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iPhone & Bauernebel
Der Autor und das neu erstandene iPhone vor Apples NY-Flagship-Store

Ich habe mich natürlich doch noch angestellt, um das vielleicht meistgehypteste Produkt der Menschheitsgeschichte.
Hier ist das Protokoll eines iPhone-Kaufs:
# 17:45: Ich komme beim Apple-Flagship-Store an der Südostecke des Central Park an. In 15 Minuten beginnt der Verkauf. TV-Teams und Zuseher haben rund um den kultigen Glaswürfel Stellung bezogen. Security Guards versuchen Medien, Apple-Angestellte und Schaulustige in ihren zugewiesenen Zonen zu halten. Die Schlange beginnt eigentlich fast vor dem Laden – leider in der Gegenrichtung und windet sich um den ganzen Block.
# 17:48: Die Apple-Kids teilen Wasser an die Wartenden aus. Ein Kollaps der Kunden würde dem Hype sicher einen negativen Drall geben. Es ist “smart water”, was sonst. “Werden wir noch eines bekommen?”, fragt jemand in der Schlange bange.
# 18:00: Hinter uns ist ein Aufschrei zu Hören! Der Verkauf hat begonnen, die Schlange sollte sich bald in Bewegung setzen. Ein Mann mit einem orangefarbenen Kostüm samt Riesenkopf-Maske teilt Werbematerial aus. Er innert an den depressiven Roboter aus “Hitchhiker´s Guide to the Galaxy”. Ja, erraten, es ist ein Zirkus hier, schon die ganze Woche lang – seit Fan Greg Packer seinen ersten Klappstuhl fünfeinhalb Tage vor dem Verkaufsstart aufstellte.
# 18:03: Einige Passanten bestaunen uns wie Zootiere: “Die spinnen ja…”, schüttelt eine Frau den Kopf. Wir bekommen – potentielle Kunden als unbewegliche Ziele – mehr Werbematerial überreicht: Diesmal ein Angebot zum Recykeln des alten Handies. Bei einem weiteren Flugzettel kann man ein iPhone gewinnen. Schlechte Zielgruppe: Wir stehen hier, weil wir es sofort haben wollen – und nicht später gewinnen…
# 18:06: Ich biege um die erste Ecke, von der 60. Straße in die Madison Avenue. Ein Anstell-Kollege denkt laut vor sich hin: “Ich zahle mit meiner Debit-Kreditkarte, da bekomme ich wenigsten Meilen”. Einige, denn das Ding kostet ja 500 oder 600 Dollar.
# 18:21: Endlich ein interessanter Flugzettel: Eine Firma bietet an, das iPhone zu “unlocken”, also für andere Handy-Betreiber zu erschließen und den nervigen 2-Jahres-Vertrag mit at&t zu umgehen.
# 18:31: Wir haben ein schwarzes Fell-Monstrum passiert, was vielleicht zum nahen Spielwarengeschäft gehört oder “durch einen bösen iPhone-Fluch verhext wurde”, wie jemand scherzt. Es wird schon etwas langweilig. Wir kommen ins Camping-Areal, wo die Supergeeks tagelang ausharrten. Die leeren Sessel sind jedenfalls fein zum Ausrasten. Dazu kommt ein wenig Schadenfreude auf, dass die völlig umsonst in der brütenden Hitze saßen.
# 18:39: Endlich, ich bin mit der Umrundung des Blocks fast fertig. Der Glaswürfel ist in Sicht. Davor beklatschen junge Apple-Kids jeden Käufer beim Rauskommen. Das ganze erinnert an einen “Club Med”-Urlaub.
18:48: Ich werde in die heiligen Hallen vorgelassen. Das Personal dirigiert mich zum Verkaufspult. 4 Gigabyte bitte, AMEX -$549 (inkl. Steuer). Katsching! ich erhalten eine schwarze Einkaufstasche. Das wars. Das iPhone ist erstanden.
# 19:35: Jetzt der spassige Teil, denke ich mir: Das Inbetriebnehmen des magischen Wunderdings. Ich schließe es an den Computer an, iTunes dirigiert mich elegant durch die Auswahl des Calling Plans.
# 19:59: Doch jetzt kommt die große Hürde: at&t, die das Handy aktivieren sollte. Eine Email würde das bekanntgeben, steht am Schirm. Warten auf at&t.
# 20:55: Anruf bei at&t. Ja, alles ok mit den Daten, nur die Systeme sind überlastet. Ja, das haben sie nicht kommen sehen, den iPhone-Hype, besonders als exklusiver Apple-Partner.
# 22:24: Ich bin mit den Blog fertig. Am Speakerphone ist at&t. “Wegen hohen Anrufsvolumen könnte sich das Telefonat verzögern…”.
# 23:15: Ich lasse mich bei at&t nach vielen Ahnungslosen nun zum „Supervisor“ durchstellen. Nach langem hin und her gelingt die Aktivierung. Das iPhone fährt hoch, meine müden Augen strahlen, wie ein Kid vor dem Weihnachtsbaum. Ich teste bis weit in die Nacht, bis sich die coolen Widgets für die 16 Funktionen fast ins Gehirn eingravieren. Das iPhone wird dem Hype gerecht, keine Frage.