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Es ist ja fast peinlich, aber ich musste mir den Trailer der Hit-TV-Serie “Law & Order” auf “YouTube” anschauen. Seit acht Jahren lebe ich jetzt in den USA, doch die Serie habe ich noch nie gesehen (wie auch den Rest des ganzen Prime-Time-Seifenoperninfernos….). Doch jetzt steigt einer seiner Stars, Fred Thompson, der dort den knallharten, hemdsärmeligen und gnadenlosen Staatsanwalt spielt, in den Ringkampf um das Oval Office ein. Zeit zu recherchieren.

Die Intro gibt dann alles her, was man an Klischees reinpacken kann: Ja, da ist Justizia mit der Wage vor den flatterten Stars & Strips zu sehen, ein hektischer Tatort auf der Straße samt besorgt dreinschauenden Cops, Skyscrappers im Drüberfliegen von oben für ein Großstadtdschungel-Feeling. Und dann, nochmals kurz der Flagge – die Synthesizer dröhnen jetzt wirklich! –sitzt er da: Thompson, ein kantiges Gesicht wie geschnitzt, gerecht, entschlossen, den Kopf leicht geneigt, die Hände vor sich gefaltet. “Recht und Ordnung”, der einzige Kitt der die 300 Millionen Einwohner der Supermacht zusammenhält, das alles liegt auf den Schultern dieses Mannes. Das kommt fast noch besser rüber als Ronald Reagan als Cowboy in grobkörnigen S/W-B-Movies.

Niemand wundert, dass Thompson, 64, prompt getauft “Law and Order”-Kandidat, ausgerechnet am 4. Juli, besser bekannt als Amerikas “Fourth of July”-Patriotenfest, seine Kandidatur bekanntgeben will. Da gibt es dann ordentlich viel zu plaudern beim BBQ in den flaggendurchsetzten Suburbs.

Denn die fromme Republikanerbasis des Südens ist bisher nicht happy mit ihren Kandidaten:

  • Rudy Giuliani, dritte Ehe, Unterstützer von Abtreibungsrechten, mitunter verkleidetet als Frau samt Make-up und Kleidern, Ex-Bürgermeister von “Sodom und Gomorrah”. Da kann ihn nicht mal die Staubkruste von 9/11 retten.
  • John MCCain? Ebenfalls Ehe Nr. 3, ist zwar recht brav bemüht, sich bei den Ultrakonservativen einzuschleimen, aber die wissen, er ist keiner von ihnen. Und dann ist er auch noch gegen Folter der Schlappschwanz. Da hilft ihm das ganze martialische Getöse vom Kurshaltens im Irak nichts;
  • Mitt Romney plagt zwar keine Vielweiberei, doch als Mormone trauen ihm stramme Evangelisten der Religiösen Rechten nicht über den Weg. Und wer mal Gouverneur des Liberalen-Staates Massachusetts war, leidet sicher an post-liberalen Stress mit hohem Rückfallspotential. Krankenversicherung für alle, sogar die Armen? Was soll den das?
  • Zeit für den Retter also! Und Thompson ist – als Ex-Tennessee-Senator und “Südstaatler” sowie einer konservativen Bilanz als Senator zwischen 1994 und 2002, dass einem schlecht wird – längst der Darling im “Bible Belt”: Er stimmte für einen Impeachment-Punkt im Clinton-Amtsenthebungsverfahren nach “Monicagate”, unterstützte das Ölbohren im Naturschutzparadies Alaskas sowie Gesetze, die das “Beflecken” der US-Flagge unter Strafe stellen. Dafür findet Thompson, dass Background-Checks für Waffenkäufe bei “Gun Shows” nicht nötig sind. Es ist wahrlich ein Bilderbuch-Kandidat für Amerikas Erzkonservative. Kein Wunder, dass er bereits in den Umfragen auf Platz 3 liegt, noch bevor er seine Kandidatur ankündigte.

    Zuletzt warf er seinen Fans geschickt auch noch einen Brocken “rohes Fleisch” zu: Ungefragt attackierte er Filmmacher Michael Moore, der in seiner neuen Doku “Sicko” über das kaputte US-Gesundheitssystem Amis nach Kuba zur Behandlung fliegen ließ. Wie in einem “Law & Order”-Filmtrailer schlug Thompson, der mit Zigarre in der Hand in diesem Spot an Rush Limbaugh erinnerte (wahrscheinlich nicht mal ein Zufall!), Moore vor, er solle doch lieber Castro-Regime-Gegner filmen, die der Diktator in der Psychiatrie wegsperren ließ. Thompson beherrscht das Meisterstück der Republikaner, bettelarme Trailertrash-Leute dazu zu kriegen, für sie zu wählen, obwohl die dann einen großen Haufen auf sie geben: Hetzt sie auf! Gegen Liberale! Frauen! Kriegsgegner! Großstädter! Hillary Clinton!

    Und was hat Thompson mit Bush gemein? Seine Faulheit ist Legende. Bleibt zu hoffen, dass ihm der Wahlkampf letztendlich zu stressig wird.