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Lagerkoller. Wir haben es seit Ewigkeiten nicht mehr geschafft, nach Einbruch der Dunkelheit (leider zu dieser Jahreszeit gleich nach Lunch…) unser Apartment zu verlassen. Während Hunderttausende Singles und Couples in coolen Bars Cosmos, Martinis und sonstwas schlürfen, gibt es an der Adresse 21 West Street, Apt 30D, immer verzweifeltere Versuche, Baby Mia länger als 5 Minuten schlafend in ihrer Krippe zu halten – und immer erfolglosere, den Roadrunner-ähnlichen Bewegungsdrang von Maxwell zu bändigen. Zeit für ein Familien-Outing.

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Max unterhält Mia: Lagerkoller auf 21 West…

Die Weihnachtsfeier des „Austrian Cultural Forum“ in Midtown, jenem eingenwilligen, 7m breiten 24-Stöcker des Architekten Raimund Abraham, bietet eine Gelegenheit (ich habe mein Korri-Gesicht ohnehin schon sträflich lange nicht mehr hergezeigt). „Kinder sind willkommen“, hatte mir zudem deren neuer Chef, Andreas Stadler, versichert. Leider prasselt den ganzen Tag über wolkenbruchartiger Eisregen auf den Big Apple nieder. Und als ich mit Max patschnass und durchfroren vom Kindergarten-Abholen heimkehre, denke ich mir ernsthaft: Wie verfrachte ich den Bauernebel-Clan nach Midtown? Taxis sind selbst bei Kaiserwetter ein unverlässlicher Alptraum. Bei Regen gleicht das Ergattern der hässlichen, gelben Kübel fast einem Lotto-Jackpot. Und der Gedanke, mit Baby Mia bei Minusgraden im Nieselregen in der 52. Straße zu stehen und Taxis hinterherzuwinken, lässt echte Zweifel an der Exekutierbarkeit unseres Plans aufkommen.

Zip Car“, schießt mir plötzlich in den Kopf! Zip Cars sind Mietwagen, die in Parkgaragen in New York stehen. Mitglieder können sie via Internet reservieren, mit elektronischer Scheckkarte entsperren und mit ihnen selbst bloß ein paar Stunden herumdüsen – ohne den endlosen und dämlichen Fragereien der traditionellen Mietfirmen. „Do you want additional insurance?“ Ich hasse es. Auch deshalb bin sich seit eineinhalb Jahren begeisterter „Zip Car“-Benützer. So sollte es auch sein in einer Großstadt: „Wheels when you need it!“, wie es deren Slogan präzise auf den Punkt bringt. Wer braucht ein eigenes Auto, wenn der Mietwagen gleich nebenbei in der Garage wartet? Und, noch besser: Unsere Garage hat den „Mini Cooper“ in ihrer Wagenselektion! Der Mini, obwohl natürlich offenbar kein Familienschlitten, ist für mich das „Apple-Auto“, so cool wie es am Autosektor nur geht. Ich nehme Max zum Abholen in der Garage mit. Der Wagen, Version dunkelblau, steht bereit. Leider brauche ich ein paar Minuten, um zu kapieren, dass der „Autoschlüssel“ wie eine Minidisk in eine Einbuchtung in der Amaturenfront zu drücken ist und der Wagen per Knopfdruck gestartet wird. „Let´s go Daddy“, meckert Max am Hintersitz. Geduld, Sohnemann, meine letzte Mini-Ausfahrt ist eine Weile her.

Ich lasse Estee um die Ecke vor unserem Apartmentgebäude mit der, in ihren flauschigen Winteroverall gewickelten Mia zusteigen – und schon cruisen wir den FDR-Drive uptown. Allein diese Fahrt auf der wohl spektakulärsten Stadtautobahn der Erde, ist, auch nach acht Jahren in New York, immer noch ein Erlebnis: Die nach „Franklin D. Roosevelt“ benannte Hauptverkehrsader schlängelt sich an der Ostseite Manhattans entlang des East River und gibt, besonders in Richtung Norden, auf der Höhe der 20. Straße den vielleicht spektakulärsten Blick auf die New Yorker Skyline frei (besonders bei Nacht).

Angekommen in Midtown befürchte ich bereits, dass jetzt sicher der herbe Rückschlag für die coole Mini-Cruiserei kommt: Das Parken. Garagen kosten in Manhattan an die $30 pro Stunde. Das Abstellen auf der Straße ist wegen des Dickichts an Parkverbots-Schildern ohnehin ein Roulette (nachdem ich nur ein gelegentlicher Autofahrer bin, wollte ich bisher mein Gehirn mit dem byzantinischen Regelwerk nicht belasten). Letztendlich parken wir genau vor dem Kulturinstitut, nicht besonders legal, aber auch nicht abschlepp-gefährdet.

Die Party ist ein Erfolg, zumindest für die sich vorsichtig wieder in die Welt trauenden „Farmerfogs“: Mia hängt fröhlich am Baby-Björn und uploaded weitere Muster, Gesichter, Lichtstrahlen, Schatten, Geräusche, Musik oder Gesprächsfetzen in ihr Gehirn. Sie ist ein echtes „Party Girl“: Je lebendiger ihre Umgebung, desto gelassener verfolgt sie alles. Max verwandelt inzwischen den Parkettboden abseits des Trubels in seinen privaten „Jurassic Park„, nachdem er seinen „Party-Rucksack“ wieder bis zum Bersten mit Dinos füllte. Er freundet sich rasch mit dem gemütlichen „Security Guard“ an, der ihm ein paar Kartentricks zeigt. Max revanchiert sich mit ellenlangen Vorträgen über die messerscharfen Claws des „Velociraptor“ (Erraten! Max ist nicht mehr „Thomas the Tank Engine“-Eisenbahndirektor, sondern begeisterter Paläonthologe).

Um 22:30 Uhr, wir wollten es nicht übertreiben!, steuere ich meinen poppigen (und noch wichtiger, strafzettelfreien) Mini wieder den FDR-Drive hinunter nach Hause. Ich stelle den Wagen in der Garage ab, ziehe die Scheckkarte über das elektronische Lesegerät, sodass die Mietdauer abgerechnet werden kann. Ein paar Dollar werfe ich in die Trinkgeldbox für die Angestellten. Wie gesagt: Cool. Ach ja, die Kosten: $27,21 steht am Folgetag auf der Website. Für die Taxifahrten hätten wir mehr als $40 hingeblättert.