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Die mediale “Lesben-Affäre” um Hillary Clinton demonstriert, wie es selbst die übelsten Gerüchte in seriöse Blätter schaffen – und illustriert, dass die kommende Oval-Office-Schlacht am besten mit Wäschekluppen auf der Nase beobachtet werden sollte. Schon seit die schlagfertige Karriereanwältin und Powerfrau Hillary an der Seite Bills ins White House einzog verbreiten ihre Gegner, dass sie lesbisch sei. Und am schlimmsten brodelt die rechte Gerüchteküche in South Carolina, wo die ersten, wichtigen Südstaaten-Primaries stattfinden.

Rückblende 2000: Kriegsheld John McCain war nach einem Triumph in New Hampshire am Weg, Texas-Gouverneur George W. Bush dort aus dem Rennen zu werfen. McCain habe ein “illegitimes Kind” mit einer Schwarzen gezeugt, hieß es plötzlich, die fünfeinhalb Jahre als POW in der Dschungel-Hölle Vietnams hätte einen Dachschaden hinterlassen, seine Frau sei drogensüchtig. Alles kam anonym, per Emails oder Anrufen. Bush gewann dann in dieser offenbar niedrigsten Niederung der US-Politik (dass sein Consigliere Karl Rove hinter den üblen Flüsterkampagnen steckte, ist offensichtlich, aber unbeweisbar).

Nun berichtete die “Times of London” über die Gerüchte in diesem Dreckschleuder-Staat Nr. 1, wonach Hillary ein Affäre mit ihrer hübschen Assistentin Huma Abedin habe. “Mystery Woman” Abedin hielt die geifernden Blogger auch ohne Sex mit Hillary seit langem auf Trapp: Mutter, Moslem aus Pakistan, Vater, Moslem, aus Indien, aufgewachsen im Jeddah, Saudiarabien, sehr moslemisch. Das macht sie in diesen Kreisen fast automatisch zur, bestenfalls Al-Kaida-Sympathisantin, schlechtestenfalls bereits zum Mitglied einer Terrorzelle. Da könne sich Hillarys 32-jährige “Chef-Reiseassistentin” noch so mit Prada- oder Oscar-de-la-Renta-Kostümen tarnen.

Doch in dem “Times”-Artikel ist das Hillary-Gerücht nur ein Beispiel in einer ganzen Litanei weiterer Rufmordversuche: In anonymen Flugblättern und Emails wurde vor den “finsteren Geheimnissen” des Mormonen Romney gewarnt, vor Giulianis Frau Judith Nathan, die “unschuldige Welpen” töte, vor dem “Moslem-Extremisten” Barack Obama (kann ja kein Zufall sein, dass jemand derart ähnlich heißt wie Superterrorist Osama) und dem “korrupten Playboy” Thompson. Doch besonders machte das Hillary-Gerücht natürlich die Aufmachung in der Times: Da marschierten Abedin und Hillary, beide ultraschick durchgestylt, Seite an Seite gleich über ein halbe Riesenseite der Zeitung. Eigentümer Rupert Murdoch, der rechte Medienmogul, hat wohl gekichert.

Drudge
Propaganda-Sprach Rohr Drudge: „Don´t go there…“

Der gesinnungsgleiche Internet-Drudge-Report linkte zunächst recht unauffällig auf die Story – bevor Gründer und GOP-Propagandist Matt Drudge drei Tage später das Dossier plötzlich zum Aufmacher erklärte: “Don´t go there”, prangte da auf der unter US-Journalisten meistgelesenen Internet-Quelle: “Times of London” startet den “hässlichsten Monat”, mit einem Zeitungsausschnitt und wörtlich zitiertem Bildtext darunter: “Hillary Clinton wird vorgeworfen, eine Affäre mit Huma Abedin zu haben”. Am Boulevard gab es weltweit plötzlich kein Halten mehr: Die Briten-”Times” hatte, absichtlich oder nicht, die Hillary-Lesben-Story salonfähig gemacht. Den Hillary-Hassern kann es recht sein. Und dabei hat der Vorwahlkampf erst begonnen: Sollte Hillary tatsächlich die “Dems”-Primaries gewinnen, kaufe ich mir jedenfalls eine Gasmaske für das Wahlkampffinale.