Print Friendly, PDF & Email

Das Handy von Sony Ericsson, Type “Cybershot k790a”, ist ein feines Gerät, acht Monate lang schoss ich Fotos in erstaunlicher Qualität, checkte Email, zeichnete Interviews auf und telefonierte rund um die Uhr. Verkaufen wollte ich es nur, da ich das iPhone anschaffte. eBay schießt mir sofort in den Kopf, der größte elektronische Flohmarkt der Welt. Sollte ja kein Problem sein. Gekauft habe ich das Handy um über $500, nach 8 Monaten liste ich es um $350. Wow! Nach wenigen Minuten will mir jemand $800 dafür geben – und das Ende der Auktion gleich gar nicht mehr abwarten. Ich brauche es nur mit “Expressmail” nach Nigeria schicken, zum Sohn des Email-Schreibers. Die Bezahlung folgt dann prompt, verlässlich und pünktlich. Nigeria? You must be kidding!

sonybox
Handy wartet in der Box auf den eBay-Verkauf: Eine Staubschicht…

Über Nacht wird mein “Cybershot” jedenfalls zum Hit in Nigeria. Meine eBay-Mailbox füllt sich, $500, $600, $800 werden geboten, das Handy soll an Söhne, Töchter, Tanten, Onkeln, Schwäger in Orte mit immer phantasievolleren Namen. Noch mehr Emails kommen, diesmal von Ebay, die mich vor den Emails von potentiellen Betrügern warnen. Danke, eBay, auf das bin auch selbst gekommen. Kümmert euch lieber darum, diese Scumbags von eurer Website fernzuhalten, murmle ich nun bereits etwas verärgert.

Die Auktion ist zu Ende – und ich habe einen Käufer! Nein, habe ich nicht, eBay teilt mir mit, dass der kein legitimer eBay-User ist. Ich kann es nochmals listen, wird angeregt. O.k., vielleicht hatte ich beim ersten Versuch bloß Pech: Ich gehe auf $300. Nigeria jubelt, dass Cybershot ist wieder da im Cyberspace! $500, $600, $800, die gleichen Tanten, Onkeln, Schwäger. Wieder schrillen die eBay-Alarmglocken. Und wieder kein Käufer. In einem Anflug von Galgenhumor denke ich mir, wie es sein muss, wenn man ein EHRLICHER Käufer und Verkäufer aus Nigeria ist: Für die ist es wohl eine Mission Impossible, Geschäfte zu machen…

In einem Anflug von Masochismus gebe ich mir noch eine dritte Runde, die Hosen sind jetzt schon auf $250 runtergerutscht. Wieder nur Spamers. Gezahlt habe ich eBay insgesamt an Freischaltgebühren: $10.84. Dafür erhielt ich 50 Emails aus Nigeria, sonstige Spam mit Internet-Sonderangeboten, dutzende Warnungen von eBay. Über die schwarze Box mit dem Handy drinnen legt sich hingegen bereits eine leichte Staubschicht. Sicher machen Millionen Käufer und Verkäufer täglich bessere Erfahrungen – immerhin setzt der New-Economy-Gigant 5,9 Milliarden Dollar pro Jahr um. Doch deutlich wird, wie elektronisch vernetzte Betrügerbanden das Internet zusehends unbenützbar machen.

Fast. Denn natürlich habe ich mich jetzt nicht mit einem Bauchladen samt Handy drinnen zum Pier der Fähre zur Freiheitsstatue gestellt, um es an Touristen zu verhökern. Ich inserierte auf “craigslist”, dem unkomplizierten und kostenlosen Konkurrenten zu eBay: Bloß 24 Stunden und ein paar Emails mit Interessierten später, tauschte ich Handy und Cash mit Mr. Quan Lam, einem netten jungen Mann, in einer Bürolobby in Midtown aus. Inzwischen strömen immer noch Emails von weiteren Interessierten auf meine Mailbox. Ich hätte das Ding mehrfach verkaufen können, und wahrscheinlich auch teurer. Bleibt nur zu hoffen: Dass die Cyber-Gauner mit ihren Verwandten in Nigeria nicht auch über craigslist herfallen.