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Loft
Ausspannen über dem Hudson…

Immobilien- und Kreditkrise, drohende Rezession, Milliardenabschreibungen der Investmentbanken? Nie gehört! Dieses Gefühl habe ich jedenfalls, wenn ich das fette Hochglanz-Supplement “Homes” der NYT durchblättere (natürlich auch, um recht neidisch zu sein, in welchen Traumloften meine weit wohlhabenderen Mitbewohner so hausen…). In Sachen Real Estate wirkt der Big Apple tatsächlich noch wie eine Insel der Seeligen, während in Miami, Vegas und anderen, früheren “Hot Markets” die Lasten an den Baukränen über halbfertigen Condo-Türmen verwaist im Wind hängen wie in Tschernobyl nach dem Super-GAU.

Ein Trip durch Manhattan beweist das: Jede noch verfügbare Baulücke wird mit Büro- oder Condo-Projekten zugebaut, bestehende Gebäude renoviert oder erhalten oft richtig draufgeklotzte Luxus-Dachausbauten, niedrige Wohnhäuser werden weggerissen, um Platz für neue Skyscraper zu machen (allein von meinem Fenster aus konnte ich das Ende von vier Gebäuden verfolgen – immer noch steht natürlich das Monster der “Deutschen Bank”, wo die Abrissarbeiten nach dem Großfeuer im August nach wie vor ruhen…).

Stimmt, das Rad der Zeit dreht sich hier offenbar langsamer: Unter den coolen Mega-Metropolen der Erde ist New York für den globalen Geldadel – vor allem im Vergleich zu London – immer noch spottbillig, besonders wenn die Käufer fette Euro oder Pfund auf die Tische der Immobilienmakler knallen. Aber ob der Level an Extravaganz und Vielzahl neuer Projekte inmitten der unsicheren Wirtschaftslage durchzuhalten ist, bleibt abzuwarten.

Zurück zum Katalog: “Sky Loft” prangt da über einer Doppelseite, wo ein doppelstöckiger Glaswürfel von einer Riesenterasse umrundet wird und sich künftige Bewohner auf Designerliegen zwischen exotischen Topfpflanzen hoch über dem Hudson entspannen können. Und dann gibt es die Dachterrasse designed von Philip Starck, wo sich ER und SIE im Abenddress und Anzug auf verbogenen Plastikstühlen was zu sagen haben. Darunter liegen ihre “visionären Condominiums”. “20 Pine” ist ein Luxus-Condoprojekt durchgestylt von “Armani/Casa”, dem Interiordesign-Arm des italienischen Modegiganten, mit einem Pinien-Wald am Dach und einem Pool eingebettet in pastellenem Marmor und verhüllt von einem erdfarbenen Riesenvorhang (das dementsprechende Chick im Badeanzug darf rekelnderweise natürlich auch nicht fehlen in der Werbeeinschaltung).

Geködert werden Käufer in Zeiten, wo absehbar ist, dass Manhattans hunderttausende Luxusherbergen in 100 Jahren ohnehin nur mehr per Boot erreichbar sein dürften, auch mit grünen Gebäuden, wie dem “Visonaire”, unserem neuen Nachbarturm in Battery Park City. Ein “grünes und klares Leben” wird hier versprochen. Da fühlt man sich gleich viel besser, wenn man seinen banzinfressenden SUV aus der Garage steuert. Apropos Garage: Wie wäre es mit einem Liftsystem, das den Bentley zu einer “Privatgarage” gleich neben dem Apartment bringt, wie in einem anderen Luxus-Condo-Projekt angepriesen? Stolz rühmen sich Makler, dass ihre Gebäude immer mehr Resorts gleichen: Die Notwendigkeit, die Idylle für ein Outing in die wirkliche Welt des Big Apple mit seinen ganzen Imperfektheiten verlassen zu müssen, wird dadurch immer geringer. Tatsächlich, wer braucht New York mit “Roof Top Club”, Pool, “Club Room” samt Billardtisch, Bibliothek, Spielraum für die Kleinen, Privatkino, virtuelles Golf, Spielarkade und “Wellness Center”?

P.S.: Nachtrag zum betenden Georgia-Gouverneur Sonny Purdue: Es hat tatsächlich geregnet, nach seinem Stoßgebet zum Herrgott – und jetzt wird ernsthaft in TV-Sendungen debattiert, ob Gebete wirklich funktionieren….