Für eine Handvoll Euro: Ausverkauf in New York


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Century21
Sturm auf die New Yorker Shopping-Tempel

Es war das totale Chaos, als ich mir im Schnäppchen-Paradies “Century 21” kürzlich eine Winterjacke kaufte. Mühsam navigierte ich mit Mias Stroller durch die Horden kaufkräftiger Europäer, die meisten Franzosen, Briten oder Deutsche. Die müssen sich wie im Shopping-Himmel fühlen: Zum einen bietet das Megakaufhaus fetzige Designerstücke mit Reduktionen von bis zu 70% an, dazu reduzieren 1,5 Dollar für einen Euro die Preise auf noch lachhaftere Niveaus. Magnifique! Doch trotz des Einkaufsvergnügens sind alte Animositäten schwer wegzukriegen: Ein Gruppe von Frenchies provoziert beim Ausgang einen Security Guard, nachdem der elektronische Alarm angeschlagen hat: “OK? OK?”, fragt einer immer wieder herausfordernd. “I have to check your bag”, antwortet der Guard stoisch. Offenbar ist er dämliche Stänkereien europäischer Urlauber gewohnt.

Der starke Euro machts möglich: Während in der Gesamt-USA der Tourismus laut einer Studie seit 9/11 durch Amerikas devastiertem “Bush-Image” und dem gründlichem Schikanieren der wenigen Reisewilligen um 16% fiel und der US-Wirtschaft 94 Milliarden Dollar und 220.000 Jobs kostete, wird New York regelrecht gestürmt. Und die Jumbos am Rückweg in die Kapitalen Europas starten nach der intensiven Schnäppchen-Jagd im Big Apple wahrscheinlich mit dem doppelten Ladegewicht. Fein für die Euros und auch fein für die New Yorker Wirtschaft, besonders seinen Hotels, Restaurants, Shopping-Meilen, Theatern oder Bars: Schon in 2006, als der Euro noch bei fast schwächlichen 1,35 lag, gaben allein britische Urlauber 1,64 Milliarden Dollar aus.

Problematisch wird der Kaufrausch aus Übersee hingegen für die Einwohner der Metropole – abgesehen vom deprimierenden Gefühl für die einst so stolzen Amerikaner, den Verfall ihrer Supermacht nach dem kollektivem Nasenrümpfen bei Overseas-Trips nun auch anhand ihrer zerbröselnden Währung vorexerziert zu bekommen. “Sterbender Dollar stiehlt den New Yorkern ihre Stadt”, warnt “NY Post”-Autor Braden Keil und liefert ein paar exemplarische Beispiele: Während im Rest der USA die Immobilien-Preise stürzen, klettern sie in New York durch das Aufschnappen von Condos durch europäische oder asiatische Käufer weiter steil nach oben, 25% allein im Vorjahr (in der Zwischenzeit schossen die Mietpreise in Teilen Manhattans um 40% hinauf, da sich die New Yorker kein Eigentum mehr leisten können und auf “Rent” angewiesen sind…).

Und 47% der gekauften Condos dienen als “Urlaubswohnungen”: New York, ein neuer urbaner “Club Med”, mit hunderttausenden Apartments, die so lange bewohnt sind wie jene in den Ski-Ressorts der französischen Alpen? Mit fetten Euros in der Tasche scheinen auch 895 Dollar für das billigste Zimmer im “Mandarin Oriental” nicht mehr ganz so ungeheuerlich, oder das $240-Steak beim Nobel-Japaner “Kobe Club”.

Anfang der Achtziger wären die New Yorker vor dem urbanen Kollaps ihrer Metropole, wie eindrucksvoll im Horrorstreifen “Escape from New York” (1981) dargestellt, geflohen, so Keil: Die 2007-Version des Filmhits wären wieder flüchtende New Yorker – diesmal vor Horden “Dollar-verbrennender” Touristenscharen, die die Preise in ihrer Stadt in immer unerschwinglichere Höhen treiben.

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