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Noch in den Neunzigern hatte Ex-Präsident George Bush senior Al Gore wegen seiner dringlichen Warnungen vor einer drohenden Klimakatastrophe als “Ozon-Mann” gehänselt und als “Ökoextremisten” beschimpft. Heute lacht niemand mehr. Und Gore wird als Visionär, Öko-Evangelist und sogar Oscar-Preisträger gefeiert. Sichtlich genoss der Ex-Vizepräsident die Entgegennahme des begehrtesten Filmpreises für die Klimadoku “An Inconvenient Truth”. Voller Genugtuung schmunzelte er, da den einst hölzernen Politiker nun ein Großteil der Amerikaner gerne im Oval Office sehen würde.

Der Hype um Gore signalisiert auch eine massive Trendwende in den USA in der Klimadebatte. Es kann nicht schaden: Die verschwenderische Supermacht bläst mit nur vier Prozent Anteil an der
Weltbevölkerung ein Viertel der Treibhausgase in die sich aufheizende Atmosphäre.

Die Ökowende passiert an vielen Fronten:

* Am Montag gaben Wallstreet-Investoren die Übernahme des Texas-Energieerzeugers TXU um 45 Milliarden Dollar bekannt. Umweltschützer jubelten: Pläne für acht der geplanten elf Kohlekraftwerke verschwanden in den Schubladen, 400 Millionen Dollar sollen ins Energiesparen investiert werden. Jim Rogers, Boss des Energiegiganten “Duke Energie” stellte kürzlich klar: “Wir wissen genug über den Klimawandel, um sofort zu handeln”.

* Kaliforniens “Governator” Arnold Schwarzenegger (59), der mit rigiden Klimagesetzen (CO2-Reduktion um 25% bis 2020) weltweit für Aufsehen sorgte, unterzeichnete am Tag nach Gores Triumph einen Pakt zur Reduktion der Treibhausgase mit vier weiteren westlichen US-Bundesstaaten.

* Und Demokraten-Präsidentschaftshoffnung Hillary Clinton hielt gestern eine Rede am Kapitol in Washington über einen Hilfsfonds zur Schaffung neuer Jobs in der Ökoindustrie.

Sogar US-Präsident George Bush (60) hat endlich die Existenz eines Klimawandels zumindest zugegeben, wie auch 70% der Amis. Doch frischer Wind aus dem White House ist erst nach seiner Ablöse zu erwarten – durch Al Gore etwa.