Print Friendly, PDF & Email

Die NY Post brachte es per Cover auf den Punkt: „Fall Street“. Es scheint die dritte Phase des neuerlichen Wall Street-Debakels erreicht: „The shit hits the fan“, wie die bulligen Boys am Trading Floor des NYSE bei ihren After-Work-Martinis wahrscheinlich zumindest ihre eigene Lage korrekt beurteilen. Zur Erinnerung, die ersten Phasen des Subprime-und Kredit-Debakels: Nachdem Experten jahrelang vor einem Kollaps der komplett überhitzten US-Immobilienmärkte warnten, wurde die Krise an der Wall Street erstmals im Sommer realisiert, als Hunderttausende Bürger ihre Haus-Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten und riesige Löcher in den Bankbilanzen klafften. Das globale Finanzsystem bebte: Denn die schlauen Banker hatten die oft faulen Krediten neu verpackt, von willfährigen Ratings Agencies als „supersicher“ bestempeln lassen, rund um die Welt verscherbelt und gut Kohle gemacht.

FallStreet
Judgement Day an der Wall Street

Es folgte die Phase des Schönredens: Bloß eine Korrektur des ohnehin hochfliegenden Dow sei das alles. Und schon wieder wurden Talsohlen gesichtet, Kaufchancen, alles begleitet vom üblichen Versprechen, langfristige Aktien-Investmentstrategien würden für Kleinanleger immer lukrativ sein. Alles wie damals beim Tech-Bubble-Debakel. Und tatsächlich: Zum Jahresende war der Dow trotz wilder Kurven um 7 % gestiegen. Die Weihnachtstage waren, auch mit $49,6 Mrd. an Bonuszahlungen allein bei den vier größten Firmen, dann recht beschaulich. Die Ruhe vor dem Sturm.

Denn jetzt beginnt 2008 als mögliches annus horribiles für die US-Wirtschaft – und die Liste neuer Hiobsbotschaften wird täglich länger und schriller: Citibank, Amerikas größte Bank, entließ gleich $10 Mrd. in nur einem Quartal in den „Geldhimmel“ und stopfte ihre Löcher mit Milliardenspenden von Ölscheichs und der Regierung des, US-Studenten mitunter mit Stockhieben verprügelnde Singapur. „Buddy, can you spare a Biillion„, verglich die „Daily News“ die Banker-Betteltour mit denen von Homeless in der Subway. Citi verscherbelte etwa Anteile in der Höhe von $7,5 Mrd. an Abu Dhabi, $12,5 Mrd. an Kuwait und Prinz Alweed bin Talal; MerillLynch $4,4 Mrd. an Singapur, $6,6 Mrd. an Kuwait, Koreaner und japanische Banken; MorganStanley $5 Mrd. an die China Investment Group; BearStearns eine Milliarde ebenfalls an chinesische Investoren.

Die Subprime Nation (Pat Buchanan) ist for sale! Gut uns Bild passt da Bush, der den frauenfeindlichen Diktatoren jenes Wüstenstaates, wo 15 der 19 9/11-Jumbobomber hersind, um billiges Öl anbettelte. Die Zeiten, wo, bebildert mit glorreichen Paradenszenen aus dem Hitfilm Gladiator über das American Empire fabuliert wurde, sind nun wohl vorbei. Die Inflation erreichte 2007 mit 4,1 den höchsten Stand seit 1990: Ja, ist mir schon aufgefallen, meine Krankenversicherung ist um 30 % teurer als vor drei Jahren, die Miete natürlich auch, die Beträge auf der Rechnung unseres Online-Supermarkts Fresh Direct werden auch immer üppiger. Und das Sparen für die Studien-Gebühren für die Kids? Sorry, Max und Mia, wie es aussieht, wird es Stony Brook State University statt Harvard…

Nun hofft Wall Street auf den „Fed“, er möge wieder die Kohlen aus dem von ihnen mitverursachten Feuer holen. Doch was soll er zuerst löschen: Die lodernde Inflation? Oder die ersten Glutnester der drohenden Rezession? Jim Cramer, Wall Streets lautester Cheerleader, ist trotzdem gewohnt guter Dinge – an einem Tag wo der Hang Seng in Hongkong so tief stürzte, wie am Tag nachdem Linienflugzeuge die Twin Towers ausradiertet hatten. Immerhin: Am Parkett des Nasdaq promoted Katie Holmes gerade ihren jüngsten Streifen, ausgerechnet!, „Mad Money„. Und Cramer schwadroniert darüber, wie viele Aktien oversold sind, also eine Kaufchance darstellen.

JimCramer
Löst die Sparbücher auf und macht mit Jim Millionen!

Noch vergessen? Die vierte Phase der Subprime-Katastrophe: Handschellen! Die Staatsanwälte in New York und Connecticut untersuchen bereist die Machenschaften großer Wall-Street-Firmen mit ihren einst angeblich so lukrativen Kreditpaketen voller fauler Subprimes. Die Kernfrage: Haben sie Investoren wichtige Informationen vorenthalten? Tja, es darf geraten werden…