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Artic Express nennen Meteorologen das Phänomen, wenn eiskalte Luft von der Arktis über die tiefgefrorene, gigantische Landmasse Kanadas bis runter nach Florida weht. Deshalb geht es in New York um einiges frostiger zu im Winter als etwa in Neapel, obwohl beide Städte am gleichen Breitengrad liegen (die zweite Erklärung ist, dass der Atlantik, anders als das Mittelmeer, im Winter aufgrund fehlender, warmer Meeresströmungen abkühlt wie ein Alpensee…). Nie in meinem Leben habe ich so gefroren wie in New York: Nicht bei sibirischen Kaltlufteinbrüchen in Ostösterreich, nicht in Schneestürmen beim Snowboarden auf Alpengletschern. Vielleicht ist es die feuchte Meeresluft, am ehesten aber die brutalen, in Hochhausschluchten sich potentierenden Windstöße, die bloße Ohren in Sekundenbruchteile in glühende Schmerznester verwandeln (in meinem Premiere-Winter stürmte ich bei der ersten Kältewelle Banana Republic-Läden auf der fieberhaften Suche nach einer Wollmütze, um zu erfahren, dass die nur bis Oktober erhältlich sind – weil dann bereits die Frühjahrsmode angeboten wird…).

Cold
Dampfender Hudson: New Anchorage…

Jetzt, als stolzer Wollmützeneigentümer, muss ich natürlich kichern, wenn italienische Touristen bei den schlimmsten Frosttagen bibbernd mit ihren schicken, aber dünnen Armani-Lederjäckchen und mit knallroten Ohren zur nächsten Subway-Station eilen. Den frostigsten Tag in New York gab es am 9. Februar 1934 mit immerhin minus 26 º C. Damit die in Sachen lokales Wetter besonders superlativen-süchtigen TV-Station neben den Schneesturm-Hype auch die Frost-Panik noch besser schüren können, haben sie wind chill– also „Anfühl“-Temperaturen erfunden: Denn mit der steifen Nordwest-Brise mit 50 km/h-Böen hinzugerechnet, fühlten sich die durchaus moderaten – 6 º C am Sonntag, dem Beginn der aktuellen Kältewelle, an wie – 17 º C.

Nicht so schlimm wie im Jänner 2004, als der Hudson bei Echt-Temperaturen von – 20 º C dampfte und Tage später von Eisschollen überzogen war. Doch kalt genug, um mit einem fünfmonatigen Baby kaserniert zu sein. Der dem Sonntag folgende Martin Luther King-Feiertag vergrößerte den Lagerkoller, vor allem nachdem Maxwell seine Dino-Phase durchlebt und lieber als gerissener Velociraptor-Jäger durch die feuchten Urwälder von Lower Manhattan der späten Cretaceous-Periode streifen würde. Dazu hat Mia gerade entdeckt, wie sie ihren Missmut, nicht ausreichend beachtet zu werden, effektiv kommunizieren kann.


NFL-Semifinale: Packers vs. NY Giants bei – 20 º C…

Erstaunlich waren jedenfalls die Bilder der TV-Übertragung vom Football-Semifinale in Green Bay, Wisconsin, als 80.000 bei – 19 º C und – seht, wie ich gerne mitmache beim Wetterhypen! – einem wind chill von – 31 º C den Thriller zwischen den heimischen Packers und New York Giants verfolgten und stolz ihre gefrorenen Bierfalschen in die TV-Kameras hielten. Einige der Stars spielten mit kurzen Ärmeln, ein paar Cheerleader tanzten in Bikinis. Langsam wird mir klar, warum viele Amerikaner bereits ab + 5 º mit der Kurzen herumlaufen.