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Da standen sie, in wichtigen Uniformen und stattlichen Anzügen, Bundesstaatsanwälte, FBI, Port Authority, Bürgermeister-Büro, Stellvertreter des “Governors”, der Polizeichef, alle die Brust geschwelt, die Rhetorik stolz und schrill. Die “größte auch nur erdenkliche Terror-Attacke” habe man gerade verhindert, protzte etwa “District Attorney” Roslynn Mauskopf, die als “treuer Bushie” ihren Job sicher behalten wird (anders als die acht kürzlich gefeuerten Bundesanwälte, die Bush zu unbequem wurden).

Diese Aussage allein ist ein Skandal für sich: Der vereitelte Plan von vier “Rasta-Osamas” aus der Karibik und Südamerika, eine Versorgungspipeline und Öltanks am JFK-Airport in die Luft zu sprengen? Noch dazu ein Komplott, das es nie aus der Planungsphase schaffte und dessen aktivster Teil das Abfotografieren und Filmen von Gebäuden sowie das Downloaden einer “Google Earth”-Satellitenkarte (was jeder Volksschüler heute macht) war? Das soll der “schlimmste vorstellbare Angriff” sein?

Moment, war da nicht noch was, vor ein paar Jahren oder so: Das Aufheulen der Turbinen zweier Langstrecken-Jumbos während der Morgen-Rush-Hour über Lower Manhattan kurz vor dem Einschlag in die Twin Towers? Das hilflose Rausspringen Verzweifelter aus dem Flammeninferno 400 Meter in die Tiefe? Der Kollaps der Skyscrapper? Die wie in einem Emmerich-Katastrophenfilm durch die Häuserschluchten des Financial District rasende Staubwolke?

Ja, wir hätten uns alle gefreut, wenn die gleiche stolze Truppe im August 2001 eine ebenso pompöse Pressekonferenz gehalten hätte: Man habe junge Männer aus Saudi-Arabien aufgegriffen, hatten die dann gesagt, dazu einen Mastermind aus Ägypten namens Mohammed Atta, Manuals für das Steuern von Jumbojets wären gefunden und Telefonate über ein Komplott abgehört worden, wonach vier Verkehrsflugzeuge in strategische Ziele in den USA gesteuert werden sollten. Dann wäre die Aussage richtig gewesen, man habe “den größten denkmöglichen Anschlag” verhindert.

Nun – man hat was man hat, und so ließen sich die Aufdecker feiern und bauschten das Komplott auf, dass einem Hören und Sehen vergeht: Der Anschlag auf die Pipeline hätte per Kettenreaktion Dantes Inferno vom JFK durch gleich durch mehrere Stadtteile getragen und “tausende Menschen” getötet. Die Experten, die sagen würden, dass bei einer Explosion der Rest der Pipeline durch Notabschaltevorrichtungen sofort stillgelegt werden würde und ein derartiges Szenario völlig ausgeschlossen ist, hatte man zur Pressekonferenz nicht eingeladen.

Die US-Medien spielten brav mit: Der “Drudge Report” am Internet hatte seine übliche Sirenenlampe montiert, CNN ließ Luftbilder von JFK und andere Stadtteilen an diesem heißen Frühlingstag senden. Message: Eine Metropole wieder im Fadenkreuz internationaler Terroristen. Die Massenblätter “New York Post” und “Daily News” rollten den geplanten “Terrorhorror” gleich in sechsseitigen Sonderdossiers auf.

Vergessen ist jedenfalls nach diesem “Terror-Weekend” die Blamage eines Immigrationsbeamten an der US-kanadischen Grenze, der einen zur Verhaftung ausgeschrieben Tuberkulose-Patienten durchwinkte. Oder war die Bekanntgabe des Terror-Komplottes gerade zu diesem Zeitpunkt gar kein so großer Zufall.