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Jedes Jahr lässt Hollywood das ultimative Weihnachtsstimmungsmovie im Advent auf die Kinogeher los: Da fallen Dads vom Dach ihrer schmucken Suburb-Villen beim Montieren der bunten Blinklichter, wird Geschenken in letzter Minute hinterhergehetzt (am legendärsten Arnie als Superdad in Jingle all the Way), die Tränendrüse angeworfen durch berührende Familiendynamik beim Putzen des Weihnachtsbaumes. Auch Santa-Prügeleien in der shopping mall sind ein Fixpunkt. Natürlich fällt pünktlich zum Heiligen Abend dickes Hollywood-Styropor in den mit Leuchtgirlanden überzogenen Garten (in einer heurigen Produktionen The Perfect Hollyday verliebt sich eine Single-Mom, so gestresst, dass ihr das Handy gleich in die Bolognia-Sauce fällt, in einen Single-Dad-Einkaufszentrum-Santa…).

MaxChrist
Max im „Winter Garden“: Weihnachtsbaum zumindest in der Kaufpassage…

Unser Advent hätte als Drehbuch heuer wohl keine Kinosäle gefüllt: Baby Mia sorgte dafür, dass wir echt meist andere Sorgen hatten, als es Weihnachten zu lassen. Die meisten TV-Berichte über Christmals made in America dienen ohnehin fast als Abschreckung: Der Wahn der Holiday Saison beginnt gleich nach Thanksgiving Ende November mit dem Black Friday, wo um Mitternacht Einkäuferscharen die Malls stürmen, um die besten Schnäppchen zu ergattern. Im Fernsehen ergeben die Hunnenhorden dramatische Bilder, die tiefere Wahrheit, dass sich die working poor in der Supermacht um Mitternacht anstellen muss, um halbwegs leistbare Geschenk für ihre Kids zu ergattern, wird gleich lieber gar nicht diskutiert. Grundtenor der Medienberichterstattung: Shopping ist eine patriotische Pflicht, besonders zu Weihnachten! Fast 500 Milliarden Dollar geben die einkaufstaschenbehängten Patrioten dann aus. Geld, das sie natürlich gar nicht haben: 75 % der Einkäufe gehen laut einer jüngsten Studie auf die credit card, mit 920 Milliarden Dollar sind die Amerikaner inzwischen insgesamt verschuldet. Doch wer will sich schon nachsagen lassen, die US-Wirtschaft im Stich gelassen zu haben.

Ich muss gestehen, wir haben: Kein Lexus-Autoschlüssel am Frühstückstisch wie in der Werbung, Nicht einmal zu einem Weihnachtsbaum haben wir es gebracht, trotz mehrmaliger Versuche. „Nicht heute“, hatte Maxwell mehrmals Zeit geschunden, als ich nach dem Abholen vom Kindergarten Bäume inspizieren wollte. Als wir es endlich schafften, waren die Bäume allesamt zu gigantisch, oder die kleineren es nicht wert (ein Verkaufsgenie in Tribeca versuchte mir ein Wrack von einem Baum mit abgezwickten Ästen um $60 anzudrehen…). Und Maxwell wollte sich auch keine Zeit nehmen nach einer intensiveren Suche, da seine Dinos zu Hause warteten: „Well?“, dachte ich mir am Ende: „Lieber Maxwell, der Baum wäre ohnehin hauptsächlich für dich…“.

Das Christbaumdrama scheint Teil von Maxwells vorweihnachtlicher Welle an Konfusion zu sein: „Santa ist extinct“, erklärte er eines Tages, ausgestorben, wie die Saurier. Muss wohl mit seiner jüngsten, alles konsumierenden Dino-Phase zusammenhängen. Dann sagt er: „Santa ist ein Mann mit einem Bart!“ Maxwells „Nanny-Friend“, wie er sie nennt, Autumn, versucht zu retten, was noch zu retten ist: Stimmt, in den Einkaufszentren ist das wohl so, sagte sie ruhig, aber der echte Santa, der mit den Rentieren, der komme tatsächlich in der Nacht zum Christtag. Danke Autumn!

Doch auch was der bringen wird, war bis zuletzt unklar: Die „Rudolph“-DVD-Kollektion von unserem Nachbarn Steven haben wir ihm bald öffnen lassen, als „Not-Ausschalter“ während seiner kindergartenfreien Phase. Unsere Geschenke durfte er sich beim Last-Minute-Shopping am 24. Dezember dann selbst aussuchen. Armer Max. Nicht viel besser erging es unserer Übersee-Verwandtschaft: Die traditionellen Bildkalender an unsere Eltern, viel zu spät abgeschickt, lagerten am Heiligen Abend wohl in einem Post-Verteilerzentrum unbekannten Ortes. Ich hoffe, dass sie wenigstens noch heuer ankommen. Die Weihnachtskarten verschickten wir, elektronisch, überhaupt erst letzten Samstag.

Dafür erinnert uns Mia mit ihrem strahlenden, zahnlosen Lächeln und drolligen Gebrabbel, dass es wichtiger Dinge im Leben gibt als eine perfekte Weihnachtsplanung.