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Fünf Tage in Österreich, Familienbesuch, Headquarter-Besuch, Freunde, Verwandte, es sind immer die stressigsten Tage des Jahres. Und es ist kein leichter Blog-Eintrag, da niemanden vor den Kopf gestoßen werden soll – und die Emotionen immer zwiespältig blieben. Wie ist es, wenn man als in New York Lebender Österreich besucht, werde ich oft gefragt. Ein paar Beobachtungen: Allein der Ort, wo ich dieses Blog verfasse, gehört zu jenen Dingen, die wohl kaum konträrer zum lärmenden Big Apple sein könnten.

Ich sitze auf der Terrasse des Hauses eines guten Freundes in einem Tal bei Maria Gugging, 20 Autominuten von Downtown Wien. Es ist zeitig in der Früh, ich konnte nicht mehr schlafen – vielleicht die Vorfreude auf den Trip zurück nach New York. Die Sommersonne steht schräg am Himmel, mir gegenüber eine Phalanx an mächtigen Wienerwald-Bäumen, rund um das Haus frischgemähtes Gras, dazu ein Konzert an ohrenbetäubenden Vogelgezwitscher.

Übrigens, der insgesamte Lärmpegel ist in Österreich vergleichsweise derart niedrig, dass ich bei selbst moderaten Geräuschen leichte Panikattacken erleide: Da reißt mich dann in der Nacht ein plötzliches Sausen aus den Schlaf, ich denke, es ist ein Düsenjet, der hier im Tiefflug durch das Tal jagt. Es ist aber bloß ein vorbeifahrendes Auto. Sohn Maxwell, dem New Yorker, ist die Idylle oft noch suspekter. Bei einem früheren Trip rief er bei einer Autofahrt durch ein besonders malerisches Waldstück aus dem Fenster: “Wake up!” Nichts bewegt sich, die Bäume stehen nur unproduktiv herum, dachte er sich wohl.

Auf Österreich, und das muss ich nach diesem Trip wieder anmerken, werden in Zeiten des Klimawandels recht beschwerliche Zeiten zukommen: Denn fast nichts ist klimatisiert. Der exzessive Einsatz der Kühlgeräte wäre früher sicher eine Vergeudung von Geld und Ressourcen gewesen. Doch bei Jahrhundertsommern in Serie sollte des vielleicht überdacht werden. Besonders in den U-Bahnwagons: Als ich leicht gesackelt mit Zug und U-Bahn in unser Headquarter zu einem Treffen mit dem Boss reiste, kam ich recht triefend an. Kein Wunder, dass selbst Geschäftsleute hier mit Shorts und kurzärmeligen Hemden herumrennen. Dazu werden die in der schwülen Hitze der U-Bahn-Stationen und/oder Wagons entstehenden Düfte kaum in einer Perfum-Flasche landen.

Ist natürlich ein zweischneidiges Schwert: Verstärkter Gebrauch von Klimaanlagen treibt die CO2-Levels weiter nach oben und führt zu noch höheren Temperaturen. Und wie tiefgekühlt die Büros oft in New York sind, sodass die Yuppies mit ihren gestärkten Hemden und Anzügen nicht transpirieren, ist auch kein wirkliches Vorbild. Aber trotzdem: Bitte die U-Bahn klimatisieren.

Max in St. Pölten
Max im ausgestorbenen St. Pölten

Am größten ist der Schock natürlich, wenn ich in meiner Geburtsstadt St. Pölten ankomme: Irgendwie wirkt das alles wie eine Spielzeugstadt nach dem Einsatz einer Neutronenbombe. Besonders am Wochenende, wenn sich zwei Menschen am Rathausplatz verlieren. Und leider stinkt es immer noch nach faulen Eiern, wegen einer Kunstfaserfabrik, auch wenn es meine Eltern längst nicht mehr riechen und man meint, ich würde wieder mal herummeckern als eingebildeter “Amerikaner”.

Dafür hat sich offenbar eine recht lebendige Veranstaltungsszene entwickelt. Freitag abends tanzen etwa die Kids mit Funkkopfhörern, ein recht skurriles Projekt, mit dem offenbar Beschwerden von Anrainern vorgebeugt werden soll. Max, der wegen seinem Jetlag ohne Probleme bis spät in die Nacht “mitfeierte” (und Dad recht verständnislose Blicke dafür kassierte), zeigte sich recht amüsiert über die ohne hörbare Musik am Platz Tanzenden.

Und dann bin ich auch beruhigt, dass das Bienensterben in Österreich offenbar noch nicht massiv fortgeschritten ist. Ich bin endlich nach all der Hektik im Schwimmbad mit Max, als das Handy bimmelt. Es ist mein Boss und genau beim ersten Satz sticht mich eine Biene. Wie in einem schlechten Monty-Phyton-Film, denke ich mir: Ich beisse die Lippen zusammen und gebe Auskunft, dann schwillt der Fuss zum Ballon. Auch ein Andenken.

Den würdigen Abschied gibt es dann von zwei wirklich herzlichen Ösis: Als ich am Airport mit Max gerade zum “Family-Check-in”-Schalter der wirklich jetzt kinderfreundlichen (Gratulation!) AUA schreite, will sich das ältere Paar hineinzwängen. “Das ist der Familienschalter”, hilft mir das Personal. “Wieso?”, plustert sich die goldige Frau auf: “Wir sind doch auch eine Familie!” Good Bye, Vienna.