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Playground
Überfluteter Spielplatz, Battery Park City: Nur die Kids hatten Spass…

Zum Glück sah ich die News und das Wetter-Radar erst, als das Riesengewitter bereits wieder abgezogen war. Ich neige bei extremen Wettersituationen leicht zur Panik, ein kleiner Tick, der von 9/11 geblieben ist: Einmal hob ich Max, damals noch ein mehrmonatiges Baby, hektisch aus seiner Krippe und rannte unter den verblüfften Augen meiner Frau Estee zum fensterlosen Vorzimmer. Ich hatte ein paar Blocks weiter eine Art Windhose gesehen, die mächtig Staub nahe der Riesenbaustelle von Ground Zero aufwirbelte. “Tornado!”, schoss es mir in den Kopf: “Weg vom Fenster!” Es war natürlich damals bloß ein stinknormales Gewitter – und Estee hänselt mich seither bei jeder ähnlichen Gelegenheit. “Alert Bert” ist meine Spitzname.

Storm
Doppler-Radar: Großer Patzen an zerstörerischem Wetter

Mittwoch früh war es hingegen wirklich heftig – und ich wäre ausgeflippt, hätte ich das meteorologische Drama im TV live mitverfolgt: CNN liefert kurz vor 6 Uhr als “Breaking News” eine Tornado-Warnung für New York City, das gibt´s nicht alle Tage. Am Wetter-Dopplerradar bewegt sich ein riesiger, grellroter Patzen sintflutartigen Regens samt Hagel und zerstörerischen Windböen auf die Acht-Millionen-Einwohner-Metropole zu. New York ist spektakulär in vielen Belangen, so auch seine Gewitter: Die Blitze schlagen dutzendweise in den Sendemasten der Skyscraper ein, das Donnergrollen wird durch das Echo der Straßenschluchten zum “Dolby Surround”-Hörerlebnis. Schaurig schön, irgendwie.

Twister
Die New Yorker Massenblätter hatten ihre Freude: „Twister!“

Ein greller Blitz und heftiger Knall bloß Sekundenbruchteile später weckt mich. Muss eines der Nachbarhäuser gewesen sein. Zu sehen ist wegen dem sintflutartigen Regen nichts, zu hören das Prasseln der dicken Tropfen ans Fenster sowie das Stakatto weiterer Blitzschläge und explosionsartiger Donner. Gut, dass ich heute nirgendwohin muss, denke ich mir. Das Frühstücks-TV bestätigt diese Vorahnung. Zusammengefasst: Die gemeine Gewitterzelle hat die Weltkapitale binnen bloß einer Stunde lahmgelegt. JFK musste wegen Überschwemmungen kurzfristig schließen, Subway-Garnituren steckten wegen Wasser in den Station fest, die Regionalzüge LIRR oder Metro North sowieso, dazu Megastaus auf den meisten City-Freeways durch Unfälle und geflutete Unterführungen.

WestStreet
Verkehrskollaps: Verstopfte West Street in Lower Manhattan

Der U-Bahnbetreiber MTA musste zugeben, dass keine einzige seiner Linien planmäßig verkehre. Sogar die MTA-Website, die über die Verspätungen informieren sollte, kollabierte. Um 11 Uhr ruft mich unsere Freundin Autumn an, die diesen Sommer die Nachmittage mit Max verbringt. Sie schaffte es von Queens gerade bis zur Canal Street, den Rest will sie, als Desaster-gestählte New Yorkerin, zu Fuß gehen. “Da muss irgendwas in der Subway sein, überall ist nur Chaos”, sagt sie ahnungslos am Handy. Sie hat den Sturm wohl verschlafen und offenbar auch kein TV geschaut. “Sei froh, dass du es bis dorthin geschafft hast”, verspreche ich weitere Erläuterungen, wenn sie eintrifft. Tatsächlich wütete ein Tornado mit Windspitzen von 216 km/h, im TV berichten Kids aufgeregt über panikartige Szenen im Brookly-Stadtteil Bay Ridge, als Bäume auf Autos stürzten, Dächer fortgeblasen wurden und Menschen Deckung suchten. 150 Bäume wurden insgesamt entwurzelt. „Tornado Alley“, mitten in Brooklyn.

Die Sonne kommt später heraus und löst gleich den nächsten Wetter-Alarm aus: Diesmal eine Hitzewarnung! Der New Yorker Sommer war bisher recht friedlich – bis Mittwoch morgen. Es drohen schlimme Zeiten für “Alert Bert”.