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“Da gibt es wirklich nichts, was man dagegen tun kann”, sagt die Soccer Mum in dem TV-Beitrag über die angeblich so horrenden Benzinpreise in den USA (82 US Cents pro Liter, ein Preis, wo in Europa gejauchzt würde….). “Wir müssen mit unserem Leben weitermachen, so gut wir halt können”, fährt sie mit ernstem Ton fort, als stünde sie vor der rauchenden Trümmerhalde von Ground Zero am 12. September 2001.

Ich starre wieder mal so richtig fassungslos in die Glotze: Die jammernde Bürgerin sitzt in einem “Land Rover”, eine 4,9 Meter lange, rollende CO2-Schleuder mit 300 PS und einer “Mileage” (Sprit-Verbrauch) von beachtlichen 16,8 Litern im Stadtverkehr. Damit hinterlässt man einen Carbon-Abdruck wie ein Elefant. Tja, denken wir kurz nach (…): Was können US-Bürger in derart unlustigen Zeiten, wo ihr Lebenselexier so viel kostet, wirklich tun? Eureka! Sie könnten sich kleinere, benzinsparendere Vehikel zulegen.

Ich weiß, wieder habe ich es vergessen – Riesen-SUVs oder die potthässlichen, von “Rednecks” bevorzugten “Pick-up Trucks” sind ein Muss:

    Da man sich mit so viel Blech herum einfach wohler fühlt (wenn ich mit einem Kleinwagen zwischen den zahllosen Kübeln, oft in der Mehrzahl, am Freeway durchnavigiere, denke ich mir das auch oft…);
    Da man eine Familie mit 20 Kindern plant;
    Da man seine Oma jede Woche besuchen will, die an einer steilen, nur mit Allrad befahrbaren Schotterstraße am “Red Buffalo Pass” in den Rocky Montains lebt;
    Da man mit einem Pickup-Truck täglich tonnenschwere Heizkessel nach Hause karren kann.

Wie gesagt, es geht mit kleineren Kraftfahrzeugen einfach nicht. Und deshalb schwappt im TV eine neue Welle an nationalem Wehklagen wegen der ruinösen Benzinpreise über das hochmotorisierte Publikum hinweg. Dabei gehen die Riesenkarren – und jetzt wird die Sache tatsächlich fast tragisch – weg wie die warmen Semmeln: Nach einem Durchhänger in den letzten beiden Jahren schossen die Verlaufszahlen für große SUVs im ersten Quartal 2007 um 6% nach oben, im April gar um 25%, beim “GMC Yukan XL”, der nach dem Hummer vielleicht größte rollende Affront gegen den Klimaschutz, gar um 72%. Es bleibt einem die Spucke weg. Bis zuletzt wollte ich mich noch an einen letzten Strohhalm der Hoffnung klammern, dachte, das Bluten an der Tankstelle werde letztendlich zur Vernunft führen. Sehr naiv: Wahr scheint vielmehr, dass viele lieber ihre Nieren verscherbeln würden, als die geliebten drei Tonnen Blech abzugeben.

Alles sehr deprimierend, stimmt. Aber es gibt doch auch ein paar gute Nachrichten – wie so oft aus New York: Das weltberühmte “Yellow Cab goes green”, freute sich gestern die Lokalpresse. Bis 2012 sollen alle 12.000 NYC-Taxis mit ökofreundlichen Hybrids ersetzt werden. Die alten Cabs werden niemanden abgehen, sie waren ein Wunderwerk an verfehlter Platz-Gewichtung: Bei einer Länge von fünf Metern sitzt man am Rücksitz eingepferchter als bei “Krasnojarsk Air”. Wohl fühlt sich in dem verbauten Junk wohl nur die Kurbelwelle unter der weitflächigen Kühlerhaube.