Sommer voller Pleiten, Pech und Pannen: Niedergang des Bush-Amerika?


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Deutsche Bank
Brand-Ruine Deutsche-Bank-Gebäude: Schande für New York

Zwei Feuerwehrleute kamen am Samstag ums Leben, als sie sich im Labyrinth des brennenden Deutsche-Bank-Gebäude verirrten. “Mayday! Mayday”, krächzte aus dem Feuerwehr-Funk: “Unser Sauerstoff geht zu Ende”. Dann starben Robert Beddia und sein Kollege Joseph Graffagnino an Herzversagen nach einer Kohlenmonoxidvergiftung. 345 Firefighters kamen am 11. September um, jetzt kommen zwei zu der furchtbaren Opferbilanz hinzu. Und dass in einem vertikalen Schandfleck, einem Gebäude, dass längst weggerissen sein sollte – und immer mehr zum Mahnmal für die Stümpereien während des WTC-Wiederaufbau wird.

Über 700 Leichenteile waren darin gefunden worden, hohe Mengen an Asbest, Schwermetallen und Dioxin. Was der toxische Turm fast sechseinhalb Jahre nach 9/11 mitten im wieder pulsierenden “Financial District” von Lower Manhattan noch zu suchen hat, fragt sich nun wütend New York. Und die Welt schüttelt den Kopf.

Die verbliebenen 26 Stockwerke des am 11. September fatal demolierten Büroturms der Deutschen Bank gerieten Samstag Nachmittag in Brand – die wahrscheinlichste Ursache ist eine weggeworfene Zigarette. Seit Jahren dilettieren Behörden und Abrissfirma an dem “Grabstein”-Gebäude, wie der mit schwarzen Tüchern verhüllte Turm heißt, herum: Endlos wurden ausgeklügelt klingende Pläne zum Abriss mit niedrigster Umweltbelastung präsentiert, überarbeitet, abgelehnt, modifiziert. Dann erpresste die Baufirma die Wiederaufbaugesellschaft und wollte Millionen mehr. Mehrmals kam es zum Baustopp wegen Verstößen gegen die Auflagen, besonders der Lagerung giftiger Materialen. Einmal krachte ein Stahlroh aus dem 35. Stock in ein Feuerwehrhaus darunter. Bei den Löschversuchen stellte sich nun heraus, dass die senkrechte Wasserleitung, “Stand Pipe”, nicht funktionierte. Die Firefighters mussten Schläuche von der Straße in das Inferno im 17. Stock legen.

Tausende Freiwillige büßten ihre Gesundheit ein, als sie nach 9/11 selbstlos mithalfen, die Trümmerhalde so rasch wie möglich zu beseitigen, um New York ein rasches Comeback zu ermöglichen. Das endlose Dauerdrama um das Grabsteingebäude ist ein Beleidigung für diese Leute, dazu eine Schande für New York.

Doch gleichzeitig ist es auch der letzte Höhepunkt eines Sommers der Pleiten, Pech und Pannen – die symptomatisch für den Niedergang des Bush-Amerika sind (und der Wall-Street-Crash oder das Giftspielzeug aus China ist hier gar nicht inkludiert):

# Mitte Juli flog eine 1924 installierte Dampfleitung in Midtown Manhattan in die Luft und tötete eine Frau. Die gewaltige Explosion und die gigantische Dampfsäule ließen New York in purer Terrorangst erstarren. Nach der Terror-Entwarnung blieb die blamable Erkenntnis über, dass der Betreiber des größten Dampfleitungssystems der Erde, “ConEd”, keine Ahnung hat, welche seiner Uralt-Leitungen noch gefährdet sind. Das Kontrollsystem ist simpel: Fliegt eine in die Luft, muss sie ausgetauscht werden.

# Dann kollabierte am 1. August eine achtspurige Autobahnbrücke in Minneapolis. Acht starben. Die Amerikaner erfuhren, dass “strukturelle Defizite” bei zahlreichen Inspektionen festgestellt worden waren. Doch Lokalpolitiker scheuten wegen hoher Kosten und drohendem Verkehrskollaps vor einem Neubau zurück. Fast 80.000 Brücken haben ähnliche Prädikate “fragwürdiger Stabilität”. Ein mulmiges Gefühl ist seither konstanter Beifahrer.

# Und dann regnete es auch noch in New York! Nicht wahnsinnig viel, aber mit 43 Millimetern in einer Stunde offenbar zu rasch – zumindest für die antiquierte Subway, deren Betrieb wegen überfluteter Gleise komplett zusammenbrach. “Regen zwingt Weltkapitale New York in die Knie”, rekapitulierte die New York Times nicht ohne Häme.

Dass in Amerika generell die Infrastruktur alt und vergammelt ist, fällt jedem Touristen sofort auf. Börsen-Guru Heiko Thieme bezeichnete den 300-Millionen-Einwohner-Staat als “hochstilisiertes Schwellenland” (er war bei einem Telefonat mit mir so begeistert über den Ausdruck, dass er sich den Begriff schützen lassen will). Ein Grund dafür: Politiker denken nicht langfristig, etwaiger Geldüberschuss wird nicht für Infrastruktur-Investitionen für die Zukunft verwendet, sondern per populären Tax Cuts retourniert.

Dazu lebt die verschuldete Supermacht durch den sündteuren Irakkrieg gepaart mit fiskalisch völlig unverantwortlichen Steuersenkungen über ihren Verhältnissen: 800 Milliarden Dollar pumpen ausländische Investoren pro Jahr in die USA, schrieb die New York Times: “Durch steigende Zinszahlungen fehlt das Geld verstärkt für Investitionen zu Hause”, so die Times weiter. Vorbereitet ist Amerika hingegen auf einen Hurrikan, der gar nicht kommt: Ein wegen dem Katrina-Debakel übernervöser Bush ließ in Texas wegen Hurrikan Dean vorsorglich den Notstand ausrufen, obwohl der Sturm wohl tausend Kilometer südlich in Mexiko einschlagen wird.

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