Von der dritten in die erste Welt: Die unglaubliche Reise im „A Train“ nach JFK


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Dass sich unter der Glitzerwelt Manhattans mit seinen sündteuren Einkaufkaufsmeilen á la Fifth Avenue und dem immer dichteren Wald an Multi-Millionen-Dollar-Luxus-Condos eine Subway befindet, die selbst in einer Drittwelt-Metropole ein Ärgernis wäre, ist bekannt: Doch kaum wird das so augenscheinlich wie bei einem Trip zum Großflughafen JFK. Zu bewerkstelligen lässt sich das mit viel Zeit und wenig Gepäck – per A-Train etwa von Lower Manhattan. Der erste rollt in die Station. Leider nein, denn “Ozone Park”, ist die Endstation. Es gibt zwei A-Züge, dieser ist der falsche. Dann kommt der “C” am gleichen Gleis, Lokallinie, nicht zu gebrauchen. Endlich der richtige A: “Far Rockaway” die Endstation, erinnert fast an “Shreks” Königreich “Far Far Away”.

Der kommt zuerst recht flott voran als Express-Zug, auch wenn es oft bei schnellerer Fahrt so rüttelt, dass man das Entgleisen befürchtet. Die Wagons sind aus den 60igern, gereinigt werden sie wohl auch ab und zu. Als der Zug tief in Brooklyn dann aus dem Tunnel kommt, ist der TGV-Teil der Reise vorbei. Über einen Viadukt, der wohl in der Gründungsphase der New Yorker Subway Anfang des letzten Jahrhunderts gebaut und seither kaum mehr renoviert wurde, quält sich die Garnitur nun fast im Schritttempo über das verwitterte, schon bedenklich gewundene Schienenbett. Bei zu schneller Fahrt würde wahrscheinlich entweder der Zug entgleisen und/oder die ganze Stahlkonstruktion zusammenstürzen.

Und ich bin froh, dass es diesmal nicht regnet. Bei einer früheren Fahrt tropfte es bei einem Wolkenbruch durch die durchlöcherte Wagondecke auf die Sitzplätze. Endlich, eine Stunde hat die “unglaubliche Reise in einem U-Bahnzug zum Airport” nun schon am Buckel, ist die Station “Howard Beach” erreicht – der Schnittpunkt zwischen dritter und erster Welt. Von dort geht es weiter mit dem “Air Train”, der relativ neuen Hochbahn, die zwei U-Bahn-Stationen mit den sieben JFK-Terminals verbindet.

Maxwell & Air Train
Maxwell per Air Train am Weg zu Terminal One

Plötzlich, beim Betreten der riesigen Air-Train-Station über den alten Gleisen der A-Linie ist alles anders: Klimatisiert, ruhig, modern, sauber, effizient, verlässlich, angenehm, übersichtlich. Dafür schlägt sich der Kurztrip mit $5 gleich mehr als doppelt so hoch zu Buche wie die $2 für die weite U-Bahn-Fahrt. Der Terminal 1 ist nun flott erreicht, von meiner Wohnung aus hat der Trip eine Stunde und 20 Minuten gedauert.

Warum ich mir das antue hat mehrere Gründe: Die Stadtautobahnen zum JFK sind meist so verstopft, dass eine Taxifahrt oft ebensolange dauert. Dazu kostet sie inzwischen $62 inklusive Trinkgeld und Maut. Irre Taxler riskieren ihr Leben und das der Passagiere. Oder sie fahren mit den weichen Federungen der unsäglichen “Lincoln Towncars” so ruckartig, dass Sohn Maxwell einmal den ganzen Hintersitz vollkotzte. Und bei der Fahrt vom JKF nach Hause gibt es dann meist Streit, wenn die Fahrer mir klarmachen, dass ich ihm nicht zu sagen brauche, wie er nach Manhattan kommt – und mich dann prompt in die West 21. Straße karrt, anstatt, wie er hätte sollen, zur Adresse 21 West Street (was natürlich ein Unterschied von 45 Blocks ist…). Sonstige Optionen? Ja, Helikopter, 7 Minuten, $168. Machen eher hektische Hedgefonds-Manager. Und dann gibt es noch Busse, doch sie sind je nach Verkehrslage auch kaum flotter.

Was daraus deutlich wird, ist die Tatsache, dass es New York bis heute nicht geschafft hat, sein Zentrum effizient an die Airports anzubinden – wie heute in fast allen Weltmetropolen längst üblich.

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