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Gelesen habe ich den Zeitungsartikel schon vor geraumer Zeit, doch bei jedem Rundgang in unserem Bezirk am Südzipfel Manhattans schießt er mir wieder in den Kopf: Der Ort, schrieb die NYT, bekannt als glamouröse, kinderlose Glitzer-Metropole aus Sex and the City gleicht immer mehr einer urbanen Version der explodierenden 60iger-Surburbs der Wonder Years.

Keine Frage: Mein Sohn Maxwell, geboren in den Monaten nach dem Horror von 9/11 im damals noch eher tristen Lower Manhattan, kann sich heute über einen Mangel an Spielgefährten nicht beklagen. Denn New York erlebt einen regelrechten Baby-Boom: Gleich um 32 % ist die Zahl der Unterfünfjährigen seit 2001 gestiegen, so die Statistik. Das Straßenbild illustriert die Zahlen: Hunderte Kids tollen jeden Nachmittag durch die Greenwich Street im schicken Tribeca, viele so trendig herausgeputzt als kämen sie gerade vom Foto-Shoot für den nächsten “Gap Kids”-Katalog.


Maxwell bei seiner ersten Ausfahrt ohne Stützräder

Die Spielplätze sind oft derart überfüllt, dass ich mir beim Lokalisieren Maxwells (dessen Wendigkeit und Geschwindigkeit sich täglich vergrößert) mitunter vorkomme wie ein Fluglotse vor dem Riesenradarschirm. Schulen und Kindergärten sind bereist hoffnungslos überfüllt, Lokalpolitiker haben bei der Planung den Trend wohl völlig verschlafen. Warum der Kinderboom? Es sind vor allem wohlhabende Familien, die früher bei Bekanntwerden der Schwangerschaft “den Kindern zuliebe” in die Suburbs zogen: Ein Haus mit Garten, Sicherheit, gute Schulen, bessere Luft, weniger Gewaltverbrechen.

Doch Manhattan bietet inzwischen eine vergleichbare Lebensqualität – und Familien, denen das Stadtleben abgehen würde, bleiben. Warum auch nicht: Obwohl Gesprächspartner (besonders in Österreich…) mir gegenüber fast traurig den Kopf schütteln, wenn ich vom Aufziehen eines Kindes in der Acht-Millionen-Einwohner-Metropole erzähle, kann sich Maxwell sicher nicht beklagen: Die Parks am Hudson River bieten alles von Fußball, Tischtennis und Riesenrutschen, dazu Museen, gleich drei neue Spielplätzen und zahllose (leider) Eisverkaufstände. Mitunter gleitet dahinter die “Queen Mary 2”, das zweitgrößte Passagierschiff der Erde, vorbei, Helikopter knattern am Himmel herum – und die herumrasenden Feuerwehrwagen mit Sirenengetöse sind ohnehin ein Hit für jeden Buben. Der Strand ist bloß in 30 Minuten mit der U-Bahn erreichbar. Allein die Subway bietet jede Menge Unterhaltung: Abgesehen vom bunten Menschengemisch zaubert mitunter ein Magier zwischen Prince und Canal Street ein Kaninchen hervor. Und gut erinnere ich mich noch an den schrägen Passagier mit einer Python, einer Riesenschlange (na, wo bitte gibt es sowas!). Max kann sich nicht beklagen, denke ich.

Und die Singles und Pärchen, die New York immer noch mit einer ausschließlichen Partymeile verwechseln? Die rümpfen mitunter die Nase, wenn die Kids – natürlich oft ausdrücklich ohrenbetäubend – und ihre ausgehfreudigen Eltern die Restaurants erobern. Doch eine Koexistenz wird sich finden lassen, New York hat schon kompliziertere soziologische Probleme gemeistert….

Maxwell und Freunde