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Wer glaubt, die US-Bürokratie sei kundenfreundlich und effizient, wird rasch eines besseren belehrt. Ein Stapel an Zeugs – Rechnungen, Auszüge, Briefe – liegt seit geraumer Zeit auf meinem Schreibtisch. Ein rascher Blick auf die Nachrichtenlage: Giuliani droht, dass ein neues 9/11 drohe, wenn Amerika einen Demokraten ins Oval Office wähle; Bush droht, dass der so toll verlaufende Irakkrieg verloren sei, wenn ihm die Dems die Mittel kürzen.

Nichts neues, ich habe ein wenig Zeit. Am schlimmsten sind die Krankenversicherungssachen. Keine Ahnung, was da schief lief. Fakt ist: Mehr als 50% aller Tätigkeiten im medizinischen Bereich sind reine Bürokratie. Und das geht dann so: Mein Sohn landet wieder mal im ER (Notaufnahme), ich erhalte eine Rechnung des Röngten-Anguckers, ich teile denen mit, dass sie das meiner Versicherung in Rechnung stellen sollen, und die sagen, dass sie das taten, doch die Versicherung verweigerte, weil ihnen angeblich Daten von mir fehlten. Ich rufe die Versicherung an, die sagen, sie hätten ein Formular, wo sie sinnlose Zusatzinfos aus unergründlichen Motiven einverlangten, nicht zurück erhalten (ich habe den Wisch natürlich prompt ausgefüllt und retourniert – doch die Taktik der Versicherer ist bekannt: So lange blöd stellen, bis es nicht mehr geht, um Zahlungen zu verzögern).

Wie viele Stunden ich ehrenamtlich für die Versicherung, für die ich fast $1.000/Monat bleche, bereits selbst an Bürokratiearbeit verrichtete, will ich nicht wirklich nachzählen. By the way, man wird mir den Wisch neuerlich zuschicken, in 7 – 10 Business Days ist er im Postfach, und diesmal könne ich ihn sogar zurückfaxen, um die Übermittlung nicht wieder zu gefährden.

Beim nächsten Anruf stelle ich fest, dass mir meine Geschäfts-Bank $200 verrechnete, da ich ein Service zu früh abbestellte. Das stand ja im Vertrag, sagt der menschliche Roboter im Call Center in der US-Einöde. Sicher, Paragraf 457 auf Seite 26 im Kleingedruckten. Hab ich Esel wieder nicht gelesen….
Was ich allerdings las in den Zeitungen am Morgen, ist, dass genau diese Bank, JPMorgan Chase, gerade die Stadt New York erpresst: Die armen Banker-Schlucker, wollen genau so verrückte Steuergeschenke zur Errichtung eines 50-Stock-Towers nahe Ground Zero erhalten, wie die ebenso ärmlichen Investment-Banker von Goldman Sachs für ihren Turm ebendort (ja, das sind die Jungs mit den $16 Mrd. Weihnachtsbonus…). Chase drohte mit einem Abzug nach Stamford, Connecticut. Viel Spass dort draußen. Und Tschüss.

Zu viel Ärger. Ich bin froh, mich wieder den News und Fearmonger (Angstmacher) Giuliani zuwenden zu können.