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Ein guter Ort, zu kapieren, wie schwer die Amerikaner im drohenden Klima-Kollaps aus ihren dicken Karren zu kriegen sein werden, ist der “Ocean Drive”, South Beach, Miami, Florida. Ich sitze mit meiner Frau Estee und Sohn Maxwell beim Lunch in einem der an sich wirklich netten Straßencafés (die man ja außer in New York, Miami oder Kalifornien meist vergeblich in den USA sucht) und starre auf die Szenerie vor mir: Eine Karawane an dicken SUVs, wuchtigen Pick-Up-Trucks, auffrisierten, so ohrenbetäubend wie hässlichen Mustang-Cabrios, und gelegentlichen Tiefladern wälzt sich die enge Straße hinunter.

SUV-Parada am Ocean Drive

Es ist eine Testostorone-Parade sondergleichen und die primitivste Form des “American Way of Life”, wo leider immer noch das KFZ im Mittelpunkt des gesamten Lebensstils seiner hochmotorisierten Bürger steht: Der Bass dröhnt dazu aus den Lautsprechern, die Typen lehnen beim Vorbeistauen aus ihren Fenstern und starren auf die Straßenszene. Die Cafés, die Girls, vielleicht auch mal ein Promi, von denen in den herrlichen und weltberühmten Art-Deco-Hotels ja einige ausspannen. Das Café selbst versucht inzwischen den Lärm von der Straße mit eigener Pop-Musik zu übertönen, die wiederum wetteifert mit dem ohrenbetäubenden Rave aus dem Modegeschäft nebenan. Erholend. Sogar mein Fünfjähriger, sonst selbst meist die Quelle von ohrenbetäubendem Lärm, findet, dass es recht “noisy” ist hier. Vielleicht ist auch eifersüchtig.

Dabei – denke ich mir jetzt wieder als ein der Autokultur Made in USA gegenüber völlig ignorant bleibender Europäer – müsste hier am Ocean Drive kein einziges Vehikel rollen. Von Lissabon bis Helsinki wäre ein derartiger Prachtboulevard zwischen Luxusabsteigen und schicken Cafes auf der einen Seite, Stranddünen und Palmen-Reihen auf der anderen natürlich eine Fussgängerzone: Zum Flanieren, zum Genießen, zum Ausspannen – geeignet auch, wenn ökonomische Argumente eine Rolle spielen sollen, für den vielfachen Umsatz durch Straßenstände und größere Restaurantflächen. Aber wie gesagt: Die Leute müssten dann aus ihren Autos endlich aussteigen und die Welt völlig ungeschützt von Tonnen an Blech um sie herum erforschen.

Doch ganz möchte ich mich doch nicht Schauspieler Dennis Farina anschließen, der in seiner Leibrolle als grantelnder New Yorker in einer Komödie ätzt: “Miami? They can keep it!”. Denn Miami stellt durch seine Latino-Lockerheit einen echten Tapetenwechsel zum hektischen und regelreichen Post-9/11-New-York dar (es ist ja nichts anderes als eine lateinamerikanische Metropole mit ein paar Gringos dreingestreut).

Beispiel: Sohn Maxwell benzt während des Lunches in einem Hotel-Restaurant, dass er im Pool planschen möchte. Ich erkläre ihm, dass wir keine Gäste in diesem Hotel sind und daher nicht in den Pool dürfen. Aber, wieso, und warum können wir nicht, etc, etc, etc. Gut, denke ich mir, die Dame mit den Handtüchern am Poolrand soll es ihm erklären. Ein Eigentor, wie sich zeigen soll. “So ein Süßer”, strahlt sie ihn verzückt an: “Ich werde gleich den Manager fragen!” “Nein!!!!”, denke ich mir. Er wird die ganze Woche nun hierherkommen wollen. Wenige Minuten später hundelt er durch den Pool – und ich verbringe die nächsten Tagen hauptsächlich damit, ihm zu erklären, dass es eine Ausnahme war.