Print Friendly, PDF & Email

MaxThomas
Maxwell, Thomas & Friends: „Der Zug ist giftig…“

Es ist immer toll, wenn Sohnemann Maxwell neue Wörter lernt. Doch die, die er zuletzt lernte, hatten einen bitteren (bleiernen) Beigeschmack: “Recall” oder “Produkt-Rückholung”, was mein kleiner, deutsch wie JFK sprechender Ami natürlich kaum rausbringt. Willkommen Maxwell in der schönen neuen Welt des Global Village hemmungsloser Profitmaximierung. Max ist, seit er Krabbeln kann, ein fanatischer Verehrer von “Thomas the Tank Engine”. Kürzlich sortierten wir jene Modelle aus, die in China mit Bleifarbe bepinselt wurden. Der Zug sei “giftig”, erklärte ich ihm. Er hat das wohl nicht richtig verstanden.

Und ich bemerkte, wie ich so richtig wütend wurde: Denn im Skandal um billig in China produziertes, giftiges Spielzeug ist der Thomas-Rückruf nur eines vieler schockierender Highlights. 18,6 Millionen Stück “Mattel”-Spielsachen, inklusive Batman- oder Barbie-Piuppen, sowie “Sarge”-Spielzeugautos aus dem Pixar-Kultfilm “Cars” wurden diese Woche aus den Regalen geräumt. Schon Anfang des Monats hatte Mattel 967.000 Spielsachen einkassiert, darunter “Big Bird” und “Elmo”. Schon wird berichtet über bleiverseuchte Plastik-Sabberumhänge für Babies. Bei uns gehört das alles fast schon zum Familienalltag: Nachrichten schauen, die letzten Recall-Listen vom Internet laden und Maxwells Spielzeug nach potentiellen Todesfallen durchsuchen.

Das Weltwirtschaft zeigt ihre hässliche Fratze! Nachdem wir gut ein Jahrhundert brauchten, um unsere Produkte so halbwegs sicher zu bekommen, fangen wir jetzt offenbar wieder von vorne an: Praktisch alles wird inzwischen in China produziert, wo die Standards vielleicht eher an jene in Manchester, so Mitte 18. Jahrhundert, erinnern. Wir verdienen oft zu wenig bei steigenden Lebenshaltungskosten, unsere Pensionsvorsorge geht mitunter in Börsenbubbles flöten und das mit zunächst billigen Krediten gekaufte Haus auch. Dass wir nicht ganz trübseelig werden, bekommen wir billige Produkte aus China. So hat sich die “Corporate World” das ausgedacht.

Doch nun können wir uns in einem Inferno immer neuer Rückhol-Skandale nicht einmal mehr darüber freuen: Zuerst starben in den USA Hauskatzen, da im Futtermittel kontaminiertes Glutenmehl aus China landete. Dann wurden Hühner in Indiana mit vergifteten Futter aus China gefüttert. Das Gefriermittel Glykol (das können die Ösis vom Weinskandal noch…) tauchte in Zahnpasta auf. 450.000 Autoreifen Made in China wurden rückgerufen, Zerplatzungsgefahr. 180 Firmen, gaben nun sogar die Chinesen bekannt, hätten Industriechemikalien bei ihrer Nahrungsmittelproduktion eingesetzt. Mahlzeit! Als die US-Nahrungsmittelbehörde FDA 89 Seafood-Produkte testete, waren 25% mit Antibiotika und Chemikalien verseucht. In Panama starben sogar 51 Menschen durch kontaminierten Rohstoff für die Medikamenten-Produktion.


Trotz allem:Max liebt seine Thomas-Züge

Die Politik scheint so hilflos wie immer, wenn es um die sich völlig verselbstständigte Weltwirtschaft geht: Die Chefin der US-Konsumentenschutzbehörde, Nancy Nord, stotterte bei einem CNN-Interview hilflos herum. Elegant wich sie der Frage aus, wie sie trotz Bushs Budgetstreichungen die Sicherheit für die Tsunami an importierten Produkten garantieren könne: “Wir leisten großartige Dienste für den Steuerzahler…”. Like what? Die Behöre verlässt sich auf die Kontrollmechanismen in China (schauder!) und die “Quality Control” der US-Firmen (grins!). Max hat für seine rückgeholten Thomas-Züge einen Gutschein bekommen: Wir warten jetzt mal zu mit dem Anschaffen neuen Spielzeugs.