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YouTube

Berühmt wurde CNNs neues Debatten-Format mit der populären Amateurvideo-Site “Youtube.com” als Partner durch den “Schneemann”. Der hatte bei der Demokraten-Kandidaten-Debatte das Thema Treibhauseffekt originell illustriert. Das Kurzvideo schlug derart ein, dass Snowman als “Break Out Star”, so CNN-Moderatoren, zur Celebrity wurde. Getauft “Billiam” und produziert vom nerdy Brüderpaar Greg und Nathan Hamel landete er sogar auf Seite eines des sonst knochentrockenen WSJ.

Den Konservativen bot Billiam gleich eine tolle Ausrede, sich zunächst vor den Fragen von Joe Sixpack & Co drücken zu wollen. Niveauloses Theater, unwürdig beim Kampf um das ehrwürdige Oval Office, so der theatralisch Tenor. Es dauerte Monate, bis CNN die Republikaner vor die mit Billig-Videokameras bewaffneten Bürger-Reporter bekam. 5.000 Videos wurden schließlich upgeloaded, 40 schließlich auf die rechte Kandidatenschar losgelassen.

Was John McCain von dem “Dude”-Format hält, bekundete er Stunden vor der Debatte: “Ich muss gehen”, verabschiedete er sich bei einem Wahlkampfstopp: “Es ist diese YouTube-Debatte, da bekomme ich eine Frage vom Schneemann und anderen eigenartigen Kreaturen”. Schneemann schlug natürlich wieder zu, gleich mit drei Klipps. Und er ging vor allem auf Mitt Romney los, der sich einst besonders salbungsvoll über Billiam erregte. “Haben Sie ihre Ansichten über Abtreibung, Schwulenrechte oder gar Ihrer Teilnahme an dieser Debatte gerade geändert?“, schlug Billiam, den es längst von der Rettung seines eigenen Kragens in die Tiefen amerikanischer Innenpolitik verschlug, zurück: „Was sagen sie jenen, die sie einen Flip-Flopper nennen? Danke”.

Ja, leicht hatten sie es nicht die acht wackeren, weißen Männer. Dabei begann die Debatte noch recht stimmig mit einem Gitarre spielenden Vollbärtigen, der lustige Reime auf die Kandidaten absang. Lagerfeuer-Romantik im Republikaner-Wahlkampf. Die ist prompt vorbei, als sich Mitt Romney und Rudy Giuliani gleich fest in den Haare geraten, als Giuliani Romney vorwirft, persönlich Illegale beschäftigt zu haben. Vielleicht wollte er ja auch vom eigenen, ersten handfesten Skandal ablenken, wonach er als New-York-Bürgermeister dessen Steuerzahler für Hotels, Benzinrechnungen und Bodyguards blechen ließ, als er seine damalige Mistresse Judith Nathan in den Hamptons besuchte.

Doch bald wird klar, dass das Format mit den YouTube-Video-Fragen neu ist, die rechten Recken jedoch gewohntes bieten: Schrille Hetze gegen Ausländer, Versprechen eines Mauerbaus, Massendeportationen. Zum Glück scheint früh in diesem Wahlkampf klar zu sein, dass diesmal kein “Compassionate Conservative”, wie sich 2000 Bush tarnte, mit von der Partie ist. Einige haben auch die YouTube-Methodologie noch nicht ganz kapiert: Ex-Prediger Mike Hukabee etwa argumentierte mit dem Standbild auf der Riesenleinwand, nachdem eine Studentin ihm per Kurzvideo vorgeworfen hatte, er hätte Einwanderer bevorzugt.

Sonst weiter das übliche: Niedrigere Steuern, Durchhalten im Irak, Foltern der Terrorbösewichte, Hurra-Patriotismus, Ronald Reagan, Schwulen-Hetze, Hillary als Hexe (sie war der Star in den meisten, von den jeweiligen Kampagnen zusammengestellten Spots), die gelbe Gefahr, kauft Amerikanisch, 9/11, Bewaffnung der Bürger, rührende Anekdoten über das Jagen gegen mit Dad, Law & Order.

Eine Truppe jedenfalls, die sich nach der Debatte spätabends kaum YouTube-Videos reinziehen wird.