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*) Feuer-Roulette inklusive!

Helikopter
Helikopter kämpfen gegen das „Oktober-Feuer“: „Here we go again…“

Es ist kein großes Wunder, dass sich Hollywoods Stars und die Wohlhabenden der Entertainment-Industrie des nahen L.A. in Armeestärke in Malibu niederließen. Der Pazifik ist dort tiefblau, die weißen Sandstrände idyllisch, das Klima das ganze Jahr über sommerlich oder zumindest wohltemperiert, die steilen Hänge dahinter bilden den perfekten Rahmen für das geografische Gesamtkunstwerk. Die Luft riecht nach Meer, die meisten Autos haben keine Dächer – und das Leben ist “easy”. in Gesprächen mit den Einheimischen fällt irgendwann fast automatisch das Wort “Paradies”.

Als der Österreicher Sigmar Berg vor neun Monaten ebendort hinzog, hatte er sich rasch mit Frau und Kids an die Malibu-Idylle gewöhnt. Als ich jedoch gestern mit ihm telefonierte, wirkte er schon etwas geschlaucht: “Es fällt Aschenregen im Garten, die schwarzen Rauchsäule verdunkelt den Himmel, die Flammen sind in Sichtweite”. Here we go again. Und dann fast verärgert: Wir hatten Pläne, wir wollten verreisen! Und jetzt sitzen wir hier fest! Willkommen im Paradies Malibu, *) mit einer kleinen Fussnote: Denn jeder, superreich oder nicht, lebt hier im Wissen, dass der nächste Feuersturm sein Zuhause in eine rauchende Trümmerhalde verwandeln kann.

Dass in Bergs erster “Feuersaison” (dem Herbst, wenn die gefürchteten “Santa Ana”-Winde besonders wild blasen und die Büsche in den schroffen Canyons nach der Trockenzeit komplett ausgedörrt sind) gleich zwei Infernos die Strandenklave bisher heimsuchten, ist natürlich ein guter Einstand. Rat kann jeder Neu-Malibuer sich bei den alten Hasen holen: Wie in einem Roulette sei das, sinniert etwa Starproduzent Peter Wolf, als ich ihn am Handy nach seiner Evakuierung bei seinen Schwiegereltern in sicherer Distanz zum Inferno erreiche: “Das ist der Preis, den wir alle zu bezahlen haben”, sagt er.

Berg
Neu-Malibuer Berg: Fluchtweg…

Stimmt. Wenn, wie Samstag oder Ende Oktober, der Sturm mit 150 km/h wie in einem Kamin die Feuer durch die engen Canyon-Schlachten treibt, hilft alles Geld der Welt nichts: Weder die teuersten, brandresistenten Materialen eingebaut in die Villa oder das Anstellen von Heerscharen an Helfern, die rund um die Häuser alles brennbare Unterholz wegschaffen. “Wenn die Feuerwalzen rollen”, erzählt Wolf mit einem Hauch an Fatalismus, dann helfe “gar nichts mehr”. Trotzdem habe ich noch nie jemanden dort getroffen, der wirklich wegziehen will.

So gesehen hat sich Berg offenbar bereist gut eingelebt, als er ganz pragmatisch auf seinen, mit seiner Familie ausgearbeiteten Fluchtplan verweist, während wir bei meinem Besuch bei der letzten Feuer-Story im Oktober zum Strand marschierten. “Wir laufen da runter”, deutet er, “und drücken uns an die Klippen-Wände – da kann das Feuer dann oben drüber blasen…”