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Ich bin für ein paar Tage in Miami Beach zum Ausspannen, deshalb ist es – mit der Sonne im Rücken und einer Absenz an New-York-Erlebnissen – an der Zeit, mich etwas wenig tiefschürfendem zu widmen: Paris Hilton etwa. Klar, niemand geht gerne in den Häfn, doch eigentlich hätte Blondie ihr drohendes Zellendrama um einiges cooler handhaben können.

PR-Experten hatten anfangs sogar geschwärmt, ihr Trip in die Frauen-Haftanstalt in Lynwood samt “Simple Life” im orangeroten Overall und einer 3,5-mal-2,6-Meter-Zelle könnte sogar einen echten Karriere-Booster bedeuten. Das ganze Image von Paris war ja immerhin, naughty zu sein, ein spassiges Kid, das niemals erwachsen wird, deren private Sex-Videos im Internet landen, die stockbesoffen auf der Tanzfläche die Nicht-Blonden dieser Erde mit wenig druckreifem bedenkt – aber immer noch oben fällt. Irgendwie scheint das Verruchte ja einen Fixplatz in der menschlichen Psyche zu haben.

Diesmal hat es die Clubbing-Prinzessin natürlich offenbar zu weit getrieben. Doch mit einem tapferen Absitzen ihrer Strafe (am schlimmsten dabei sicher der Handy-Entzug und das Abgeben ihrer Haarverlängerungen!) hätte alles noch gut ins Konzept gepasst. Hilton 2.0: “Gangster Paris”. Hausarrest gilt ja unter Teenagern auch als eher cool. Und dass sie zehn Minuten zu spät zur wichtigsten Verhandlung ihres Lebens aufkreuzte ist zwar grenzdebil, aber frech irgendwie. Passt zum Motto. Noch dazu reiht sich Hilton in eine ganze Riege verknackter Hollywood-Stars – wenn auch die meisten aus aufregenderen Gründen als den Verstoß gegen die Bewährungsauflagen nach einer Alkofahrt im Knast landeten. An Jim Morrison reicht sie kaum heran.

Doch Paris hat längst alles vermasselt: Was soll das Gejammere? Bitte Arnold, rette mich vor der Häfn-Hölle? (Arnie hat sich wohl abgehaut, der lässt nicht mal bei Todeskandidaten Gnade walten). “Free Paris”? Ein Slogan so jämmerlich, dass der 27 Jahre im Apartheid-Kerker Südafrikas dünstende Nelson Mandela wohl kotzen muss, sollte er jemals diesen Schwachsinn in den Medien aufschnappen.

Und dann wurde auch noch klar, dass sie praktisch alle Belange ihres Lebens outgesourct hat: Ihr Publizist hat ihr die Auflagen nach ihrer ersten Verurteilung nicht richtig erklärt, ihr Anwälte auch nicht. Dafür habe sie ja “Leute, die ihr das alles erklären sollen”, beschwerte sie vor Gericht über ihren Stab. Solche Idioten. Hilton zeigt jedenfalls keine Eigenverantwortung – und kein Interesse an irgendetwas, selbst an Dingen, die sie in den Knast bringen können.

Ihre Fans, die ihr beim eingangs beschriebenen, aufrechten Gang in die Haftanstalt sicher die Treue gehalten hätten, fragen sich jetzt sicher: Was tut eigentlich Paris Hilton? Ihre Geschäftskarriere: Kommt da irgendein Input von ihr? Das Schauspielern: Plappert sie nur nach was man ihr vorkaut?

Als ich sie vor ihrem Opernball-Besuch am Set bei der Aufnahme einer Filmszene der Billigproduktion “The Hottie and the Nottie” in Santa Monica interviewte, fragt ich mich das selbst: Was ist echt? Alle waren begeistert, wie sehr sie sich ins Zeug legt, wie toll sie ihre Szenen spielt, wie hart sie arbeitet und wie oft sie um 7 Uhr früh am Drehort erscheint. Doch beim Interview selbst führte ihre Publizistin (klassisch mit Bluetooth-Headset im Ohr, Ugg Boots an den Füssen und Starbucks-Becher in der Hand) Regie, rempelt mich gleich an, als ich eine zu kritische Frage stelle.

Sie scheint nicht wirklich die Fäden zu ziehen, ist mir jetzt, vor allem nach der blamablen Seifenoper der letzten Tage, klar: Nicht in ihrem kleinen Business-Imperium, offenbar auch nicht in ihrem Privatleben, vor allem wenn es um so einen “Gesetze-Kleinkram” geht. Es ist Zeit für Jammer-Paris, die Realität zur Kenntnis zu nehmen: You fu*+ed up! Montiere die Haarverlängerungen ab und leg das Handy in die Schublade für 45 Tage!