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80 (!) Wochen sind es bis zur Wahl des Bush-Nachfolgers, doch als ich gestern kurz vor 19 Uhr auf den Newskanal MSNBC schaltete, wirkt alles plötzlich wie im Endspurt um das Oval Office. Die Schwergewichter des TV-Senders, die mit den markanten Gesichtern und dröhnend tiefen Stimmen, ratterten fast etwas nostalgisch Schlüsselmomente früherer Präsidentschaftskampagnen runter, als etwa 1991 ein recht unbekannter Südstaaten-Gouverneur sich hinter der Bühne die Krawatte zurechtzupfen ließ, von seiner Gattin – Hillary.

Die Euphorie war groß vor der ersten Demokraten-TV-Debatte in South Carolina, doch niemand wundert sich mehr über Superlativen dieses Rennens: Bereits im ersten Quartal sammelten die Frontrunner Hillary Clinton und Barack Obama mit über $25 Mio. so viel wie andere früher in einem ganzen Jahr. Und besonders groß ist die Aufregung, dass die als so unbezwingbar wirkende Hillary-Maschinerie bereits ins Schleudern geriet – noch dazu gegen einen “Rookie”, einem 45-Jährigen mit bloß zwei Jahren Senatserfahrung.

Früher wäre so eine frühe Debatte bloß eine erste Aufwärmrunde gewesen, jetzt dröhnen Phrasen wie “Make it or break it”, “fatale Flops” etc. Dann ist es soweit: Staatstragende Intromusik, das Logo “Decison 2008” fliegt über den Schirm – es folgen die Namen der acht Kandidaten, runtergerattert von Moderator, NBC-Anchor Brian Williams. Wieder gibt es komplizierte Ampelschaltungen für die Redezeiten.

Williams schießt gleich los: “Senator Clinton, ist der Demokraten-Plan zum Truppenabzug Staatsverrat?” Hillary antwortet präzise und wie immer kalkuliert, auch Hosenanzug und Perlenkette sind Standard-Repertoire. Obamas sonore Stimme hallt durch den Raum, gleich berichtet er über eine Mutter, die weinte, da ihr Sohn in den Irak musste. Es menschelt. Hillary muss sich hingegen wieder wehren, da sie einst für den Irakkrieg stimmte und sich heute weigert, sich dafür zu entschuldigen. Und neuerlich bringt es Obama auf den Punkt: Wir seien eine Unterschrift vom Ende des Irakkriegs entfernt (die von Bush unter das Gesetz) oder 16 Stimmen (die Zahl der benötigten Senatoren-Überläufer, um Bushs Veto zu überstimmen).

Hillary bleibt da nur mehr, Obama zuzustimmen. Autsch. Weitere Kandidaten rattern Plattitüden runter. Ich checke mal ein paar Blogs zwischendurch: “Bill soll ihr einflüstern?”, ätzt jemand auf der NYT-Website. Man freut sich bereits, dass keine lähmenden Schlussansprachen erlaubt sind. Insgesamt flacht die Debatte etwas ab, zu viele Teilnehmer, zu lahme Fragen, zu sehr einem Polit-Skript folgende Antworten. Dazu eine Litanei an Themen: Abtreibung, Waffenkontrolle, Klimawechsel, Außenpolitik.

Tempowechsel: Was würden sie am ersten Tag im Oval Office machen? “Ich würde uns aus dem Irak rausholen”, antwortet Bill Richardson. Am zweiten Tag würde er ein “Apollo-Projekt” zur Entwicklung neuer Kraftstoffe kreieren – und bevor die ganze Welt in nur einer Woche gerettet ist, ruft der Moderator: “Time is up!”. Schade, ich hätte gerne den Rest von Richardsons erster Woche im Oval Office gehört.

Kurz darauf tappt Obama in die “Israel-Falle”, wie auf Politico.com prompt bemerkt wird. Er hatte vergessen, Israel als “Freund” ausdrücklich zu nennen in der Liste an US-Alliierten. So was tut man nicht in der US-Politik.
Wer hat gewonnen? Niemand wirklich: Obama hat den ersten Test überstanden, Hillary wurde ihrem Status als Politprofi gerecht, der Rest wird es schwer haben, die Primaries zu gewinnen. Wenig was man vor diesen 90 Minuten nicht schon gewusst hat.