Toxic Trade: Bush will Shopper beruhigen, Maxwell wartet auf „James, the Red Engine“


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maxjames
Maxwell und James (hoffentlich diesmal bleifrei…)

Kaum zu glauben, dass US-Präsident George W. Bush – dem gerade mit Musharrafs Putsch in Pakistan oder einem drohenden Militäreinmarsch der Türkei in den Nordirak seine ganze weitsichtige “Krieg gegen den Terror”-Politik um die Ohren fliegt – Zeit hat, sich um so banale Dinge wie die Produktsicherheit importierter Güter kümmern zu können: Die Nahrungsmittelbehörde FDA solle fortan Befugnisse haben, gifte Güter, wie etwa Maxwells bleiernen “James The Red Engine”, einziehen zu können, tönte Bush. Bisher erfolgten alle diese “Recalls”, von denen die USA heuer massenhaft erschüttert wurde, auf freiwilliger Basis. Dazu sollen Importe verstärkt vom Zoll in den Häfen kontrolliert werden und die Verbraucherschutzbehörde (CPSC) Stichproben durchführen.

Keine Frage, der Hut brennt: Durch die schockierenden News immer neuer “Recalls” von Produkten meist “Made in China” – Spielzeug, Zahnpasta, tödliches Katzenfutter, Medikamente etc. – hinterfragen immer mehr eine Weltwirtschaft, die die Produktherstellung komplett in Billiglohnländer aussourct. Die Rhetorik aus dem White House soll die Nerven der US-Konsumenten, ohnehin gebeutelt durch explodierende Haus-Hypothekenraten sowie galoppierende Kollege- und Krankenversicherungsgebühren, vor allem vor dem Weihnachtsgeschäft kalmieren. Wenig vertrauensfördernd wirkte auch, als bekannt wurde, dass die CPSC-Bosse von der Spielzeugindustrie zu tollen Fernost-Trips etwa nach Hongkong eingeladen worden waren.

Es bleibt natürlich, wie bei praktisch allen Bush-Vorstößen, meist nur bei Worten: Denn all die genannten Behörden können mit scharfen Kontrollen erst beginnen, “wenn sie mehr Budgetmittel erhalten”, so Demokaten-Senator Chuck Schumer (was mit Kriegsausgaben von drei Milliarden Dollar pro Woche nicht realistisch ist).

Maxwell hat uns inzwischen seit Wochen jeden Tag gefragt, wann sein recallter James endlich von der Firma, die uns das bleiverseuchte Zeug um Top-Dollar andrehte, retourniert wird. Wir waren nicht einmal aufdringlich: Im Juni sortierten wir ihn aus, mit fast fünf Monaten haben wir dem armen Spielwarenkonzern wohl genügend Zeit eingeräumt, seine Schweinerei gutzumachen. Das Vergiften von Kids mit Bleifarbe zur Profitmaximierung ist ja nicht unbedingt eine gewinnende PR-Strategie. Mehrmals habe ich mir schon überlegt: Ich könnte Max ja mal direkt anrufen und ihm erläutern lassen, wie er das alles so findet.

Und nun musste ich ihm am Ende doch noch einen neuen James kaufen. Nachdem die Kinderärztin im letzten Moment doch eine Injektion statt dem versprochenen Nasenspray zur Grippe-Impfung empfahl und mich mit dem brüllenden Max in der Ordination zurückließ, hatte ich keine Wahl: “Wenn du tapfer bist und dir die Nadel geben lasst, bekommst du James”. O.k., Deal! Ka-Tsching: $21.16, inklusive Steuer. Ich hoffe, der Zug ist diesmal bleifrei – und ich werde Ausschau halten, ob der recallte James in diesem Jahrzehnt noch bei uns eintrifft.

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