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Leicht war die Ausgangslage der zehn Republikaner-Kandidaten in ihrer ersten 90-Minuten-Debatte nicht: Eine mit dem Feld noch recht unzufriedene Parteibasis; ein Parteifreund im White House mit einer Popularität um die 30 % und ein Irakkrieg, der, so Konservativen-Ikone William F. Buckley das Potential hat, die GOP zu “zerstören”. So offen ist das Rennen, dass die Nr. 3 in den Umfragen, TV-Star Fred Thompson aus der Hitserie “Law and Order”, seine Kandidatur überhaupt erst überlegt.

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Und in der ersten Reihe sitzt jemand, der wohl gerne mitdiskutieren würde und sicher der Frontrunner wäre – wenn er nicht in Thal, Styria, das Licht der Welt erblickt hätte: Arnie hatte die Kandidaten auch noch dazu offen ermahnt, sein Konzept der Mitte zu kopieren, da er ihnen die Unterstützung im wichtigen Riesen-Primaries-Staat Kalifornien sonst versagen könnte (und damit das alles recht wichtig ist, hatte Arnie diese Primaries auf den 5. Februar vorverlegen lassen). Die Rache dafür sollte in Minuten folgen. Neben Arnie sitzt Nancy Reagan, damit die Angetretenen auch noch das ganze historische Gewicht einer glanzvolleren Republikaner-Ära spüren. Moderator Chris Matthews vom Newskanal MSNBC schwelgt in seiner Intro: “25 Jahre nach der Reagen-Revolution treffen zehn Kandidaten aufeinander….”. Wer von denen nicht schon nervös war, darf es jetzt sein.

Nur 22% glauben, beginnt Matthews, das Land sei am richtigen Kurs: Mr. Giuliani, wie kommen wir zurück zu Reagans “Morgengrauen in Amerika?” Rudy flüchtet in sein Spezialgebiet, seiner Zeit als New Yorks Saubermann, wo auch alle deprimiert waren, bevor er als Retter antrat. Senator McCain, wie gewinnen wir den Irakkrieg? Der wettert gegen die Dems als Feiglinge, die kapitulieren wollten. Fast als hätte ihm Bushs Redenschreiber Notizzettel in die Jackentasche gesteckt. “Der Krieg war schlecht gemanagt”, so der Vietnamveteran: “Aber jetzt sind wir am richtigen Kurs”. Da freut man sich schon richtig, wie er den nach 2009 weitersteuern würde.

Ex-Gouverneur Mitt Romney legt nach in dem Konzert patriotischer und martialischer Töne: “Wir brauchen Leadership, Reagans Philosophie war die der Stärke, wir können nur nach einer Stabilisierung den Irak verlassen”. Ich wundere mich, warum Giuliani nicht zu Irak gefragt wurde. John McCain, was ist mit dem Iran? Weiter gehen die Tiraden: Der Druck muss erhöht werden, dem Iran kann nicht erlaubt werden, eine A-Bombe zu bekommen. Und wenn sie knapp davor sind, die Bombe zu bekommen, dann “Yehaaaa!”

Dennoch räumt McCain ein, dass es vorher ein paar Mittelchen gäbe, die man ausnützen sollte. Diesmal. Giuliani legt nach: “Iran als Atommacht ist der größte Alptraum des Kalten Krieges, oder?” Kalter Krieg? Ein US-Führer muss Ahmadinedschad klar machen, wer Herr im Haus ist. Wie Reagan damals, als die Mullahs gleich die Geiseln frei ließen als sie ihn sahen. Oder die Windschutzscheibenputzer in New York, die ihre Wischfetzen fallen ließen, als Rudy kam. So einfach geht das. Mr. Romney, werden sie Osama fangen? Mehr Bush-Talk: “Es geht nicht nur um eine Person. Aber er soll sterben!” McCain legt nach: “Ich verfolge ihn bis an die Tore zur Hölle!” Kein Wunder, dass über der Reagan-Bibliothek Flugzeuge besorgter Demonstranten kreisen mit Antikriegs-Transparenten.

Die besten Fragen kommen von den Bürgern: Soll Arnie durch eine Verfassungsänderung die Kandidatur erlaubt werden? Es ist Zeit für die Rache an dem nervenden Ösi, der sie seit Wochen mit seinem Greenpeace-Palaver ärgert. Romney: Nein! Weitere Kandidaten: Nein. Nein. Erst nachdem ich acht Jahre als Präsident gedient habe. Ha, Ha. Wieder ein Nein. McCain: Jain. Giuliani, fast mitleidig: Ja.

Was stört sie am meisten an Amerika? Romney meint salbungsvoll, dass ihm da die Worte fehlten, ihm kein einziges negatives Ding über diese “wunderschöne Land mit seinen geschmeidigen Hügeln und tolle Menschen” einfalle. Mir kommen jetzt schon fast die Tränen. Sollen Abtreibungsrechte abgeschafft werden: Ja, Ja, Ja, Ja, Ja, “wäre o.k.”, so Giuliani, “aber dann schränkt er gleich wieder ein und will die Richter entscheiden lassen”. Ist kein leichtes Thema für Rudy: Er hat früher Abtreibungsrechte unterstützt, was er jetzt nicht mehr kann, weil er ohne die Religiöse Rechte die Vorwahlen nicht überlebt.

Ich checke mal die Blogger von Politico.com: Alle wollten Reagan sein, schreiben die. Phrasen, Argumente, Metaphern, die müssen wohl nächtelang studiert und Vanity Fairs Vorabdruck der neuen “Reagan Tagebücher” gelesen haben (falls sie sich dazu brachten, das linke Kultmagazin überhaupt aufzublättern).

Zurück auf die Bühne, Schwulenrechte. “Firmen sollen das Recht haben, Homosexuelle deshalb zu feuern”, wettert einer. Es wird klar, dass sich Gays kaum auf einen von denen im Oval Office freuen dürfen. Nächste Frage: Soll Arnies populärer Kurs der Mitte kopiert werden? Gewinnen ist fein, aber das ließe sich auch anders verwirklichen, verwerfen fast alle das Konzept. Wie gesagt: Gewonnen müssen bei den Republikanern die Rechten bei den Vorwahlen werden, keine Zeit für Pragmatismus.

Apropos: Gibt es welche, wird gefragt, die nicht an die Evolution glauben? Drei Hände gehen in die Höhe. McCain versucht einen Kompromiss: Er glaube an die Evolution, doch gleichzeitig spüre er bei jedem Sonnenuntergang über dem Grand Canyon die “Hand Gottes”. Fast wie in einem Hinterhalt wird Giuliani – der in der Debatte etwas untergeht, da er immer nur über New York und 9/11 redet – gefragt: Was ist der Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten? Er schlägt sich wacker, verglichen mit Bush ist er jedenfalls ein echter Islam-Experte (Bush hatte sich Monate vor der Irakinvasion noch gewundert, ob das nicht alles Moslems seien…) Das Ende naht: Soll Hillary zurück ins White House? “Sie machen wohl Witze”, schüttelt Romney den Kopf.