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Coming Soon: iPhone-Ankündigung im New Yorker Flagship-Store

Es hat 33 Grad, die Luft ist so dick wie in Singapur, die Klimaanlagen heulen durch Midtown Manhattan. Alle rennen, von Termin zu Termin, Shop zu Shop, wohinauchimmer. Nur zwei, bereits von der stechenden Sonne angeschmorte Apple-Fans, sitzen wie angewurzelt. Sie campen vor dem kultigen Flagship-Store des coolen Computer-, Software- und iPod-Machers an der Fifth Avenue. Greg Packer, ein 43-jähriger, ehemaliger Highway-Arbeiter ist seit Montag 4 Uhr Früh hier, 80 Stunden hat er noch vor sich. “Es ist es einfach wert”, erzählt er mir mit bereits durch dutzende Medieninterviews bemerkbarer Redegewandtheit. Ob er in den langen Nächten Angst hat, enttäuscht zu werden? Damit beschäftige ich mich, falls es dazu kommt. Danke, nächstes Interview.

Freitag, 18 Uhr, Ostküstenzeit ist der Countdown zum Gadget des Jahrzehnts zu Ende: Kreischende Horden werden den High-Tech-Palast an der Fifth, sowie tausende Apple- und AT&T-Läden in den USA stürmen, um Steve Jobs geplante Revolution des Handy-Gebrauchs in Händen zu halten – wo Telefon, Computer, Internet, Kamera, iPod und TV in dem 11,6 Millimeter flachen, 115 x 61 Millimeter großen Wunderding mit der von Apple gewohnten Finesse und Bedienungsfreundlichkeit verschmelzen sollen. Der iPhone-Hype hat hier in den USA, und natürlich vor allem in New York, wo jeder immer alles Coole zuerst haben muss, bereits derartige Dimensionen erreicht, dass sogar kaum mehr wer über Paris Hilton redet (die Arme hätte sich eine andere Woche für ihr Post-Knast-Medien-Offensive wünschen können). Larry King hätte lieber Steve Jobs einladen sollen…

Nein, ich habe mich noch nicht angestellt! Aber hinschauen werde ich sicher am Freitag. Mein Motiv ist natürlich nur die Verpflichtung zu einer fundierten Berichterstattung über den größten Event in der Hightechbranche seit Jahren. Und ich werde natürlich auch versuchen, eines der Wunderdinger zu ergattern. Immerhin habe ich es Gattin Estee zum Geburtstag versprochen – und natürlich hoffe ich, dass sie mich ein wenig damit spielen lässt (wieder aus rein journalistischen Motiven natürlich). Ja erraten, wir sind beide echte Apple-Fans.

Während Legionen an Geeks herumspekulieren, was wie gut funktionieren wird oder nicht, mache ich mir persönlich vor allem wegen dem exklusiven Apple-iPhone-Partner AT&T (vormals Cingular) Sorgen. Zu gut kann ich mich an meine eigene Horrorstory vom vorigen Sommer erinnern. Die hier beschriebenen Troubles sind für einen Handy-Benutzer in Europa wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen. Trotzdem, folgendes hat sich zugetragen: Die Odyssee beginnt, als ich vor meinem Wechsel zur Tageszeitung meine Kommunikationskapazitäten vergrößern will und zu Cingular wechsle, da ich mit T-Mobile außerhalb New Yorks meist nur Gestottere hörte.

Ich beginne mit einem Blackberry, doch merke rasch, dass der mit meinen Apple-Laptop ungefähr so kompatibel ist wie sich ein “Mini Cooper” auf einem Texas-Highway wohlfühlen würde. Also retour, ich probiere ein Sony Ericsson (SE), ein Modell, nicht ganz nach meinem Geschmack, aber angeboten von Cingular und daher tauschbar für meinen retournierten BB. Fein, ich kann es für meinem Laptop als Modem verwenden und synchronisieren, Musik hören, sogar Fernsehen, Emails checken – aber leider nicht telefonieren. Nach dem 20. “I can´t hear you?” oder “you are breaking up…” lasse ich es im Cingular-Store umtauschen.

“You are breaking up”. Ich tausche die SIM-Karte. “I can´t hear you!” Ich schicke es zurück und lasse mir den Kaufpreis retournieren. Nächstes Modell: Wieder ein SE, recht stylisch, doch diesmal von Cingular nicht vertrieben. “Unlocked” heißen solche Handies in den USA, für freche Kunden, denen das karge Angebot der einzelnen Mobilfunkbetreiber zu wenig ist und die so dreist sind, jene Handies zu kaufen, die sie haben wollen. “I can´t hear you”. Ich hätte es mir denken können. Doch nun will mir Cingular auch nicht mehr helfen. “Is this an unlocked phone?”, fragt die Kundenbetreuerin, als hätte sie einen Dreijährigen beim Verstecken kaputter Spielsachen erwischt.

Ja, muss ich kleinlaut zugeben. Ertappt. “We can´t help you!”. Meine Kollegen in Wien sind jetzt ebenfalls schon etwas frustriert: “Ja, k mach- story, Bus… Ira- Breakin ws bi spät …”. Danke New York. Zähneknirschend rufe ich die Telefongesellschaft an, um mir wieder eine alte, traditionelle Telefonleitung einzuleiten. Sehr uncool. Aber ich brauche ein Backup. 64 Dollar pro Monat zahle ich dafür.

Ich probiere ein Nokia-Handy. Leider bin ich meiner Zeit voraus und erstehe bei einem indischen Internethändler in Chicago ein europäisches Modell, das natürlich mit dem US-Datennetz EDGE nicht kompatibel ist. Nach zähen Verhandlungen reist das Dinge zurück nach Chicago. Estee ist inzwischen schon etwas irritiert über das ständige Aus- und Einpacken von Mobiltelefonen. Letzter Versuch: SE k790a “Cybershot”, macht mit der 3,2-Megapixel-Kamera recht tolle Bilder. Und der Großteil gesprochener Worte wird in zumindest rudimentären Zusammenhängen übermittelt. Ich habe es jetzt schon fast ein Jahr, und komme so halbwegs über die Runden.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich hoffe, dass man mit dem iPhone über AT&T auch telefonieren kann…