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purdue
Ohne Worte…

Die Wetteraussichten für den US-Bundesstaat Georgia (das vermeidenswerte Redneck-Territorium rund um die “Coca Cola”- und “CNN”-Metropole Atlanta): Meist trocken, gelegentliche Schauer an Stoßgebeten. Ja, es wird gebetet im Südosten der USA, nachdem die schlimmste Dürre vielleicht aller Zeiten den Grundwasserpegel um 6 Meter fallen ließ und die Bilder ausgetrockneter Badeseen und Wasser-Reservoirs rund um die Welt gehen. “Reicht euch die Hände”, rief Gouverneur Sonny Purdue (R) von einem Podium vor dem Gouverneurspalast: “Vater, wir treten vor dich als Bedürftige”, begann er salbungsvoll: “Wir glauben an deine Kraft, Wunder zu vollbringen. Wir wissen über unser verschwenderisches Leben Bescheid und bitten um Vergebung. Vater, lass es regnen!”

Ein Klacks für den Schöpfer: Hat er doch, wie der fromme Republikaner weiter ausführt, einst die “Erde, das Wasser, die Luft und uns erschaffen”. Das sind Szenen, die ich als in Europa aufgewachsener auch nach acht Jahren in den USA wohl nie kapieren werde: Ein gewählter Politiker, der am Ort höchst irdischer Gewalt, dem Gouverneurs-Palast, mit einer Gruppe Händehaltender den Herrgott anfleht? Dass ich nicht ganz alleine bin in den Vereinigten Staaten der Frömmler, illustrieren die 12 einsamen Demonstranten, die auf verlorenem Posten eine Trennung von Kirche und Staate einmahnten.

Der religiöse Pfad bietet, wenn man darüber nachdenkt, eigentlich massive Vorteile: Niemand muss seine SUV-CO2-Schleudern – die fest zur Klimaänderung beitragen und natürlich Mitauslöser der Megadürre sein könnten – verschrotten. Eine einfache kleine Beichte beim Herrgott reicht. Und nachdem sich nicht, wie in den Mounty-Phyton-Parodien die Wolken teilen und der vollbärtige Schöpfer vom Himmel zurückbrüllt “VERSCHROTTE DEINEN BENZINFRESSENDEN, ROLLENDEN BLECHKÜBEL, DIE RÜCKSICHTLOSER WURM!” fühlt man sich danach gleich viel wohler beim Stau zur nächsten “Shopping Mall”. Auch für Politiker ist zur Schau gestellte Gottesfurcht recht bequem: Wer hinterfragt schon eine hemmungslose Zersiedelungspolitik, die auf schwindende Wasser-Ressourcen keine Rücksicht nimmt, wenn man den lieben Gott so schön um ein Wunder anflehen kann.