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Als ein strahlender Mahmud Ahmadinedschad in Teheran im Rampenlicht der Weltpresse badete und gnädig den tagelang mit TV-Geständnissen erniedrigten Briten-Geiseln eine “gute Heimreise” wünschte, startete in DC gerade Airforce One mit George Bush an Bord. Destination: Crawford, Texas. Osterurlaub. Er kann die Ruhepause gut gebrauchen.

Bush hatte wahrlich schlimme Tage hinter sich – auch ohne der Jubelbilder seines triumphierenden Iran-Gegenspielers: Die Rhetorik zwischen dem “Commander in Chief” und den neuen Herren im Kongress über die Finanzierung des Irakkriegs war zuletzt immer schriller geworden. Der Kongress hatte das OK für weitere 100 Kriegs-Milliarden mit fixen Abzugs-Daten verknüpft. Längst wirken die Aktionen der Kriegstreiber wie Verzweiflungsschläge: Bush wollte die Dems aus ihrem Osterurlaub holen, um das Irakkriegs-Etat-Gesetz fertig zu machen, sodass er es per Veto ablehnen kann und alle “von vorne beginnen können”. Und das Minuten bevor er sich selbst in den Urlaub verabschiedete.

Senats-Chef Harry Reid warnte, dass er, sollte Bush tatsächlich ein Veto einlegen, den Geldhahn komplett zudrehen könnte. Inzwischen hat Madam Speaker Nancy Pelosi bereits ihre eigene US-Außenpolitik mit einem Treffen mit Syriens Baschar al Assad, einen weiteren Bush-Todfeind aus der “Achse des Bösen”, begonnen. Die Szenen im belagerten White House wirken immer gespenstischer: Vize Dick Cheney wurde bei einer Bush-Pressekonferenz gefilmt, wie er 50 Meter entfernt verloren hinter einer Hecke stand.

Bushs wenigen Verbündeten an der Heimatfront in Sachen Irakkrieg geht es auch nicht viel besser: John McCain sorgte für Kopfschütteln, als er behauptete, durch die US-Offensive könne man in Bagdad mittlerweile “Spazieren gehen”. Dann wollte er das vor Ort auch noch demonstrieren: Mit kugelsicherer Weste schritt er über einen Marktplatz, 100 GIs als Bewachung rund um ihn und drei „Black Hawk“-Helikopter darüber knatternd. Die Iraker schütteten in der “New York Times” Hohn und Spott über McCain aus: Er habe „keine Ahnung, von was er redet“, so ein Standbesitzer. Tenor: Die Amerikaner sollten sie mit ihren Showveranstaltungen in Ruhe lassen. Um das Eigentor zu vervollständigen, wird McCain bereits beschuldigt, US-Soldatenleben wegen seines PR-Auftrittes mutwillig aufs Spiel gesetzt zu haben.

Dazu legen sich die Schatten der Vergangenheit über das Drama. In einem neuen Enthüllungsbuch aufgedeckte Gespräche zwischen Ex-Präsident Richard Nixon und seinem Außenminister Henry Kissinger sorgen für Aufregung: Die hatten privat den Vietnam-Krieg 1969 bereits für „verloren“ erklärt, sechs Jahre und zehntausende tote GIs vor dem wirklichen Ende 1975 – doch öffentlich die Demokraten als Weichlinge verdammt. Makaber wirken die Parallelen zu Bushs Irakkrieg.