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911
9/11-Gedenken: Bush als resoluten Kriegsführer platziert

Es kamen mir vor Rührung fast die Tränen, wie Karl Rove im WSJ seine Motive für den überraschenden Exit aus dem White House erläuterte: Seine Arbeit sei getan, ließ er durchblicken. Doch hat er dem Land nicht eine historische Katastrophe im Irak, seiner Partei den Verlust beider Kongress-Kammern und trübe Aussichten auf einen Sieg 2008, sowie seinem Boss George W. Bush Popularitätswerte wie Richard Nixon Tage vor dem Watergate-Rücktritt vererbt? Pahhh! Mitnichten: Bushs Werte werden wieder steigen, säuselt Rove gut gelaunt, so auf 40%, besser als der Kongress, immerhin. Die Latten liegen wohl in den Korridoren rund um das Oval Office bereits recht niedrig. Im Irak werde es ebenfalls aufwärts gehen, seine Republikaner-Partei aus dem Showdown mit den Dems über Lauschangriff und Sparbudget im Herbst gestärkt hervorgehen. Und das Oval Office 2008? Kein Problem, da schießen sich die Gegner ohnehin mit der Nominierung einer “fatal fehlerhaften Kandidaten” (Hillary Clinton) selbst ins Knie.

Doch tritt er vielleicht zurück, weil ihm nach sechseinhalb Jahren der kompletten Politisierung praktisch aller Aspekte des US-Regierungs- und Justizapparates samt Outing der CIA-Spionin Valerie Plame aus Rache an ihrem Kriegslügen aufdeckenden Gatten Joe Wilson die Dems mit immer aggressiveren Investigations schließlich auf den Fersen waren? Paperlapapp! Rove will nun einfach mehr Zeit mit Frau Darby in der Einöde des “Texas Hill Country” verbringen sowie mit seinem Sohn fürs Uni-Zeugnis pauken.

Außerdem wird man irgendwann echt müde vom pausenlosen Ausdenken perfider Rufmord-Strategien und anderer Gemeinheiten. Es kostet einfach Substanz, “Flüsterkampagnen” loszutreten, wo Bush-Gegner John McCain 2000 ein uneheliches Kind mit einer schwarzen Prostituierten zugeschrieben und ihm ein lupenreiner Dachschaden durch seine Jahre als POW in der Vietnam-Dschungel-Hölle attestiert wurde. Oder als Bush-Gegnerin Anne Richardson beim ersten Gouverneurs-Wahlkampf in Texas plötzlich lesbisch war. Oder John Kerry, der – während sich Bush in Texas an der “Heimatfront“ volllaufen (und mehr) ließ, auf Swift-Booten im Mekong-Delta sein Leben riskierte – sich plötzlich als Landesverräter verteidigen musste.

Und dann habe Rove auch genug davon, vom linken Mob wegen alldem andauernd angepöbelt zu werden. “Ich bin ein Mythos”, erzählte er dem nicht sonderlich überkritischen WSJ-Editor Paul Gigot: “Ich lese andauernd über Dinge, die ich angestellt haben soll – und ich muss fast lachen dabei”. Wie all diese linken Würmer immer auf solche Dinge kommen? Dabei habe sich Rove in letzter Zeit eher auf den Wettbewerb mit Boss Bush konzentriert, wer die meisten Bücher lesen kann! Richtig gelesen: Während im Irak 100 GIs pro Monat zerfetzt und 12 Milliarden Dollar ausgegeben werden, vertreiben sich Bush und Rove die Zeit mit Lesewettbewerben. So geht es also zu an Neros Hof!

Sogar bei seinem Abgang zeigte Rove sein wahres Gesicht, schrieb die linke Kolumnistin Arianna Huffington: Rove sei “wahnhaft, fanatisch und trügerisch – bis zuletzt”. Tatsächlich hat der milchgesichtige Texaner die US-Politik wohl permanent verändert. Sein bei Wahlkämpfen durchaus erfolgreiches Konzept von “search and destroy”, das Zursaumachen der Gegner ohne jegliche Hemmschwellen, Anstand oder Zivilisiertheit ist inzwischen Standardrepertoire moderner US-Politik und wird uns ekelige Schlammschlachten für die vorhersehbare Zukunft bescheren. Auch Hillary hat sich ein paar Taktiken für ihren Wahlkampf schon abgeschaut, als sie kürzlich über Kontrahenten Obama herfiel.

Diskutiert wird jedoch, ob eine andere Rove-Taktik den Konservativen nicht langfristig mehr schadet als nützt: Denn der “Architekt” nahm keine Rücksicht auf moderate Wechselwähler, glaubte felsenfest, wenn durch Generalmobilisierung genug seiner ultrarechten Christenfundis bei den Wahlurnen auftauchen, Bush & Co nicht verlieren können. Bei drei Wahlen klappte das, die Midterms 2002, Bushs Wiederwahl und der Republikaner-Kongresstriumph 2004. Doch im Vorjahr war das Land so korrumpiert wie die Inkompetenz von Bush und seinen “Cronies”, besonders nach dem Katrina-Debakel, offensichtlich, dass Rove die rechten Irren an den Wahlurnen ausgingen. Nun befinden sich die Republikaner im erbärmlichsten Zustand seit langem.

Überprüfen sollte die Justiz jedenfalls, wie Rove den gesamten Regierungsapparat, sowie die Innen- und Außenpolitik für pure Bush- und Republikaner-Vorteile regelrecht entführte: Den Irak-Krieg trieb er voran, da die Wähler Bush als resoluten Kriegsherren schätzten; Bundes-Notstandshilfe wurde an Bezirke vergeben, wo die Wiederwahl von Republikaner-Abgeordneten gefährdet schien; Bundesanwälte in “gute und schlechte Bushies” eingeteilt. Wie oft hier das Gesetz gebrochen wurde, kann man sich ausmalen. Ob er jemals dafür zur Verantwortung gezogen wird, darf bezweifelt werden.

Anyway, tschüss, Karl! Und stoß dir den Kopf nicht beim Rausgehen. Dabei wird das Aufatmen nur kurzfristig sein. Denn Rove kehrt wieder, keine Frage: Als Fädenzieher bei der Demolierung Hillary Clintons!