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Exakt ein Jahr vor der historischen Bush-Nachfolgewahl – Termin: 4. November 2008 – ist Hillary die Kandidatin, die es zu schlagen gilt: Sie führt gegen Obama mitunter mit fast 30 % Vorsprung im internen Demokraten-Rennen, den Republikaner Frontrunner Giuliani würde sie laut einer jüngsten Sensationsumfrage des “Pew Research Center” mit 51 % zu 43 % regelrecht in seine 9/11-Ground-Zero-Grube stupsen.

Doch die letzten Tage zeigten, dass das Rennen keinesfalls gelaufen ist – und es lange 365 Tage einer wüsten Schlammschlacht um das Oval Office werden. Bei der NBC-TV-Debatte der “Dems” gingen Hillarys parteiinterne Kontrahenten erstmals so richtig in die Offensive: Sie würde durch ihre Stimme, Irans Revolutionäre Garden als Terror-Organisation einzustufen, Bush einen “Blankoscheck” für Militär-Schläge gegen Teheran ausstellen und beziehe keine klaren Positionen, wetterte Obama. Doch vor allem der eloquente Edwards landete derart viele Treffer, “dass Hillary richtig groggy wirkte”, so Kolumnistin Margaret Carlson. Mehrmals verwickelte sie sich in Widersprüche, zeigte mitunter offen Frustration und Ärger. NBC-Moderator Tim Russert brachte sie zusätzlich mit scharfen Zwischenfragen durcheinander.

Vorbei schienen jedenfalls die Zeiten fröhlicher Plauderstunden früherer TV-Debatten, wo Hillary mit geschliffener aber oberflächlicher Rhetorik und oft schallendem Gelächter ihre Gegner entwaffnete. So richtig “gebombt” hätte sie in der letzten Debatte, urteilte Politico.com. Das Rennen scheint nun wieder spannend. Schwachstellen in der Panzerung der eisernen “First Lady” wurden sichtbar. Und in Iowa, dem Auftakt der Primaries-Saison am 3. Jänner, deuten Umfragen ohnehin auf einen Thriller hin: Dort führt Hillary mit 29 % nur knapp vor Obama, 27 %. Auch Edwards ist mit 20 % in Reichweite. Und sollte Obama oder Edwards tatsächlich Iowa gewinnen, ist ohnehin alles offen.

Faszinierend schien aber auch, wie politisch abgebrüht und skrupellos sich Hillary nun wehrt: Es ist ein guter Indikator, wie sie sich gegen die Dreckschleuder-Maschinerie der Republikaner behaupten würde (falls sie die Primaries gewinnt). Der “alte Männer-Klub” prügle auf sie ein, ließ sie bei einem Klassentreffen im “Wellesley”-Frauenkollege durchblicken – und spielte damit offen die Frauenkarte aus. Ihr Team attackierte währenddessen Moderator Russert: Das ist nicht besonders redlich, aber Blendgranaten gegen Medien haben auch in den Bush-Wahlkämpfen blendend funktioniert.

Warum schreibe ich so ausführlich über die Dems? Weil in deren Vorwahlen wohl die Entscheidung fallen dürfte, wer Bush in 443 Tagen (Ja! So lange ist es noch!) im White House nachfolgt. Denn der Kriegspräsident reißt nicht nur die Supermacht, sondern auch seine eigene GOP in den Abgrund. Die Umfrage-Daten über die “Unhappy States of America”, so “USA Today”, sind verheerend: 72 % der Ami sind unzufrieden, wie die Dinge so laufen in den USA, zwei Drittel mit Bushs Job-Performance. Die Werte sind bereits derart lange mies, dass vom schlimmsten “nationalen Funk” (USA Today) seit 15 Jahren die Rede ist. Ähnlich negativ war die Stimmung, als Bill Clinton 1992 Bush senior aus dem Amt fegte. Das Top-Thema für die meisten Frustrierten ist das Irak-Debakel, wo nun fast zwei Drittel Invasion und Saddam-Sturz für einen schweren Fehler halten. Umgemünzt auf Partei-Politik heißt das: 53 % neigen den Dems zu, bloß 38 % der GOP. Sollte Hillary die Nominierung schaffen, könnte sie noch dazu bis zu 18 % “Republikaner-Frauen” einfahren.

Die GOP-Vorwahlen sind am ehesten ein Duell zwischen Giuliani und Romney: Doch sollte sich durch völlig überraschende geostrategische Umwälzung nicht am Ende Bush als “verkanntes Genie” entpuppen, scheint ihr Kampf in diesem Klima zur Zeit fast aussichtslos.