszipliniert, hart arbeitend – aber sie selbst kennt ihre Mängel: Es fehlt ihr am Charisma, das ihren Mann, Ex-Präsident Bill Clinton, weltberühmt machte – und sie wirkt oft kalt, kalkulierend und harsch. “Ice Queen” lästern ihre Gegner. Mit ihrem Web-Video, das Samstag morgen wie eine Bombe in den USA eingeschlagen hatte, wollte sie sofort gegensteuern.

Hillary
Oval-Office-Favoritin Hillary Clinton in Lower Manhattan

Amerika steht seither Kopf, der Hillary-Hype kennt keine Grenzen mehr und den TV-Kommentatoren gehen die Superlativen aus: Amerikas laut Umfragen “meistbewundertste Frau”, seit fünf Jahren in Serie, am Weg zurück ins White House, wo sie zwischen 1993 und 2001 bereits an der Seite ihres populären Präsidentengatten die Fäden zog; die Möglichkeit der ersten Frau im Oval Office in der 230-jährigen US-Geschichte, dem mächtigsten Politposten am Planeten Erde; Und Hillary als Nachfolgerin des inzwischen auch in Amerika immer verhassteren, laut Historikern “schlechtesten Präsidenten aller Zeiten”, George W. Bush. “Was für ein Kontrast, was für eine Hoffnung”, jubelte Blogger auf ihrer Website.
Doch warum ist Hillary so polarisierend, warum spaltet sie das Land – wie es das US-Magazin “Time” in einer “Love her, Hate her”-Titelgeschichte auf den Punkt brachte – in Hillary-Fans und Hillary-Hasser?

Hillary-Kenner führen aus, dass in der Vergangenheit die meistbeachtetsten Stories “stets negativ waren”, so etwa Polit-Beobachter Chuck Todd im US-TV:

* 1992 etwa, als sie auf einer Couch den neben ihr sitzenden, des Seitensprunges mit Starlet Jennifer Flowers überführten Bill verteidigte;

* als sie im Wahlkampf Hausfrauen vergrämte bei der Verteidigung ihrer Karriere: “Ich hätte ja auch zu Hause bleiben können, Kuchen backen in Tee servieren”, wie sie abfällig sagte;

* Ihr kollosales Versagen bei der Gesundheitsreform 1994 und die Skandalserie um einen Clinton-Grundstücksdeal (“Whitewater”), das Feuern des Stabes für Reiseorganisation sowie der mysteriöse Selbstmord ihres Freundes und Anwalts Vince Foster.

Die Wende kam für Hillary – ironischerweise – zum Zeitpunkt ihrer größten Demütigung: Als sie im Wirbel um Bills Jahrhundertsexskandal mit der Praktikantin Monica Lewinsky die enorme Mitleids-Sympathiewelle geschickt für den Start ihrer Solopolitkarriere nützte und 2000 in New York zur Senatorin gewählt wurde. Doch sie bleibt angreifbar: Als sie etwa ihre Attacken gegen Bush verschärfte, verdammte sie der damalige Republikaner-Parteichefstrategie Ken Mehlman prompt als “angry”. Die Botschaft an das konservative Amerika: Hillary, eine Xantippe, eine mit dem Nudelwalker wartende Gemahlin.

Hillary wird, um ihr Image aufzuweichen, “Web Chats” abhalten. “Sie hat einen weiten Weg vor sich”, so Ex-Bill-Clinton-Sprecher Joe Lockhart: “Doch sie hat in New York bewiesen, dass sie auch ihre Skeptiker überzeugen kann”. Tatsächlich: Bei ihrem Wahltriumph zur Wiederwahl als Senatorin letzten November gewann sie in 37 konservativen Wahlbezirken des Bundesstaates New York, wo eine deutliche Mehrheit 2004 für Bush stimmte. Sie geht in einen Raum voller Matchos, wie etwa hartgesottene Feuerwehrleute, wird in New York gerne erzählt, und nach einer halben Stunde Plauderei lässt sie “großteils Hillary-Fans” zurück.

Und ihre stärkste Waffe ist natürlich auch ihr Geschlecht: 54 Prozent des Wahlvolkes, rechnet ihr Chefmeinungsforscher Mark Penn vor, sind Frauen –und sie punktet vor allem bei jüngeren, unabhängigen und sogar Republikaner-Frauen. Insgesamt sagen 60 Prozent der Amerikaner, keine Problem mit einer Stimmabgabe für eine Frau zu haben. “Hillary-Land”, wie ihre generalstabsmäßige Operation mit 35 Vollprofis heißt, will die 650 Tage, sollte sie die Demokraten-Vorwahlen schaffen, bis zum Urnengang am 4. November 2008 nützen, um auch den Menschen Hillary vorzustellen. “Sie ist warmherzig, witzig und faszinierend”, schwärmte einer ihrer Berater, Terry McAuliffe: “Wir werden sicherstellen, das sie ganz Amerika so kennenlernt”.

Doch eine Riesenangst bleibt: “Hillary kann leicht gewinnen, falls sie von ihrem Gatten nicht aus der Bahn geworfen wird”, erzählte mir etwa Ex-US-Botschafterin Swanee Hunt. Tatsächlich beobachten Hillary-Mitarbeiter täglich die Klatschpresse nach Indizien für neue Seitensprünge.