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Spiderman, T-Rex, Spiderman jr., Cops im Battery Park

Süß sind sie ja die Kids zu Halloween: Max fauchte furchterregend in seinem dunkelgrünen T-Rex-Kostüm alle Passanten an, denen eher zum Lachen als zum Fürchten zumute war. Seine Kindergarten-Kumpel hatten auch keine Mühen gescheut: “Darth Vader´s” in Serie, einige Spiderman, Superman, Ninjas, Power Rangers oder NYPD-Cops samt Handschellen mischten sich in die bunte Kidsschar, die am sonnigen Halloween-Nachmittag in New York wie die Hunnen durch die Battery-Park-Anlagen zog. Und dann auch noch die Girls: Prinzessinnen und Feen aller dankbarer, märchenhafter Backgrounds, “Elastigirl” von den “Incredibles”. Die ganz Kleinen wurden als drollige Bumblebees herumgetragen. “Good bye, Princess Lea”, sagte einer von Maxwells Freunden zu einem dementsprechend verkleideten Mädchen. Wir Erwachsenen kicherten: Nächstes Jahr sollte er als Han Solo gehen – und nicht als Darth Vader.

Wie gesagt, cute für die Kids. Aber was ist los mit all den Erwachsenen, die als Hillary Clinton oder Rudy Giuliani oder von Schwertern Durchbohrte oder mit Totenköpfen Verhüllten oder als erschreckende Geister oder Shreks oder “Imperial Storm Troopers” oder französische Henker oder Michelin-Mänchen die Sixth Avenue in Lower Manhattan hinunterparadieren? Gehört hatte ich ja vor unserer Übersiedlung nach New York vom Halloween-Hype in den USA, der ja auch immer mehr nach Europa überschwappt. Aber geglaubt habe ich es erst, als ich beim Retournieren eines Mietautos zum ungünstigsten Zeitpunkt im totalen Verkehrskollaps wegen der Mega-Parade in Manhattan festsaß und fassungslos in die seltsame Parade starrte.

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„Maxosaurus“ auf der Jagd

Was sind die Gründe für den Verkleidungswahn, darf spekuliert werden: Ist es ein Ausbrechen aus den öden “Cubicles” der strikten Arbeitswelt von “Corporate America”? Oder der generellen Tristesse für die Mittelklasse im Bush-Amerika, wo längst der dritte Job zum Überleben nötig ist und die Ratenzahlungen für Haus, Kreditkarte und Krankenversicherungen monatlich immer schmerzhafter werden? Oder ist das Ganze überhaupt ein ausgeklügeltes Komplott der Kostüm- und Süßwarenindustrie?

Generell zu beobachten – und das könnte bereits als Teil einer Erklärung herhalten – ist, dass die Amerikaner einen gewissen Fanatismus und Übereifer bei der Gestaltung ihre kargen Freizeit an den Tag legen: Zum “Fourth of July” etwa stürmen sie zum Bestaunen der Feuerwerke derart Millionenfach an die Ostseite Manhattans, dass die ganze Insel fast Schlagseite bekommt. Dazu werfen sie Trillionen Bratwürstel auf die BBQ-Grills. Zum “Labor Day”-Weekend Anfang September besuchen sie geschlossen die Strände, um sich vom Sommer zu verabschieden. Zu “Thanksgiving” stecken sie in Airports fest, beim verzweifelten Versuch, sich mit ihren Familien wiederzuvereinen. Und im Advent schlagen sich beim Auftakt des Weihnachtsgeschäftes in Supermärkten viele beim Sturm auf die besten Schnäppchen sowieso die Kniescheiben und Ellbogen blutig.

Ausreichend soziologisch fundierte Erklärungen habe ich noch keine gefunden – ich werde sie nachliefern, falls ich sie erspähe. Vielleicht kommt es auch drauf an, ob man in Amerika aufwächst: Max würde jedenfalls meinem Versuch, die Sinnhaftigkeit der Massenverkleidung und des Schokolade-Verzehrs bis zur kompletten Hyperaktivität zu Halloween anzuzweifeln, verständnisloses Kopfschütteln entgegensetzen.