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Während ein Kandidat in der Oval-Office-Schlacht 2008 keine Probleme hat, sich mit Frankreichs neuem Präsidenten vergleichen zu lassen (Rudy Giuliani natürlich, wie gestern beschrieben), distanziert sich eine weitere, Hillary Clinton, von der Verliererin in Paris, Ségolène Royal. Außer dass die beide Frauen sind, haben sie nichts gemein, bemühte sich “Hillary-Land” unaufgefordert mit einer Klarstellung. Ironischerweise hatte Royal all das, für dessen Mangel man Hillary hier in den USA prügelt: Wärme, Charisma, Emotionalität. Doch Royal fehlte es an Hillarys Stärken: Substanz, Härte und vor allem außenpolitischer Sattelfestigkeit.

Hillary Clinton @ Ground Zero

Fast ist das Aufatmen in Hillarys Camp zu spüren: Die ganzen Polit-Kibitze sollen meckern was sie wollen über die steife, kalkulierende Xantippe. Genau Hillarys (langweilige) Berechenbarkeit und ihre (oft rückratlos wirkenden) Polit-Taktierereien werden sie ins Oval Office befördern, sagen ihr Strategen.

Beispiel: Meine Frau Estee ärgert sch maßlos über die Tatsache, dass sie sich nicht einfach für ihre Stimme zur Autorisierung des Irakkrieges entschuldigt und andauernd zu fast allen erdenklichen Themen schwammige Position bezieht.

Ich kontere dann immer: Sie kann sich in der US-Politik für ihre Irakstimme nicht entschuldigen, weil sie die Republikaner zur wankelmütigen “Flip-Flopperin” machen würden, der in Kriegszeiten als Oberbefehlshaberin nicht getraut werden kann – wie den armen John Kerry, der 2004 mit einem unglücklichen Kommentar (“Ich stimmte für die Truppen-Finanzierung bevor ich dagegen stimmte…”) und Bildern, die ihm beim Windsurfen zeigten (“hängt seine Fahne nach dem Wind”, sollte das heißen) unterging. Und dass Hillary vorsichtig ist und ihre Positionen in einer derartig frühen Wahlkampfphase so allgemein wie möglich halten will, kann ich als bereits etwas zynisch gewordener, die US-Politik seit acht Jahren covernder Journalist auch verstehen.

Doch wie ist Hillary wirklich? Zum letzten Mal habe ich sie bei einem Besuch eines 9/11-Museums am Rand der Riesenbaugrube von “Ground Zero” gesehen. Und sie langweilt tatsächlich ein wenig als perfekt manikürtes politisches Gesamtkunstwerk: Die Frisur passt (nach stilistischen Hochschaubahnfahrten während ihren Jahren als First Lady), der Hosenanzug auch, Perlenkette und Make-up sind dezent. Jeder Situation begegnet sie angemessen – nickt andächtig, als ihr die Portraits der Verstorbenen erklärt werden, findet die passenden Worte, als sie den Organisatoren des Museums gratuliert.

Sie mache einfach “immer alles richtig”, urteilte kürzlich ein Kollege vom deutschen “Spiegel” in einem Hillary-Feature hämisch. Das trifft die Sache recht gut. Dafür ist Hillary von allen Demokratenkandidaten die bisher fehlerfreiste, erfahrenste, solideste und bei praktisch allen Themen sattelfesteste. Und das könnte – so fad das für uns Beobachter auch sein mag – den Ausschlag geben. Vor allem wenn Royals Absturz ein Vorzeichen war.